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Der Meister und Margarita
 
 

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Der Meister und Margarita [Audiobook] [Audio CD]

Michail Bulgakow , Jürgen Hentsch , Thomas Thieme , Daniel Minetti
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (75 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: der Hörverlag; Auflage: Hörspiel (8. Oktober 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3867174539
  • ISBN-13: 978-3867174534
  • Größe und/oder Gewicht: 13,2 x 13,2 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (75 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 62.621 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Michail A. Bulgakov
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Produktbeschreibungen

Der Spiegel

Ein literarischer Wolf
Als „Der Meister und Margarita“ 1966/67 in der Sowjetunion von der Literaturzeitschrift „Moskwa“ in zwei Ausgaben veröffentlicht wurde, war die Sensation im In- und Ausland perfekt. Denn obwohl die Erstpublikation von der Zensur verstümmelt war, ließ die Lektüre des international sofort übersetzten Buchs keinen Zweifel: Was da wie eine poetische Flaschenpost scheinbar aus dem Nichts auftauchte, enthielt große russische Literatur in der Tradition von Fjodor Dostojewski und Nikolai Gogol.

Der Autor Michail Bulgakow war zu diesem Zeitpunkt schon mehr als ein Vierteljahrhundert tot. Zu Lebzeiten (1891–1940) war er in schweren Konflikt mit den Machthabern geraten. Wo das Kollektiv und die strikte Parteidisziplin zur Staatsdoktrin wurden, bekannte er sich zum Individuum und zum persönlichen Gewissen. Schon in seiner makellosen, ja aristokratisch anmutenden äußeren Erscheinung verkörperte Bulgakow das Gegenbild der uniformen bolschewistischen Propaganda. Das Regime quittierte seine literarische Unbeugsamkeit mit einer Hetzkampagne. Im Jahr 1930 bilanzierte Bulgakow das sowjetische Presseecho auf sein Werk – von insgesamt 301 Artikeln beschimpften ihn 298. Im Mai 1931 wandte er sich in seiner Verzweiflung mit der Bitte um die Ausreisegenehmigung in einem tollkühnen Brief direkt an Stalin: „Auf dem weiten Feld der Lite¬ratur war ich in der UdSSR der einzige literarische Wolf. Man gab mir den Rat, mir den Pelz zu färben. Ein törichter Rat. Ob gefärbt oder geschoren – ein Wolf wird nie wie ein Pudel aussehen.“ Vergebens wartete der Schriftsteller auf eine Antwort.

Nur die physische Vernichtung ersparte ihm der Tyrann, der mit einer zynischen Art von sportivem Respekt auf die kompromisslose Gradlinigkeit dieses Autors reagierte: „Bulgakow geht richtig ran! Der bürstet gegen den Strich!“, soll der Kremlherr über den literarischen Outlaw gesagt haben. Er befahl, Bulgakow durch die Arbeit an Moskauer Theatern eine Existenz zu ermöglichen. Von einem Publikationsverbot eingeschnürt und von Angstattacken heimgesucht, widmete der Schriftsteller die Jahre, die ihm bis zu seinem frühen Tod infolge eines schweren Nierenleidens blieben, vor allem der Arbeit an seinem phantastischen Hauptwerk „Der Meister und Margarita“.

An einem schönen Frühlingstag erscheint mitten in Moskau ein höchst sonderbarer Herr mit einem schwarzen und einem grünen Auge und einem Stock mit schwarzem Knauf in Form eines Pudelkopfes. Er schaltet sich in das Gespräch ein, das ein sowjetischer Redakteur mit einem Poeten über dessen Auftragsarbeit führt – ein atheistisches Gedicht über Jesus. Der Fremde tritt als ausländischer Konsultant und Spezialist für Schwarze Magie auf und gibt sich zugleich als Zeitgenosse mal von Kant, mal von Pilatus aus. Er nennt sich Voland wie Goethes Mephisto in der Walpurgisnachtszene des „Faust“. Diesem Werk entstammt auch Bulgakows Romanmotto, das die Befreiung antizipiert, die in der diabolischen Verneinung sowjetischer Jasagerei liegt: „Nun gut, wer bist du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“.

