Als wäre es nicht schon interessant genug, dass ein Afrikaner in höchste politische und militärische Beraterkreise um Zar Peter I. aufsteigt, ist Abram Petrovich Gannibal mit namentlichem Hinweis auf einen scheinbaren Hannibal zudem auch noch der Urgroßvater von Alexander Puschkin - etwas das sicherlich nur die wenigsten wissen.
Peter der Große adoptierte den sogenannten abessinischen Prinzen und doch sind die geschichtlichen Zeugnisse über ihn widersprüchlich und lückenhaft. Der Autor Hugh Barnes hat sich alle Mühe gegeben eine Biographie ohne kritische und kommentatorische Bewertungen abzuliefern, welches ihm auch gelungen ist.
Gannibal ist ein Faszinosum, eine Gestalt die es an der Stelle hätte gar nicht geben dürfen, obwohl sich reiche russische Familien gerne einen Mohren hielten, zur Dekoration und für Dienstleitungen der einfach wie auch Besonderen Art.
Hugh Barnes zeigt in seinem Buch DER MOHR DES ZAREN auf, wie der 17jährige Sklave an den Hof Peter des Großen kam und dort schnell aufstieg in den Olymp der Macht, zudem flogen ihm die Herzen der Frauen zu, denn er war groß, schön, gebildet und hatte einen wachen Verstand. Selbst Voltaire nannte ihn doch tatsächlich den dunklen Stern der russischen Aufklärung.
Ein ungewöhnliches Buch mit einem höchst ungewöhnlichen Thema. Wer war nun Gannibal? Was dachte er und was war sein Weg in einer Zeit des Umbruchs in Europa?
Eine ganz fantastisch gut geschriebene Geschichte, als sei man hautnah dabei. Hugh Barnes beleuchtet Gannibal dabei von verschiedensten Seiten, sowohl von Seiten Alexander Puschkins aus, als auch von Seiten seiner Freunde und Feinde. Zustande gekommen ist ein Bild eines außergewöhnlichen Menschen, wobei vermerkt sei das einige bis dato als wahr angenommen Fakten falsch sind und nur in die Irre führen.
Gannibals Herkunft bleibt geheimnisvoll, sein Aufstieg zur Macht war aber real, seine Kinder bis zu Alexander Puschkin sind ein Faktum.
Spannend geschrieben bis zur letzten Seite, informativ, umfassend und sachlich. Dies Buch schließt eine weitere Lücke in der Geschichte Russlands und Europas, außerdem zeigt es immer wieder das Verhältnis von Europa zu Afrika auf, welches sich ja bis heute nicht wesentlich geändert hat.
Sehr empfehlenswert!