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Der Meister und Margarita - Werke in dreizehn Bänden: Gesammelte Werke, 13 Bde. in 15 Tl.-Bdn., Bd.3
 
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Der Meister und Margarita - Werke in dreizehn Bänden: Gesammelte Werke, 13 Bde. in 15 Tl.-Bdn., Bd.3 [Gebundene Ausgabe]

Michail Bulgakow , Thomas Reschke
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 520 Seiten
  • Verlag: Verlag Volk und Welt (31. Dezember 1994)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3353009426
  • ISBN-13: 978-3353009425
  • Größe und/oder Gewicht: 22,4 x 13,6 x 4,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 126.331 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Faust und Margarete

Zu den neuen Bänden der Bulgakow-Ausgabe

Von Taja Gut

Die brisante Beziehung zwischen Machthaber und künstlerischem Aussenseiter bildet ein wiederkehrendes Motiv im Schaffen Michail Bulgakows (1891–1940). Nicht minder häufig – das zeigen die neuen Bände der Werkausgabe im Verlag Volk & Welt – werden seine Figuren und Leser mit dem Hereinbrechen von etwas Ausserweltlichem konfrontiert, am packendsten im Hauptwerk «Der Meister und Margarita», das nun ebenfalls samt Vorstufen vorliegt. Als drittes, beharrliches Grundthema aber schimmert oder schlägt, in vielfältiger Abwandlung, fast überall das Faust-Motiv durch.

Eine Moskauer Kommunalwohnung und von irgendwoher – aus der Wohnung darunter, aus einem offenen Fenster im Hof, aus dem Radiolautsprecher – Bulgakows gewissermassen werk-interne Internationale, die leitmotivischen Klänge und Arien aus Gounods Oper «Faust» oder (wie sie auch betitelt wird) «Margarete»: Das ist die vertraute Eröffnungsszenerie in einer ganzen Reihe von Werken des vor allem als Schöpfer von «Der Meister und Margarita» berühmten und mystifizierten Autors. Im ersten, zu Unrecht im Schatten seines letzten stehenden Roman, «Die weisse Garde» (1923/24; 1929), gehört die auf dem Klavier aufgeschlagene «Margarete»-Partitur ebenso zum Interieur wie die crèmefarbenen Gardinen und die grünen Lampenschirme. Und beim grossen Ball des Satans im letzten Roman wird den als letzte gemeinsam eintreffenden Gästen Goethe und Gounod gemeinsame Ehre zuteil.

Die Veröffentlichung seines Erstlings stellt Bulgakow schon in einer Skizze zu den Fragment gebliebenen «Aufzeichnungen eines Toten» (1936 bis 37), wie auch in diesem autobiographischen «Theaterroman» selbst, als Ergebnis eines Pakts mit dem Teufel dar. Was diesen Pakt, jedenfalls für Bulgakows Alter ego im Roman, Maksudow, heraufbeschwört, ist nicht der Griff zur Giftphiole, sondern zum Revolver:

«Ich setzte die Mündung an die Schläfe und tastete mit unsicherem Finger nach dem Abzugsbügel. In diesem Moment hörte ich von unten wohlbekannte Klänge, ein heiseres Orchester spielte, und im Grammophon sang ein Tenor (. . .).

Ach herrje! ‹Faust›! dachte ich. Na, das passt ja wirklich her. Aber ich werde noch Mephistopheles abwarten.»

Der steht indessen schon vor der Zimmertür, erheischt in Gestalt des einflussreichen Redaktors und Verlegers Rudolfi Einlass und legt dem Schriftsteller einen Vertrag vor, der, wenn auch mit Bleistift statt mit Blut unterzeichnet, für diesen schicksalshaft wird. In Bulgakows Leben eröffnet und beschliesst der entsprechende Vertrag zugleich seine Laufbahn als publizierender Schriftsteller (sieht man ab von dem 1925 erschienenen, sogleich verbotenen, 1926 noch einmal aufgelegten Erzählungsband «Teufeliaden»); als Bühnenautor ist ihm noch eine Frist gegönnt – ironischerweise ebenfalls dank diesem Vertrag.