Der Leibhaftige mischt das kommunistische Moskau auf – zusammen mit zwei Gefolgsleuten, die sich wie er selbst allzeit in Luft auflösen können und deren einer gern die Form eines unförmigen schwarzen Katers annimmt, „riesengroß wie ein Eber“.

Die phantastische Erzählweise hat Bulgakow von seinem großen Landsmann Nikolai Gogol gelernt. Der hatte einst in den berühmten Erzählungen „Die Nase“ und „Der Mantel“ mit dem realistischen Duktus des Chronisten von der grotesken Verselbständigung und Vermenschlichung eines Riechorgans und eines Kleidungsstücks erzählt.

Voland prophezeit dem linientreuen Sowjetredakteur die bevorstehende Enthauptung – kurz darauf wird dem bei einem Bahnunfall der Kopf vom Rumpf getrennt. Die Miliz macht mit Maschinengewehren Jagd auf den vermeintlichen Hypnotiseur und Spion samt seinem unheimlichen Gefolge. Mit solchen Mitteln ist der teuflischen Bagage freilich nicht beizukommen. Die hinreißende Komik der Ereignisse gipfelt in einer Varieté-Veranstaltung des „Schwarzen Magiers“ Voland. Bei der wird einerseits die Doppelmoral der Apparatschiks vorgeführt und der Lächerlichkeit preisgegeben. Andererseits erweist sich, dass auch das gewöhnliche Moskauer Publikum keineswegs aus „Neuen Menschen“ besteht: Der Magier lässt Rubelscheine regnen, und geldgierig wie eh und je stürzen sich die Leute darauf. Doch alsbald müssen sie entdecken, dass sich der unverhoffte Reichtum in Papierschnitzel, Flaschenetiketten oder gar – ein Fall für die Miliz – in streng verbotene Dollarscheine verwandelt hat.

Der anarchisch-subversive Humor charakterisiert nur eine der Handlungsebenen des vielschichtigen Romans. Eine zweite ist die Jesus-Geschichte, die Bulgakow parallel zur Teufelsgeschichte neu und eigenwillig erzählt. Der fiktive Urheber des Jesusromans im Roman ist ein geheimnisvoller, offiziell verpönter, im Moskauer Irrenhaus internierter „Meister“, dem nur die Geliebte Margarita zur Seite steht – die dritte, titelstiftende Ebene. In diesem Paar hat Michail Bulgakow sich selbst und seine dritte Ehefrau Jelena Sergejewna porträtiert, die ihm bis zuletzt die Treue hielt.

Für die Jesus-Geschichte, die im Jerusalem des Pontius Pilatus zur Zeit der Kreuzigung spielt, hat der Autor die einschlägige historische Forschung studiert und benutzt – eine umfangreiche Sekundärliteratur hat das nachgewiesen. Dem Autor geht es nicht um den theologischen Kern des Evangeliums vom Gottessohn; eine Auferstehung findet in der Jesus-Version des „Meisters“ darum ausdrücklich nicht statt.

