Frankl beschreibt zunächst eine existentielle Sinnleere als die dominante Pathologie des Zeitgeistes. Er kritisiert Freuds Libidotheorie und Adlers Ansatz des Minderwertigkeitskomplexes als zu einseitig; der Mensch als ein frei handelndes Wesen wird in diesen Theorien nicht beachtet. Das Gefühl eines existentiellen Vakuums sieht Frankl als ein um sich greifendes Phänomen. Tiere haben Instinkte, der Mensch hatte über Jahrtausende feste Traditionen. Nur heute wird dem Menschen nicht mehr einheitlich gesagt, was er soll, oft weiß er auch nicht mehr, was er will. Er ist verdammt zur Freiheit (hier klingt auch etwas Sartre und Camus mit rein). Frankl sieht dieses Gefühl der Sinnlosigkeit als Ursache für Alkoholismus, Drogenkonsum, Kriminaliät, Aggression. Aggression ist seiner Meinung nach auf menschlicher Ebene mehr als nur ein biologisch bedingtes Potential, das abgebaut werden muß (wie die Triebtheoretiker das sehen). Vielmehr ist Aggression manipulierbar, bewußt steuerbar und kulminiert beim Menschen im Haß. Der Mensch haßt aus einem Grund und nicht als Reaktion auf einen verdrängten Trieb oder auf angestaute Aggressionsenergie. Ebenso ist Sexualität nach Frankl nicht zu sehen als ein bloßes Abreagieren des Sexualtriebes. Auf menschlicher Ebene ist sie Ausdruck einer Liebesbeziehung, Inkarnation, Fleischwerdung von Liebe / Verliebtheit; ansonsten bleibt sie leer und nicht erfüllend (naja, zumindest in diesem Punkt bin ich dann doch anderer Ansicht ...). Schließlich erzählt er von seinen Erfahrungen in Auschwitz und Dachau und sagt, daß vor allem die überlebt haben, die eine Aufgabe, eine Zukunft, also einen Lebenssinn hatten.
Frankls Glauben an einen Sinn des Lebens ist ansteckend; natürlich sieht man sich selbst auch lieber als ein nach Selbst-Transzendenz strebendes freies Wesen, denn als einen Klumpen aus unreinem Kohlenstoff und Wasser. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)