DURCH RAUM UND ZEIT

Wie sich das alles hinter den Kulissen ausnimmt, führt Bulgakow satirisch im «Theaterroman» vor, der sich jedoch zunehmend in ausschweifender, rachsüchtiger Polemik gegen die theatralischen Hofintrigen verliert, bevor er unvollendet abbricht. Der biographische Roman «Das Leben des Herrn de Molière» (1932–33) in seiner locker-geradlinigen, sich eng an die Vorlage haltenden Erzählweise reflektiert da das zwiespältige Verhältnis zwischen Machthaber und dem in seinem Bann stehenden künstlerischen Aussenseiter sehr viel feiner, wenngleich der implizierte Vergleich des «Sonnenkönigs» mit dem «Seelenverderber» im Kreml sich fragwürdig ausnimmt. Aber es ist dies – die Stellung zu Stalin überhaupt – eine Fragwürdigkeit, die zu Bulgakow gehört. In denselben komplexen Zusammenhang gehört die im Roman erwähnte, «den Dramatikern von alters her» bekannte Methode, «dass ein Autor unter dem Druck der Macht sein Werk mit Vorbedacht verstümmelt»: «Jede Eidechse weiss, dass es besser ist, ohne Schwanz zu leben, als das Leben zu verlieren.» Das Faust/Mephisto-Motiv ist damit längst noch nicht ausgeschöpft. Es durchläuft verschiedene Modulationen, bis es im Hauptwerk nicht nur als Motto erscheint («Nun gut, wer bist du denn? – / Ein Teil von jener Kraft, / die stets das Böse will und stets das Gute schafft»), sondern in grundsätzlich neuer Konzeption seine letzte Ausgestaltung erfährt. Gewichen ist da vorerst der faustische Mensch dem passiven «Meister», statt Mephisto tritt der Satan, alias Messere Voland, persönlich auf, und den Pakt mit ihm geht Margarita ein. Selbst die Vergiftungsszene wird radikal umgedeutet zu einer Art Apotheose, durch die das liebende Paar in die Unsterblichkeit eingeht.

Die neu erschienenen Bände der Bulgakow-Ausgabe lassen die Entwicklung zweier Hauptmotive verfolgen, die wie Zuflüsse in das breite Stromgebiet von «Der Meister und Margarita» einmünden: faustische Vermessenheit einerseits und das Hereinbrechen von etwas Unmöglichem, Unzeitgemässem andererseits, das aller Vernunft und Hybris Hohn spricht. Was sich in den «Teufeliaden» zunächst relativ harmlos als Wahnsinn verkleidet oder als Feuerteufelchen, entfesselt durch die «Hausgeissel» Annuschka (dieselbe Annuschka übrigens, die später in «Der Meister und Margarita» das verhängnisvolle Sonnenblumenöl verschüttet), als Traum oder als «eisiger Deus ex machina», ebnet nach und nach den Weg für die Erscheinung des Leibhaftigen selbst im Moskau Ende der zwanziger Jahre.

Ein Intermezzo eigener Art bilden in dieser Hinsicht die beiden komplementären Theaterstücke «Glückseligkeit» (1929–34) und «Iwan Wassiljewitsch» (1934–36), in denen mit Hilfe einer Erfindung versehentlich Zeitreisen unternommen werden. Im ersten Stück landen einige Moskauer unfreiwillig in der leuchtenden, höchst langweiligen Zukunft; im zweiten verschlägt es, eine Art Variante Volands, Iwan den Schrecklichen ins nachrevolutionäre Moskau. Der Zusammenprall der Zeiten, Sprachen und Systeme im engen Raum einer Kommunalwohnung gibt Bulgakow Gelegenheit, seine grosse Meisterschaft in Komik und doppelbödiger Ironie zu entfalten. Der Künstler tritt hier als Erfinder auf, und sein Bemühen, sich dem Hausverwalter zu erklären, kann als Selbstzeugnis gelesen werden: «Wie sag ich's Ihnen am einfachsten? Ich will zum Beispiel jetzt den Raum durchdringen und in die Vergangenheit zurückgehen.» Der Hausmeister: «Den Raum durchdringen? Ein solcher Versuch darf nur mit Genehmigung der Miliz gemacht werden.»