Für den russischen Schriftsteller ist der historische Jesus ein außergewöhnlicher Mensch: Als Urbild eines unerschütterlichen Gewissens hat er eine völlig neue Vorstellung von Humanität in die Welt gebracht. In der vom „Meister“ verfremdeten Passionsgeschichte behandelt Bulgakow in verschlüsselter Form das, was in der Moskauer Teufelsgeschichte ausgespart bleibt: die Mechanismen von politischer Herrschaft, Terror und Geheimpolizei. Der Roman-Jesus sagt als Gefangener zum römischen Statthalter Pilatus, „dass von jeder Staatsmacht den Menschen Gewalt geschehe und dass eine Zeit kommen werde, in der kein Kaiser noch sonst jemand die Macht hat. Der Mensch wird eingehen in das Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit, wo es keiner Macht mehr bedarf.“ So ist Bulgakows Jesus als Modell des verfemten und unbeugsamen Schriftstellers verstanden worden. Und kein Geringerer als Gabriel García Márquez hat den phantastischen Teufels- und Jesusroman, in dem Satire und Mystik, Autobiographie und Geschichte einander auf so einzigartige Weise ergänzen, zur bedeutendsten Erscheinung in der Literatur des 20. Jahrhunderts erklärt.
Nachwort von Rainer Traub zu Der Meister und Margarita. SPIEGEL-Edition Band 29 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Der Meister und Margarita
OT Master i Margarita OA 1966 DE 1968Form Roman Epoche Moderne
Das vielschichtige Hauptwerk von Michail Bulgakow vereint mehrere Genremerkmale, Stilhaltungen und Problemstellungen. Es ist nicht nur eine fantastische Abenteuergeschichte und beißende Zeitsatire, sondern auch eine philosophische Parabel über das Wesen von Gut und Böse, über menschliche Schwächen, demoralisierende Auswirkungen von Unfreiheit und Unterdrückung, die Macht der Kunst und die Ohnmacht des Künstlers. Zentrales Thema ist die Entlarvung der Lüge in der Kunst wie im Leben.
Entstehung: Bulgakow begann 1929 mit der Arbeit an dem Roman und vernichtete 1930 eine erste Fassung. Letzte Korrekturen diktierte er, todkrank und erblindet, auf dem Sterbebett. Der Roman konnte erst Jahrzehnte später publiziert werden; er erschien 1966 in der Zeitschrift Moskva mit willkürlichen Kürzungen der Redaktion. Nach vollständiger Publikation 1966 im Ausland erschien die erste ungekürzte sowjetische Ausgabe 1973.
Inhalt: Ende der 1920er Jahre taucht während der Karwoche in Moskau der Satan Voland mit Gefolge auf, um Freitagnacht seinen alljährlichen Ball zu geben. Einige Tage lang wird Mos-kau vom Teufelsspuk heimgesucht. Den Menschen, die mit Volands Gefolge in Berührung kommen, wird übel mitgespielt – doch sie verdienen es nicht anders, denn sie sind fast allesamt verlogen, geldgierig und anmaßend. Eine Ausnahme bilden der namenlose Meister, der geniale Autor eines Pilatus-Romans, und seine Geliebte Margarita. Sie verloren einander aus den Augen, als der Meister, dessen Roman von Literaturfunktionären als konterrevolutionär eingestuft und für den Druck abgelehnt wurde, einen Nervenzusammenbruch erlitt, das Manuskript verbrannte und in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wurde. In der Hoffnung, etwas über ihren Geliebten zu erfahren, ist Margarita bereit, die Gastgeberin auf dem Ball beim Satan zu spielen. Als Lohn für ihren selbstlosen Einsatz wird sie wieder mit dem Meister zusammengeführt; sein Roman wird vor dem Vergessenwerden gerettet.
Aufbau: Die Handlung des Romans spielt sich in drei unterschiedlichen Welten ab. Die erste ist die reale Welt der Moskauer Gegenwart. In zahlreichen temporeichen und aberwitzigen Episoden zeichnet Bulgakow ein satirisches Porträt der durch ideologische Gängelung verrohten und demoralisierten sowjetischen Gesellschaft; sein besonderes Augenmerk gilt den unbegabt-opportunistischen Vertretern des offiziösen Literaturbetriebs. Die zweite ist die überzeitliche Parallelwelt des Übersinnlichen und Jenseitigen. Dort tummeln sich Voland und sein Gefolge, Hexen, Vampire und die zum Leben erweckten Besucher des Satansballs – Giftmischer, Massenmörder und sonstige Großverbrecher. Die dritte schließlich ist die vergangene Welt des alten Jerusalem – der Handlungsort des vom Meister verfassten Passions-Romans über Pilatus und Jeschua han-Nasri, der als Roman im Roman eingeschoben ist. Alle drei Welten sind miteinander durch ein komplexes Netz gemeinsamer Motive, paralleler Figuren und Handlungsmomente verknüpft. So korrespondiert beispielsweise die Gestalt Jeschua han-Nasris mit der Gestalt des Meisters, die wiederum autobiografische Züge des realen Romanautors Bulgakow trägt.
Wirkung: Übersetzungen in mehrere Weltsprachen, zahlreiche Werkanalysen, Bühnenfassungen und Verfilmungen zeugen von der künstlerischen Kraft des Romans und von der von ihm ausgehenden Faszination. M. Sch. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

