Vorweg sei erwähnt, dass "Der Metamorph" der zweite Teil des so genannten Kantaki-Zyklus ist. Man sollte auf jeden Fall vorher Diamant gelesen haben, da einem ansonsten zu viele Hintergründe fehlen und man spätestens ab Mitte des Buches der Handlung nur noch schwer folgen kann.
Trotzdem ist für meinen Geschmack "Der Metamorph" kein typischer Fortsetzungsroman. Brandhorst baut zwar am Ende von Diamant geschickt die Brücke zum Projekt "Doppel-M" (was nicht etwa für Metamorph, sondern für Menschenmacht steht) und kann damit zu Beginn des Buches gut in die Story rund um den Metamorph einsteigen. Aber mal abgesehen davon, das die Ereignisse sich zeitlich direkt an das Ende von Diamant anschließen und vor dem selben "zeitlichen und politischen Hintergrund" spielen, scheint die eigentliche Story zunächst nichts mit der Handlung aus Diamant zu tun zu haben und auch die Protagonisten des ersten Teils spielen erstmal kaum eine Rolle.
Ein Großteil der Handlung spielt auf dem Planeten Kerberos. Dort entwischt eine künstliche, sehr anpassungsfähige Lebensform aus einem Labor und schlüpft in den Körper des gerade erschossenen Jungen Raimon. Bruder Eklund, der einem Orden angehört, dessen Mitglieder übernatürliche Heilungskräfte besitzen, ist von dem Jungen fasziniert und nimmt sich seiner an - ohne zu wissen, mit was für einem scheinbar gefährlichen Monstrum er es zu tun hat...
Währenddessen werden auf einer geheimen Forschungsstation am Meeresgrund von Kerberos zwei Jahrmillionen alte Artefakte entdeckt. Die Forscher ahnen nicht, dass sie die Büchse der Pandora öffnen, denn auf dem Meeresboden lauert ein Keim des Abissalen, einem dunklen, Realität-vescrhlingenden Wesen, das den Temporalen die Rückkehr aus dem Exil eröffnen und damit einen neuen Zeitkrieg beginnen könnte.
Mit den Temporalen hat sich auch der aus Band 1 bekannte Valdorian verbündet, der erst etwa zur Mitte des Buches wieder in Erscheinung tritt. Dieser geht einen schicksalhaften Pakt mit den Temporalen ein. Als Gegenleistung für 100 zurück gewonnene Lebensjahre, macht sich auch Valdorian mit einer Streitmacht auf den Weg nach Keberos, um den Temporalen zum Ausbruch zu verhelfen...
Ich tue mich etwas schwer mit der abschließenden Bewertung dieses Buches. Zum einen, weil es als Mittelteil einer Trilogie schon von sich aus einen schweren Stand hat und ich den 3. Teil Der Zeitkrieg noch nicht gelesen habe - vor allem aber, weil Metamorph eben anders ist als sein Vorgänger und zumindest meine (hohe) Erwartungshaltung nicht erfüllt. Wie erwähnt spielen die alten Protagonisten zunächst kaum eine Rolle - Valdorian taucht erst zur Mitte des Buches auf und Lidia spielt gar keine Rolle und auch die Handlung rund um den Metamorph/Raimon und Bruder Eklund ist zwar ganz nett, kommt aber für meinen Geschmack nicht an den Vorgänger heran.
Während Brandhorst die Figur des Bruder Eklund recht gut gelingt und man wieder mal einen richtigen Sympathieträger bekommt, ist aus meiner Sicht die Figur des Valdorian, der sehenden Auges einen Pakt mit dem Teufel eingeht und das Schicksal des ganzen Universums für ein paar Lebensjahre opfert, wiederum völlig überzeichnet und unglaubwürdig.
Insgesamt bleibt bei mir der Eindruck von Stückwerk zurück, denn große Teile des Buches wirken wie eine Geschichte, die zwar im gleichen Universum spielt, den ganzen Kantaki-Zyklus aber nicht oder nur schleppend voranbringt. Die Zusammenhänge der einzelnen Handlungsstränge wirken auf mich eher konstruiert. So hat sich mir nicht erschlossen, was der "Kopfgeldjäger" Lutor, der auf den Metamorph angesetzt wird und seine Ausflüge in die virtuelle Anderswelt überhaupt für eine Rolle spielen. Da blieb bei mir ein wenig der Eindruck zurück, dass Brandhorst etwas plump bei Tad Williams' Otherland abgekupfert hat.
Was bleibt ist eine nette und durchaus spannende Story, die aber den Erwartungen des hervorragenden Vorgängers nicht standhält. Die sich aufbauende Bedrohung eines zweiten Zeitkrieges schildert Brandhorst eindringlich und bedrohlich. Daraus und aus der Jagd nach Bruder Eklund und Raimon zieht das Buch seine Spannung. Somit ist der Metamorph gerade so gut, um Lust auf Teil drei zu machen. Aber in der Gesamtbewertung kann ich mich meinen Vorgängern nicht wirklich anschließen und tendiere hier eher zu drei Sternen - während Diamant wohlwollende 5 bekam. Hoffen wir mal, dass Brandhorst bei "Der Zeitkrieg" zu den Stärken von Diamant zurückfindet.