ZAUBERLEHRLINGE

Klingt im leichtsinnigen Handhaben eines unausgereiften Apparats das Faust- oder genauer das Motiv von Goethes «Zauberlehrling» an, so wird diese Thematik in den Werken «Die verhängnisvollen Eier» und «Hundeherz» (beide 1925) zentral. In diesen längeren Erzählungen experimentieren Wissenschafter zum Zweck der Erschaffung eines neuen Menschen an lebendigen Organismen herum – mit katastrophalen Folgen. «Die verhängnisvollen Eier» erscheinen geradezu als Prototyp von Spielbergs Film «Jurassic Park». Der Zoologieprofessor Persikow entdeckt in seinem Labor durch Zufall einen das Wachstum abnorm beschleunigenden «roten Strahl», dessen Kräfte er durch entsprechende Apparaturen noch zu steigern versteht. Und der Zufall will es auch, dass gleichzeitig eine Seuche im Land sämtliche Hühner dahinrafft. Persikow wird genötigt, seine Erfindung dem forschen Leiter des Mustersowchos «Roter Strahl», Rokk, auszuliefern, der damit aus dem Westen importierte Hühnereier bestrahlen will. Schlamperei führt zur Vertauschung der Sendung mit einer für Persikows Labor bestimmten Kiste, die Eier von allen möglichen Reptilien enthält. Die monströse, alles vernichtende Höllenbrut, die Rokks Roter Strahl entfesselt, windet sich unaufhaltsam auf Moskau zu, und auch Bulgakow weiss sich ihrer nicht anders zu erwehren, als mitten im August einen zweitägigen Winterfrost, eben jenen «eisigen Deus ex machina», über das Land hereinbrechen zu lassen. «Das Ende», gesteht er in seinem Tagebuch ein, «taugt nicht viel, ich habe es in aller Eile geschrieben.» Überhaupt fallen, in Kontrast zu seiner Fabulierfreude, die Schlüsse im allgemeinen recht farblos aus, als wäre er der Sache jeweils plötzlich müde geworden.

Rokk (in der deutschen Übersetzung: Schreck) ist durch seinen von rok, «(unglückliches) Schicksal», abgeleiteten Namen durch und durch ins Verhängnis verwoben; im Originaltitel der Erzählung, «Rokovye Jajza», schwingt auch die Bedeutung «Rokks Eier» mit. Es mutet daher befremdlich an, wenn der Herausgeber, gelegentlich in DDR-Sprachregelung zurückfallend, im Nachwort behauptet, die Sendung sei in Deutschland «provokativ vertauscht» worden, und im Vormarsch der Monsterreptilien eine «verdeckte faschistische ausländische Intervention gegen die Sowjetunion» wittert. Wenn schon ein politischer Bezug hergestellt werden soll, dann drängt sich eher derjenige zum Marxismus auf: Die zu wissenschaftlichen Zwecken aus dem Westen importierten Schlangeneier geraten in der Praxis, unter den rohen Händen des am «roten Strahl» manipulierenden Berufsrevolutionärs Rokk, ausser Kontrolle, ebenso wie in «Hundeherz» der operativ zum Menschen ummanipulierte Hund zu einer abscheulichen Kreatur missrät, dessen sich der Möchtegern-Schöpfer eines «neuen Menschen» schliesslich nur auf operativem Weg wieder zu entledigen weiss.

Bulgakows Hauptwerk, «Der Meister und Margarita» (1928–40), an dem er buchstäblich bis zuletzt arbeitete, liegt nun zusammen mit einem Band vor, der die zahlreichen Vorstufen zum Teil vollständig dokumentiert. Er zeugt, nicht nur durch gelegentlich in den Manuskripten auftauchende Stossseufzer wie: «Hilf mir, Herrgott, den Roman zu vollenden», vom unermüdlichen Ringen um die gültige Fassung und Formulierung der Fabel, um die Verflechtung ihrer drei Motivkreise: Passion des Jeschua Ha-Nozri, Heimsuchung Moskaus durch Satan (Voland) und sein Gefolge, Schicksal des Meisters und Margarita.

