Vielleicht sollte man darauf hinweisen, dass Richters Einspielung mehrere Sätze des Werkes auslässt. Es handelt sich um die folgenden:
Zweiter Teil:
- Chor: "Auf, zerreißet ihre Bande"
Dritter Teil:
- Duett: "O Tod, wo ist Dein Stachel?"
- Chor: "Drum Dank sei Dir, Gott"
- Arie: "Ist Gott mit uns, wer sollte uns schanden?"
Diese Sätze hätten zusammen etwa um die zehn Minuten ausgemacht. Im Beiheft steht erklärend, auf diese Sätze habe man "aus dramaturgischen Gründen" und "um einen strafferen musikalischen Ablauf zu erzielen" verzichtet. Wie sehr es Richter allerdings tatsächlich um einem strafferen Ablauf gegangen sein mochte, erscheint doch fraglich. Zumal Richter viele Sätze, insbesondere die Arien, in einem sehr breiten Tempo spielen lässt und damit dem Gang der Dinge an sich bereits einiges an Straffheit nimmt.
Aber davon abgesehen ist diese Einspielung aus dem Jahr 1965 makellos. Die Tonqualität ist brillant, man merkt der Aufnahme ihr Alter nicht an. Was die Interpretation an sich betrifft, fällt Richters Messias natürlich aus dem Rahmen der mittlerweile etablierten historisch-informierten Aufführungspraxis. Wer sich aber mit dieser neueren Schule nicht anfreunden kann, oder wer sich dafür interessiert, wie Barock-Musik vor Harnoncourt, Gardiner, Herreweghe und Co. gespielt wurde, findet vielleicht keine bessere Aufnahme als diese.