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78 von 85 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Jahrhundertwerk 18. Januar 2006
Von weiser111
Format:Taschenbuch
Wenn ich meine zehn Lieblingsbücher aufzählen sollte, wäre ich ratlos -- mindestens 500 sollten es schon sein, die auf die berühmte einsame Insel mitkommen dürften. Aber man könnte mich fragen, ob "Der Meister und Margarita" von Bulgakow mit von der Partie wäre, und darauf würde ich ohne Zögern mit "ja" antworten.
In diesem Roman kommt unendlich vieles zusammen, und man kann ihn auf unendlich viele Arten lesen: Als bitterböse Satire auf Stalins Staat und als philosophische Abhandlung, als phantastische Abenteuer- oder Spukgeschichte, als die ultimative Liebesgeschichte schlechthin... und natürlich ist diese Aufzählung längst nicht vollständig.

Moskau, Ende der 1920er Jahre. Karwoche. Auftritt der Teufel persönlich, der in der Freitagnacht seinen alljährlichen Hexenball geben will. Bis es dazu kommt, ist in Moskau buchstäblich der Teufel los, und Funktionäre (insbesondere die regimekonformen Literaten), Denunzianten, Mitläufer und sozialistisch übertünchte Spießer bekommen gründlich ihr Fett weg; Schadenfreude darf sich hier auf höchstem Niveau ausleben. Bereits der Romananfang an den friedlichen Moskauer Patriachen-Teichen ist ein satirisches Meisterwerk, das auf allen denkbaren Ebenen zuschlägt. Bulgakov scheint hier die alte Regisseurs-Weisheit in die Literatur zu übertragen, der zufolge man die Handlung mit einem Erdbeben zu beginnen und dann allmählich zu steigern habe. Aber der satirische Rundumschlag ist nur einer der vielen Aspekte dieses Jahrhundert-Romans.
Eigentlich geht es nämlich um die Geschichte von Margarita und um ihre Liebe zum Meister. Die beiden sind die Lichtgestalten im Roman; die einzigen, denen der Teufel nicht übel mitspielt, sondern denen er hilft. Margarita sucht verzweifelt ihren Geliebten, den Meister, der einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, nachdem Literaturfunktionäre sein Werk als kontrarevolutionär gebrandmarkt haben (in Stalins Staat schon fast ein Todesurteil). Sein Manuskript hat er verbrannt -- ein philosophisch angelegter Pilatus-Roman, der um die zentralen Themen Macht, Wahrheit und Wahrhaftigkeit kreist, -- und nun befindet er sich in einer Nervenheilanstalt. Um den Meister wiederzufinden, willigt Margarita ein, auf dem grandiosen Hexenball als Gastgeberin aufzutreten. Der ultimative Hexensabbath ist angesagt mit allen Schikanen und allem Zubehör... und die Suche nach dem Meister geht weiter.

Den verschiedenen Handlungs- und Stilebenen in "Meister und Margarita" entspricht der Aufbau des Romans; meist wechselt von Kapitel zu Kapitel der Schauplatz: Von Stalins Moskau in das Jerusalem um 33 n.Chr., vom teuflischen Generalangriff auf realsozialistische Verlogenheit hin zur Wahrhaftigkeit Margaritas und zum philosophischen Disput zwischen Pontius Pilatus und Jeschua ha-Nasri (d.i. Jesus von Nazareth) als Roman im Roman. Trotz der deutlichen Schnitte ist die Handlung nicht zusammenhanglos; ein dichtes Geflecht aus Motiven, parallel gestalteter und einander reflektierender Figuren und Handlungen verbindet die Handlungsstränge zu einem in sich ruhenden Ganzen.
Da diese Vielschichtigkeit (und vieles andere ebenfalls) auch in der deutschen Fassung hervorragend zutage tritt, muss man unbedingt auch den Übersetzer, Thomas Reschke, für diese Leistung loben.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Man folgt ihm gern 12. August 2010
Von Diethelm Thom VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Man muss ein wenig über die historische und persönliche Situation Bulgakows wissen, um diesen Roman mit Gewinn zu lesen - sonst kann er einen leicht verwirren. Bulgakow war einer der wenigen Dissidenten in der Stalinzeit, er war zwar bereits als Schriftsteller erfolgreich, erhielt aber später Publikationsverbot und versuchte in den 12 Jahren, in denen er bis zu seinem Tod 1940 diesen Roman schrieb, sich schadlos zu halten für eine Wirklichkeit, in der seiner Meinung nach alles falsch lief.
Die politische Kaste war zu mehr oder weniger korrupten Funktionären und Apparatschiks verkommen, die auf Machterhalt und diesseitigen Materialismus eingeschworen war. So fängt der Roman damit an, dass zwei typische Repräsentanten jener Zeit vom Teufel, Voland, eines Besseren belehrt werden. Entgegen dem skeptischen Rationalismus des einen, eines Lyrikers namens Besdomny, sagt Voland den unmittelbar bevorstehenden Unfalltod von dessen Begleiter Berlioz voraus und führt ihm und Berlioz den römischen Statthalter Pontius Pilatus in natura vor, wie der den gefangenen Jesus gegen sein Gefühl und Gewissen der cäsarischen Staatsräson opfert. Damit demonstriert der Teufel den beiden Ungläubigen persönlich die historische Existenz von Jesus Christus.

