Arnold Gehlen wird oft mit der Aussage "Der Mensch als Mängelwesen" in Verbindung gebracht, allerdings ist diese Aussage ganz und gar nicht das, was Gehlen vermitteln möchte.
Gehlen mag auch in seiner Sicht und seitens seiner Biografie umstritten sein, jedoch vermag er es, ein umfassendes Bild des Menschen zu geben, indem er erklärt, wieso der Mensch gerade wegen seiner "Mängel" so herausragend ist. Besonders die Ausführungen über die Entlastung und die Fantasie waren für mich sehr anregend, denn vor allem hier möchte man Gehlen gerne Recht geben.
Bis man zu diesen Stellen gelangt, müssen allerdings auch sehr zähe und langatmige Passagen überwunden werden, die sich mit der Frage des Menschen als Mängelwesen auseinander setzen. Es erfordert also ein gewisses Maß an Ausdauer, um sich durch die Seiten zu arbeiten. Es ist auch keine leichte Kost, denn Gehlen baut - wie bereits erwähnt - eine eigene Sicht des Menschen auf und begründet sie.
Für die Langatmigkeit gibt es einen Stern Abzug, für das Bild des Menschen allerdings vier Sterne, denn alles in Allem ist das Buch lesenswert und regt zum Nachdenken an.