Der Roman besticht durch sein Feuerwerk an Einfällen, in denen Bulgakow den teuflischen Trupp als Verfechter von Moral und Glauben das atheistische und korrupte Moskau in heillose Verwirrung stürzen lässt. Hier zieht der Autor überlegen sämtliche Register der Satire, der Ironie, des Schabernacks. Dagegen hinterlässt der Roman im Roman, mit dem Bulgakow der atheistischen Propaganda von Zeitschriften wie «Der Gottlose» entgegentreten wollte, die Novelle von Verhör, Verurteilung und Hinrichtung Jesu, einen zwiespältigen Eindruck. Ursprünglich als «VolandEvangelium» betitelt, verflicht es in der Endfassung als sprichwörtlicher roter Faden die verschiedenen Ebenen und Hauptpersonen in «mystischer» Weise miteinander: Das Verhör durch Pilatus wird von Voland erzählt, die Kreuzigung vom Dichter Iwan Besdomny in der psychiatrischen Klinik geträumt, der Schluss im geretteten Manuskript – «denn Manuskripte brennen nicht» – des Meisters gelesen.

MACHTHABER UND AUSSENSEITER

Wieder spiegelt sich in diesem Bulgakowschen Evangelium die wohlbekannte Konstellation von Machthaber und Aussenseiter, der ein Reich der Wahrheit verkündet, aber indem es Jeschua als einen etwas beschränkten, wiewohl gutherzigen Sonderling darstellt, dessen Gefolge aus einem einzigen fanatischen, alles verfälschenden Schreiber besteht, unterscheidet es sich letztlich nicht von der bekämpften antichristlichen Propaganda. Von Auferstehung, dem Kern des Christentums, kann selbstverständlich nicht die Rede sein; mehr noch: Jeschua wird am Kreuz erstochen, nachdem er gehorsam den «grossmütigen Hegemon» gepriesen hat. Und in der Antwort auf die berühmte Frage des Pilatus «Was ist Wahrheit?» wird Bulgakow geradezu banal: «Wahrheit ist vor allem, dass dich der Kopf schmerzt», lässt er Jeschua in billiger Wahrsagerei dem migränegeplagten Prokurator antworten. – Ebenso banal wirkt bei genauerem Hinsehen die Geschichte der beiden Titelhelden. Der Pilatus-Roman, der dem Schriftsteller von seiten seiner Freundin den Titel «Meister» einträgt, ist nicht nur identisch mit dem «Voland-Evangelium», er wird unübersehbar (etwa durch den mehrfach akzentuierten gleichlautenden Schlusssatz) mit Bulgakows Roman selber identifiziert. Durch seine Leiden (Unmöglichkeit, zu veröffentlichen und mit der verheirateten Margarita zusammenzuleben, Hinausgeworfenwerden aus der Kellerwohnung und Überführung in die psychiatrische Klinik) wird er zu einem Schmerzensmann hochstilisiert, was einen angesichts anderer Leiden zu jener Zeit und an jenem Ort etwas peinlich berührt. Vollends in den Gefilden des Kitschs liegt schliesslich der «ewige Hort», zu dem Voland das Liebespaar geleitet:

«Wird es Euch etwa nicht Freude machen, bei Kerzenlicht mit einer Gänsefeder zu schreiben? Möchtet Ihr etwa nicht wie Faust über der Retorte hocken, hoffend, dass es Euch gelinge, einen neuen Homunkulus zu formen? Dort müsst Ihr hin! Dort erwarten Euch ein Haus und ein alter Diener (. . .).»

Der «Meister» als Faust im Jenseits? Hoffnung des Künstlers auf eine neue, irdischer Zerrissenheit enthobene Schöpfung? Wie auch immer – Bulgakows Vermächtnis lässt mehr Fragen offen, als der mitreissend geschriebene Roman auf Anhieb vermuten lässt, und fordert zu einer entmystifizierten Betrachtung seiner Verfasserschaft auf. Die atmosphärische Dichte und dichterische Differenziertheit seines ersten Romans, «Die weisse Garde», der Beginn und Ende seiner Laufbahn markiert, hat er, wie es scheint, nicht mehr erreicht.

