Der Meister - Herbert Rosendorfer
Die Geschichte handelt von dem ewigen Studenten Thomas Wibesser, dessen Nachname bereits klar macht, dass wir es mit einem Besserwisser zu tun haben. Da er sich mit seiner Pingeligkeit allerdings meist selbst im Weg steht, bescheiden lebt und im Normalfall nicht großspurig daherkommt, wird er von seinen Kommilitonen durchaus als Koryphäe geschätzt und mit dem nur zum Teil ironisch gemeinten Prädikat "Der Meister" geadelt. Der Verfasser Herbert Rosendorfer zeichnet das Bild einer Studentengeneration, von der das Universitätsstudium noch nicht als Berufsausbildung gesehen wurde, sondern als Möglichkeit zum Erwerb eines umfassenden Wissensrepertoires, dessen Zweck nicht unbedingt in der praktischen Anwendung bestand, sondern - wenn man so will - der Verfeinerung des Menschen dienen sollte. Vor diesem Hintergrund geschehen allerlei skurrile kleine Geschichten, die bei einem Treffen von zwei Studienfreunden des Meisters in der Rückschau erzählt werden. Am lustigsten fand ich die Episode mit dem "Stierkampf" in Oppenhusten/Münsterland (Ansage des Zeremonienmeisters mit pseudo-spanischen Akzent: "Meine Damen chund Cherren.")
So wie der Lebenszweck der Hauptfigur im Vor-Sich-Hin-Studieren besteht, verstehe ich auch den Inhalt des Buches: Ein konkretes Ziel ist nicht erkennbar, auf die Details kommt es an.
Ach ja: Was die lasziv dreinblickende Dame auf dem Buchcover mit dem Inhalt zu tun hat, bleibt mir auch nach der Lektüre ein Rätsel. Jedenfalls musste ich meiner Frau erstmal erklären, dass es sich um keinen geschriebenen Porno handelt (gibt es so etwas eigentlich?). Wahrscheinlich ein Ratschlag der Marketing-Abteilung ("sex sells").