Klar, dass solche übernatürlichen Umtriebe im platten, stumpfsinnigen, bürokratischen Betrieb nur Verwirrung stiften und den vorhersehbaren, aber hilflosen Versuch der zuständigen Behörden provozieren, solchem Unwesen Einhalt zu gebieten nach dem Muster: Was nicht sein kann, darf nicht sein. Besonders weil der Teufel und seine Gefolgschaft nun erst so richtig ihr Unwesen zu treiben beginnen: Voland tritt in einer groß angekündigten Magier-Show auf, dort beglückt er die Menschen mit Geld, das vom Himmel regnet, und die Frauen mit herrlichen Kleidern und Accessoires.
Im zweiten Teil des Buches erreicht das teuflische Treiben dann den eigentlichen Höhepunkt. Im Mittelpunkt dieses Teils steht die schöne Margarita, die einen glücklosen Schriftsteller namens Meister liebt und ihm treu zur Seite steht. In diesem Schriftsteller hat Bulgakow sein Selbstporträt geschaffen. Meister hat auch den vom Teufel verwendeten Pilatus-Roman geschrieben, aber nur Hass und Spott dafür geerntet. Margarita als begeisterte Hexe wird nun die Ballkönigin des teuflischen Frühjahrsballes, auf dem all die großen Schurken und Verbrecher der Vergangenheit auftreten - hier wird man an Dantes "Göttliche Komödie" erinnert wie gleichzeitig das ganze Buch eine Variante des Goetheschen "Faust" ist: Meister als Faust, der schließlich mit seiner geliebten Margarita dem Teufel folgt und in andere, überzeitliche Dimensionen entschwindet.

Der Hauptteil des Romans besteht also aus dem teuflischem Schabernack, der die Offiziellen zur Verzweiflung treibt - ständig herrliche Gelegenheiten zur grotesken Satire à la Gogol - einmal sitzt beispielsweise nur ein Anzug am Schreibpult und führt die Schreibarbeiten aus. Diese teuflische Gegenwelt ist abenteuerlich, anarchisch, lustbetont, sie bringt das triste, regulierte Leben ins Wanken. Bulgakow lebte, man merkt es, 12 Jahre lang in dieser viel spannenderen fiktiven Gegenwelt. Und in den Pilatus-Szenen bringt er sich selbst ins Spiel: So wie Christus ein guter Mensch ist, der sich von Hass und Ungerechtigkeit nicht beirren lässt und standhaft bis zu seinem Tod dem Repräsentanten der Macht seine Wahrheit sagt, so mag er sich selbst gesehen haben, als einzelner ohnmächtig dem Establishment gegenüber. Diese Pilatus-Szenen sind mit tiefem Ernst geschrieben, während bei den satirischen Teufelsszenen eine robuste kindliche Fabulierlust ihre fröhlichen Urständ feiert: "Leser, mir nach!" heißt es wiederholt und man folgt ihm gern. Vielleicht konnte nur ein solcher Schriftsteller am Ende dem Teufel diese Wahrheit in den Mund legen: "Alles wird richtig werden, darauf beruht die Welt." (485).
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Melville
Format:Taschenbuch
Wie umschreibt man ein Werk, das so herausragend und sonderbar ist, daß es in der gesamten Weltliteratur nicht seinesgleichen hat, und vermutlich niemals haben wird?