Michail Bulgakow: Gesammelte Werke in dreizehn Bänden. Herausgegeben und kommentiert von Ralf Schröder. Aus dem Russischen von Thomas Reschke (wenn nicht anders vermerkt). Verlag Volk & Welt, Berlin. (Zu Band 1, 5 und 8 vgl. Literaturbeilage der NZZ Nr. 163 vom 17./18. 7. 1993.)

Kurzbeschreibung

Unglaubliche Dinge geschehen im Moskau der dreißiger Jahre. Berlioz, der Vorsitzende einer Literaturgesellschaft, und Besdomny, ein junger Lyriker, diskutieren an einem Frühlingsabend über die Nichtexistenz Christi. In ihr Gespräch mischt sich ein Fremder, welcher beiläufig erwähnt, daß er nicht nur mit Kant gefrühstückt hat, sondern auch beim zweiten Verhör Jesu durch Pontius Pilatus zugegen gewesen sei. Die Verblüffung der beiden Literaten kennt keine Grenzen., als der Fremde, angeblich ein Professor der Schwarzen Magie mit Namen Voland, ihnen eröffnet, daß Berlioz noch am selben Abend der Kopf vom Rumpf getrennt würde. Und seine Worte bewahrheiten sich...Der Teufel selbst ist es, der auf diese Weise den Auftakt zu phantastischen Ereignissen gibt und Moskau in ein Chaos aus Hypnose, Spuk und Zerstörung stürzt – die Heimsuchung für Heuchelei und Korruption. Aber die unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita kann vielleicht noch ein gutes Ende finden...


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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Dieses buch ist wie eine welle, die einen hinfort reisst in eine welt voll von magie, komik, abgründiger traurigkeit und letztlich hoffnung.
Es riss mich wie tausende anderer leser von meine weltanschaung los und wurde, um ehrlich zu sein, meine bibel. alle antworten, die man suchen könnte finden sich hier. Wie oft half es mir durch schwarze zeiten hindurch, wie oft half es mir auf die beine...wie oft las ich es? unzählige male. ich kann es fast auswendig.
Wer dieses buch liest, ist für immer verändert. Das leben bekommt einen glanz, der vorher nicht zu spüren ist, der Glaube an etwas besseres wird verstärkt. Was soll ich sonst noch sagen, ausser: Dies ist das beste buch, das jemals verfasst wurde. Ein einmaliges erlebnis, ich wünschte ich könnte es noch einmal zum ersten mal lesen.
Oh ich wünschte ich wäre mit dem Meister, Margarita, Voland und seiner Suite auf den sperlingsbergen, ich wünschte...aber ich gerate ins faseln. Lesen sie selber, und sie werden verstehen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Das Wichtigste zuerst: "Der Meister und Margarita" ist und bleibt das Flaggschiff der umfangreichen Bulgakow-Flotte, und die ist in all ihren Teilen der beeindruckendsten literarischen Geschwader des 20. Jahrhunderts.
In diesem Roman kommt unendlich vieles zusammen, und man kann ihn auf unendlich viele Arten lesen: Als bitterböse Satire auf Stalins Staat und als philosophische Abhandlung, als phantastische Abenteuer- oder Spukgeschichte, als die ultimative Liebesgeschichte schlechthin... und natürlich ist diese Aufzählung längst nicht vollständig.
Wenn ich meine zehn Lieblingsbücher aufzählen sollte, wäre ich ratlos -- mindestens 500 sollten schon auf die berühmte einsame Insel mitkommen dürfen. Aber "Der Meister und Margarita" wäre allemal drin im Fluchtgepäck.

