Wolf Schneider wurde 1925 in Erfurt geboren, wuchs in Berlin auf und lebt heute in Starnberg. Als deutscher Journalist, Sachbuchautor und Sprachkritiker schrieb er für zahlreiche deutschen Zeitungen bzw. war Chefredakteur der Tageszeitung "Die Welt". Heute ist er Honorarprofessor an der Universität von Salzburg und arbeitet regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung im Bereich "Sprache".
Dieses Buch "Der Mensch" hat mich persönlich sehr beeindruckt, denn es enthält eine Unmenge an Daten, Fakten und Zahlen über unsere Welt und über den Menschen von seinen Anfängen vor 6 Millionen Jahren bis heute. Wie, wo, warum ist der Mensch entstanden und wie hat er sich in dieser Welt zu Recht gefunden, bzw. wie hat er diesen Planeten zu nutzen gewusst.
Auf rund 450 Seiten berichtet Schneider in einfacher und detaillierter Weise über alle möglichen Lebewesen und Lebensformen mit Hauptschwerpunkt auf den Menschen sowie über alle erdenklichen Probleme, die durch den Menschen auf dieser Welt entstanden sind. Er ist sehr kritisch, spart nicht mit Kritik an der Gier des Menschen, der alles an sich rafft und nicht an Morgen denkt, wie im Falle des Ölverbrauchs zum Beispiel.
Schneider schafft es, Daten so zu vergleichen, dass man sich darunter etwas vorstellen kann und sich die Größenverhältnisse dann auch merkt wie z.B.:
"Heute entlassen die Deutschen pro Kopf und Jahr 460 Kilo Müll in die Umwelt, 1,3 Kilo pro Tag (die Amerikaner 700 Kilo)"
"Schon heute haben mehr als eine Milliarde Menschen auf der Erde nicht genug zu trinken, jedenfalls kein sauberes Wasser, und in vielen Ländern der Welt stehen ihnen zum Trinken, Kochen und Waschen pro Tag nur zehn Liter zur Verfügung. Die Deutschen brauchen im Durchschnitt 130 Liter, die Amerikaner 300. An die drei Milliarden Menschen kennen keine Wasserspülung."
Nach einem geschichtlichen, reich detaillierten Überblick über die Ansiedlung des Menschen auf diesen Planeten, geht er auf heutige Probleme ein und bringt den Leser dazu, seinen Blickwinkel zu verschieben und andere Probleme in Betracht zu ziehen als jene, die uns von den Medien tagtäglich vor Augen geführt werden: Der Klimawandel ist nicht wirklich ein Problem, das Klima hat sich schon immer gewandelt und es ist für den Planeten und für die Lebewesen sogar besser, meint er, wenn es ein paar Grad wärmer wird. Statt wegen dem Klimawandel so viel Energie zu verschwenden, sollte man lieber über die Hungersnöte, den Wassermangel und die immer neu auftretenden Krankheiten reflektieren.
Ein weiteres Problem, das Schneider als negativ betrachtet, ist die fadenscheinige "Entwicklungshilfe"
In Afrika zum Beispiel, hat der Mensch durch seine so genannte Hilfe oder "Entwicklungshilfe" mehr Schaden angerichtet als tatsächlich geholfen. Er begründet dies mit der Aussage des schwarzen Wirtschaftsexperten James Shikwati aus Kenia, der in einem Spiegel-Interview äußerte:
"Die Entwicklungshilfe schadet unserm Kontinent schon seit vierzig Jahren ...Wenn die Industrienationen uns wirklich helfen wollen, sollen sie endlich diese furchtbare Hilfe streichen. Den Ländern, die das meiste kassiert haben, geht es am schlechtesten. Es werden riesige Bürokratien finanziert und Afrikaner zu Bettlern und zu Unselbständigkeit erzogen. Die Entwicklungshilfe schwächt die lokalen Märkte und den Unternehmergeist, den wir so dringend brauchen."
Ich muss sagen, dass Schneider bzw. Herr Shikwati in diesem Punkt Recht haben. Ich kenne eine österreichische Familie, eine Ärztin und einen Lehrer, die vor ein paar Jahren in Uganda einen Brunnen aufgestellt haben. Sie haben einige Jahre dafür arbeiten müssen, um der Bevölkerung Wasser zu bringen und eigentlich möchte man meinen, das hätte Früchte getragen und die Bevölkerung wäre hierüber glücklich gewesen. Das Gegenteil war der Fall. Sobald die mir bekannte Familie das Land verließ, kümmerten sich die Menschen dort nicht mehr um den Brunnen und heute haben sie wieder kein Wasser, weil sich keiner zuständig fühlt, den Brunnen zu erhalten.
Diese Einmischung in fremde Angelegenheiten unter dem Vorwand "man will ja nur helfen" hat auf dieser Welt schon einige Gesellschaften ruiniert, man denke nur an die aufgezwungene Christianisierung und Missionierungssucht. Als wären Christen oder Europäer bessere Menschen als Inka oder Aborigines.
Schneider zeigt anhand der Teilung der Welt zwischen Spaniern und Portugiesen durch den Vertrag des Tordesillas im 15. Jahrhundert, und das in der Folge beginnende Kolonialisierungszeitalter, schön auf, wie Macht, Gier, Anmaßung und Rücksichtslosigkeit ganze Völker auslöschen können.
Weiters geht Schneider auf Themen und Probleme wie "Bevölkerungswachstum", "Krankheiten", "Kriege und Söldner", "Wassermangel und Wasserverschmutzung", "Hungersnöte" ein und behandelt sehr viele menschliche Errungenschaften, sei es das Feuer, die Landwirtschaft, die Industrie oder das Bauen von Stauseen und Klimaanlagen.
Insgesamt ein Buch, das sehr reich an Fakten und Zahlen ist und, wenn alles stimmt, was darin steht, zum wiederholten Lesen zu empfehlen ist.
Fazit:
"Wir sind eine fehlgeleitete Gesellschaft im Zenit ihrer Gier und Arroganz", schreibt der britische Historiker Ronald Wright 2005. (Seite 450)