Zunächst einmal die obligatorischen Superlativen: Meister und Margarita, Bulgakows letzter Roman und zugleich Vermächtnis an die Nachwelt ist eines dieser Werke, von dem man sich zunächst keine genaue Vorstellung machen kann, ehe man es nicht selbst gelesen hat. Während der Lektüre gerät man von der ersten Seite an in einen Zustand des Erstaunenes, der bis zum fulminanten Ende hin anhält. Hinterher dann wird man noch lange brauchen, um alles Gelesene, alles "Erlebte" zu verarbeiten und einzuordnen, nicht zuletzt ist eine erneute Lektüre fast schon unablässlich - fest steht jedoch: die Geschichte vom Meister und seiner Liebe zu Margarita, Voland und seinem Gefolge, dem jungen Literaten Iwan und nicht zuletzt Pontius Pilatus und Jesus wird einen nie wieder loslassen.

Was es so einzigartig macht, ist schwer zu erklären, und so abgedroschen es auch klingen mag: man muss es selbst gelesen haben um all die euphorischen, aber keineswegs übertriebenen Rezensionen nachvollziehen zu können. Ich möchte es trotzdem versuchen und auf die wesentlichen Aspekte eingehen.

Eine an und für sich simple Grundidee (der Teufel zu Besuch in Moskau) genügt Bulgakow, um einen Sturm phantastischer Ideen zu entfesseln. Ähnlich wie in seinen Kurzgeschichten und Erzählungen gelingt es ihm, aus nur einem kuriosem Umstand heraus eine mitreißende und irrwitzige Geschichte zu entwickeln. Voland und sein Gefolge mischen Moskau, seine Bürger und das unüberschaubare Wirrwarr aus Bürokratie und Staat auf. Bei vielen dieser Szenen habe ich mitunter Tränen gelacht, so grandios sind die Satire und Situationskomik, ganz im Stile Gogols. Hier läuft der Autor zur Höchstform auf, und ebenso wie Voland entlarvt er die bizarren Zustände im Russland der damaligen Zeit.

Der Roman im Roman ist keine völlig neue Erscheinung, hier aber verkommt sie nicht zum reinen Selbstzweck, hier ist sie ein wesentlicher Bestandteil, beide Geschichten treiben einander voran und erleichtern das Verständnis. Vor allem die Art und Weise, wie die beiden zunächst völlig unterschiedlichen Handlungen miteinander verwoben werden, ist genial gelungen. Hiermit gibt sich der Autor jedoch noch nicht zufrieden, Personen und Schauplätze wechseln ständig, der Roman ist polyphon aufgebaut, die Erzählweise modern, das Tempo hoch - dem Leser wird kaum eine Verschnaufpause gegönnt, aber er wird vom Autor auch nicht im Stich gelassen. Konsequent führt er nach und nach alle Handlungsstränge zusammen und löst das anfangs verwirrende Geflecht überzeugend auf.

Hinter dem scheinbar satirischen Roman verbirgt sich viel philosophisches Gedankengut, ganz in der Tradition von Dostojewski geht es auch um die ewigen Fragen, die die Menschheit bis heute beschäftigen: um die Rolle von Gut und Böse in der Welt, um Erlösung und Auferstehung, um Liebe und Unsterblichkeit.

Nicht zuletzt die Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita, die einzigen Menschen in ganz Moskau, die sich nicht korrumpieren und verführen lassen, denen der Teufel nichts anzuhaben vermag. Immer rührend, niemals kitschig, erzählt Bulgakow von einer wahrlich unsterblichen Liebe, die alles zu überwinden vermag.

Auch heute noch, viele Jahre nach der Erstlektüre und hunderter gelesener Bücher später steht "Meister und Margarita" unerschütterlich an der Spitze meiner Lieblingsromane. Ein spannender Abenteuerroman, eine urkomische Satire, eine bissige Kritik an den damaligen Zuständen und einige prophetische Aussagen, die sich heute allesamt bewahrheitet haben; eine zeitlose philosophische Abhandlung über Gut und Böse, eine bewegende Liebesgeschichte, all dies und mehr vereint in einem einzigen Roman. Bulgakow ist gelungen, wonach viele Autoren vergeblich streben - ein großer Streich.
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Super!
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