Moskau, Ende der 1920er Jahre. Karwoche. Auftritt der Teufel persönlich, der in der Freitagnacht seinen alljährlichen Hexenball geben will. Bis es dazu kommt, ist in Moskau buchstäblich der Teufel los -- Funktionäre (insbesondere die regimekonformen Literaten), Denunzianten, Mitläufer und sozialistisch übertünchte Spießer bekommen gründlich ihr Fett weg; Schadenfreude darf sich hier auf höchstem Niveau austoben. Bereits der Romananfang an den friedlichen Moskauer Patriachen-Teichen ist ein satirisches Meisterwerk, das auf allen denkbaren Ebenen zuschlägt. Bulgakow scheint hier die alte Regisseurs-Weisheit in die Literatur zu übertragen, der zufolge man die Handlung mit einem Erdbeben zu beginnen und dann allmählich zu steigern habe. Aber der satirische Rundumschlag ist nur einer der vielen Aspekte dieses Jahrhundert-Romans.
Eigentlich geht es nämlich um die Geschichte von Margarita und um ihre Liebe zum Meister. Die beiden sind die Lichtgestalten im Roman; die einzigen, denen der Teufel nicht übel mitspielt, sondern denen er hilft. Margarita sucht verzweifelt ihren Geliebten, den Meister, der einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, nachdem Literaturfunktionäre sein Werk als kontrarevolutionär gebrandmarkt haben (in Stalins Staat die letzte Etappe vor dem Todesurteil). Sein Manuskript hat er verbrannt -- einen philosophisch angelegten Pilatus-Roman, der um die zentralen Themen Macht, Wahrheit und Wahrhaftigkeit kreist, -- und nun befindet er sich in einer Nervenheilanstalt. Um den Meister wiederzufinden, willigt Margarita ein, auf dem grandiosen Hexenball als Gastgeberin aufzutreten. Der Roman endet schließlich mit einem Happy End der etwas anderen Art.

Den verschiedenen Handlungs- und Stilebenen im "Meister und Margarita" entspricht der Aufbau des Romans; meist wechselt von Kapitel zu Kapitel der Schauplatz: Von Stalins Moskau in das Jerusalem um 33 n.Chr., vom teuflischen Generalangriff auf realsozialistische Verlogenheit hin zur Wahrhaftigkeit Margaritas und zum philosophischen Disput zwischen Pontius Pilatus und Jeschua ha-Nasri (d.i. Jesus von Nazareth) als Roman im Roman. Trotz der deutlichen Schnitte ist die Handlung nicht zusammenhanglos; ein dichtes Geflecht aus Motiven, parallel gestalteten und einander reflektierenden Figuren und Handlungen verbindet die vielen Handlungsstränge zu einem in sich ruhenden Ganzen. Da diese Vielschichtigkeit (und alles andere ebenfalls) auch in der deutschen Fassung so klar zutage tritt, muss man unbedingt auch den Übersetzer Thomas Reschke für seine Meisterleistung loben.

Allerdings -- für eine Werkausgaben-Maßstäbe etwas dürftig geraten sind die bibliographischen Anlagen und Kommentare. Sicher, die literaturgeschichtlichen Anmerkungen des Herausgebers Ralf Schröder sind ohne Fehl und Tadel; ihre Lektüre empfiehlt sich für alle Interessierten, für Fachleute wie für Laien.
Anderes allerdings fehlt: So hat der Roman mittlerweile über ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel, und so mancher satirische Seitenhieb ist für heutige Leser nicht ohne weiteres erkennbar. Analoges gilt für zahlreiche philosophische Bezüge samt den darin verborgenen Stellungnahmen zur sowjetischen Gegenwart der 1930er Gegenwart. Einen Anmerkungs- oder Kommentar-Anhang von einer Werkausgabe zu fordern, ist also kein Hochmut -- derlei wäre eigentlich selbstverständlich, ist es aber anscheinend leider nicht, wie dieser Band zeigt. Freilich -- auch wenn man nicht jede Anspielung -- auf welcher Ebene des Romans auch immer -- versteht: Dem Lesegenuss tut das kaum Abbruch.

Aus diesem Grund empfehle ich lieber die textidentische (einschließlich des Nachworts) dtv-Ausgabe -- die hat sich ihre Höchstwertung nämlich redlich verdient.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Melville
Wie umschreibt man ein Werk, das so herausragend und sonderbar ist, daß es in der gesamten Weltliteratur nicht seinesgleichen hat, und vermutlich niemals haben wird?

