Das hier so verdächtig oft missionarisch angepriesene "Büchlein" zum Thema Menschenführung wurde mir kürzlich von einer ebenso begeisterten Kollegin feierlich überreicht. Meine entsprechende Erwartungshaltung wurde jedoch beim Lesen der "frohen Botschaft" von Seite zu Seite mehr enttäuscht.
Den in einfachster Sprache verfassten Ausführungen der Autoren Blanchard und Johnson ist durch etliche Wiederholungen ihrer "Werbesprüche" bei einer einigermaßen entwickelten Konzentrations- und Lesefähigkeit bequem zu folgen - auch im Halbschlaf.
Umfang, Aufbau und Schreibstil lassen vermuten, dass als Zielgruppe bereits der durchschnittlich 12-jährige Managernachwuchs Amerikas anvisiert wurde.
Inhaltlich vermittelt wird ein überkommenes, äußerst fragwürdiges und wohl kapitalistisch geprägtes Menschenbild, das u.a. in deutlichem Kontrast zur Humanistischen Psychologie steht.
Die "Führung" von Mitarbeitern wird wiederholt mit der Dressur von Tieren verglichen (Lernen geschieht überwiegend fremdbestimmt durch positive bzw. negative Verstärkung). Mitarbeiter werden etwa mit "Leckerlis" (Lob des Managers) zu Arbeiterrobotern erzogen, alles natürlich unter "Laborbedingungen". Faktoren, die nicht in dieses trivialisierte System passen (intrinsiche Motivation und Erwartungshaltungen auf Seiten der Mitarbeiter, ihre Familiensysteme, Konflikte, ggf. Neurosen etc.) werden weitgehend ausgespart. Eine systemischere Sichtweise wäre ja auch inhaltlich wesentlich schwerer zu vermitteln und ließe sich nicht auf den knapp 100 Seiten des Büchleins darstellen ...
Vergleiche mit der Entwicklungspsychologie sind teilweise hanebüchen konstruiert und stellen mitunter völligen Unsinn dar.- Ein Kind lernt eben nicht primär deshalb "laufen", weil es "Küsschen und Umarmungen" seiner Eltern "ernten" möchte - wie dargelegt, sondern um "laufen zu können". Durch diesen Kompetenzerwerb möchte es seine Umwelt besser erfahren und sich aneignen können. Lob und Zuwendung sind natürlich förderliche Bedingungen, die es in seiner Entwicklung unterstützen (vgl. 82 f.).
An anderer Stelle werden triviale Binsenweisheiten dargelegt als geniale Errungenschaften fortschrittlichen Managements, stellen sich jedoch auch bei geringer Reflexionsgabe als natürliches Wissen einer jeden durchschnittlich begabten Hausfrau und Mutter dar (z.B. Stärkung einer Beziehung durch Zuwendung mit entsprechend positiven Folgen für Entwicklungen, s.o.).
Meine Wertung: 1 Stern (Begründung: Ich musste beim Lesen häufiger schmunzeln.)