Eine neue Aufnahme von Händels Messias"-Oratorium mag so gut sein wie sie will, der Markt braucht sie keinesfalls - das mag sich, völlig zu Recht, Wolfgang Katschner gedacht haben, der Leiter der Berliner Lautten Compagney. Doch bei dem Messias", den er nun auf einer Doppel-CD vorstellen kann, sieht das ganz anders aus: Hier hat man es mit jener deutschen Übersetzung zu tun, die Johann Gottfried Herder 1780 erstellt hatte. Und so beginnt das Oratorium nicht mit dem üblichen Comfort ye, comfort ye my people", sondern mit Tröstet, tröstet mein Zion" - das Werk ist damit ungewohnt neu und vertraut zugleich. Herders Übersetzung passt sich perfekt ein in die Musik, auch wenn sie mitunter etwas unnötig kunstvoll bzw. gekünstelt wirkt. Doch, wie man im Booklet nachlesen kann: Das hatte er so gewollt! Eine Satzkonstruktion wie Wie? Dass die Völker so wütend ergrimmen zusammen?" hat ihren Ursprung nicht alleine in der Anpassung an die vorgegebene Melodieführung, sondern auch in Herders Postulat, eine Übersetzung müsse immer ein wenig Fremdartigkeit bewahren, gerade soviel, dass der Hörer/Leser noch das eigentümliche Aroma des Originals 'schmecken' kann", wie die Booklet-Autorin schreibt. Klingt überzeugend und trägt zum überaus großen Reiz beim Hören dieser Aufnahme jedenfalls bei.
A propos nachlesen: Leider enthält das Booklet nicht den kompletten Text, den ich bei aller Textverständlichkeit der hervorragenden Solisten gerne doch gehabt hätte. Man kann sich das Libretto nur als PDF herunterladen und selbst ausdrucken. Dies mein einziger Kritikpunkt an einer ansonsten vorbildlich geratenen Produktion.