Zunächst einmal die obligatorischen Superlativen: Meister und Margarita, Bulgakows letzter Roman und zugleich Vermächtnis an die Nachwelt ist eines dieser Werke, von dem man sich zunächst keine genaue Vorstellung machen kann, ehe man es nicht selbst gelesen hat. Während der Lektüre gerät man von der ersten Seite an in einen Zustand des Erstaunenes, der bis zum fulminanten Ende hin anhält. Hinterher dann wird man noch lange brauchen, um alles Gelesene, alles "Erlebte" zu verarbeiten und einzuordnen, nicht zuletzt ist eine erneute Lektüre fast schon unablässlich - fest steht jedoch: die Geschichte vom Meister und seiner Liebe zu Margarita, Voland und seinem Gefolge, dem jungen Literaten Iwan und nicht zuletzt Pontius Pilatus und Jesus wird einen nie wieder loslassen.

Was es so einzigartig macht, ist schwer zu erklären, und so abgedroschen es auch klingen mag: man muss es selbst gelesen haben um all die euphorischen, aber keineswegs übertriebenen Rezensionen nachvollziehen zu können. Ich möchte es trotzdem versuchen und auf die wesentlichen Aspekte eingehen.

Eine an und für sich simple Grundidee (der Teufel zu Besuch in Moskau) genügt Bulgakow, um einen Sturm phantastischer Ideen zu entfesseln. Ähnlich wie in seinen Kurzgeschichten und Erzählungen gelingt es ihm, aus nur einem kuriosem Umstand heraus eine mitreißende und irrwitzige Geschichte zu entwickeln. Voland und sein Gefolge mischen Moskau, seine Bürger und das unüberschaubare Wirrwarr aus Bürokratie und Staat auf. Bei vielen dieser Szenen habe ich mitunter Tränen gelacht, so grandios sind die Satire und Situationskomik, ganz im Stile Gogols. Hier läuft der Autor zur Höchstform auf, und ebenso wie Voland entlarvt er die bizarren Zustände im Russland der damaligen Zeit.

Der Roman im Roman ist keine völlig neue Erscheinung, hier aber verkommt sie nicht zum reinen Selbstzweck, hier ist sie ein wesentlicher Bestandteil, beide Geschichten treiben einander voran und erleichtern das Verständnis. Vor allem die Art und Weise, wie die beiden zunächst völlig unterschiedlichen Handlungen miteinander verwoben werden, ist genial gelungen. Hiermit gibt sich der Autor jedoch noch nicht zufrieden, Personen und Schauplätze wechseln ständig, der Roman ist polyphon aufgebaut, die Erzählweise modern, das Tempo hoch - dem Leser wird kaum eine Verschnaufpause gegönnt, aber er wird vom Autor auch nicht im Stich gelassen. Konsequent führt er nach und nach alle Handlungsstränge zusammen und löst das anfangs verwirrende Geflecht überzeugend auf.

Hinter dem scheinbar satirischen Roman verbirgt sich viel philosophisches Gedankengut, ganz in der Tradition von Dostojewski geht es auch um die ewigen Fragen, die die Menschheit bis heute beschäftigen: um die Rolle von Gut und Böse in der Welt, um Erlösung und Auferstehung, um Liebe und Unsterblichkeit.

Nicht zuletzt die Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita, die einzigen Menschen in ganz Moskau, die sich nicht korrumpieren und verführen lassen, denen der Teufel nichts anzuhaben vermag. Immer rührend, niemals kitschig, erzählt Bulgakow von einer wahrlich unsterblichen Liebe, die alles zu überwinden vermag.

Auch heute noch, viele Jahre nach der Erstlektüre und hunderter gelesener Bücher später steht "Meister und Margarita" unerschütterlich an der Spitze meiner Lieblingsromane. Ein spannender Abenteuerroman, eine urkomische Satire, eine bissige Kritik an den damaligen Zuständen und einige prophetische Aussagen, die sich heute allesamt bewahrheitet haben; eine zeitlose philosophische Abhandlung über Gut und Böse, eine bewegende Liebesgeschichte, all dies und mehr vereint in einem einzigen Roman. Bulgakow ist gelungen, wonach viele Autoren vergeblich streben - ein großer Streich.
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