"Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt" entstand 1986, also ein Jahr bevor Herta Müller in die Bundesrepublik auswanderte. Die Auswanderung oder viel eher das Warten darauf, sind auch das große Thema dieser Erzählung. In sprachlich äußerst verknappter Form (oh mein Gott, diese Parataxen!) wird das Leben der Familie Windisch geschildert, die auf die Ausreisegenehmigung in den Westen wartet. Die Zeit scheint sich endlos zu dehnen. Der Müller Windisch zählt Tag für Tag die Jahre, Monate und Tage. Das Dorf entvölkert sich (zumindest was die Deutschen angeht) und Familie Windisch muss weiter warten. Erst nachdem sich Windischs Tochter Amalie für die Papiere "verkauft", bekommt die Familie die ersehnte Ausreisegenehmigung.
Ähnlich wie bereits in "Niederungen", dem Erstlingswerk Müllers ("Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt" gehört zum Frühwerk der banatschwäbischen Autorin), wird mit den Gepflogenheiten im Dorf abgerechnet. Der Polizist und der Pfarrer, die Vertreter der beiden wichtigsten Instanzen entpuppen sich als geifernde Lüstlinge, die erst nach dem Beischlaf mit den jungen Frauen der Auswanderungswilligen bereit sind, wichtige Papiere zu beschaffen. Diese Schilderungen brachten der Autorin herbe Kritik aus den Reihen der Rumäniendeutschen ein. Von "Nestbeschmutzung" war die Rede und man vergaß völlig, dass es sich um einen fiktiven Text handelte - und nicht um die Schilderung eines realen banatschwäbischen Dorfes. Ebenfalls an die Niederungen erinnert die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte. Die Bewohner des Dorfes treffen antisemitische und generell xenophobe Aussagen. Die Zeit des Dritten Reiches wird von der Autorin ebenso beleuchtet wie die Gegenwart der 80er Jahre.
"Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt" ist somit ein scharfsichtiges Panorama banatschwäbischen Dorflebens.
Vier Sterne sind es lediglich aufgrund meiner Abneigung gegen allzu viele Parataxen. Das kommt mir zu sehr wie Peter Bichsel rüber - und den finde ich einfach nur schrecklich öd...