Der Meister ist zurück - und dieses Mal bezieht sich das nicht allein auf den Autor! In einem seiner zeitgenössischen Romane wird der Leser in eine Art von "Moderne" versetzt, in der die Vergangenheit noch heftigst nachwirkt: Ein jahrhundertealtes Gespenst geht um und reißt eine Reihe von Männern in den Tod. Zunächst sieht es noch danach aus, als wäre ein Mensch für die Taten verantwortlich - dann schwenkt der Focus auf ein unfaßbares Ungeheuer... und schließlich auf die Dämonen, die in unseren Köpfen hausen.
Die Handlung ist nicht wirklich der Phantastik zuzuordnen, obwohl man bis zur Aufklärung des Mysteriums durchaus den Eindruck hat, es könnte wieder etwas Übernatürliches im Busch sein. Wie in "Zwischen neun und neun" oder "Der Judas des Leonardo" löst Perutz auch hier seine Geschichte realistisch auf, das tut der Spannung und dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch. Wieder einmal treten faszinierende, lebensechte und sehr unterschiedliche Charaktere auf, die so MEISTERhaft modelliert sind, daß es schwerfällt, sie als literarische Erfindungen zu akzeptieren. Perutz wickelt seine Plots nie nach Schema F ab, benutzt nie Stereotypen und strengt sich grundsätzlich an, dem Leser ein perfekt inszeniertes Rätsel zu bieten, das erst ganz allmählich durchsichtig wird und selbst dann oft noch im letzten Abschnitt des Buches vollkommen überrascht.
"Der Meister des Jüngsten Tages" ist eine unglaubliche Detektivgeschichte, die nicht allein der verbotenen Substanzen wegen, die in ihr vorkommen, an Holmes erinnert - wenn auch kein berufsmäßiger Detektiv hinter die Ursache der Todesfälle kommt. Unbedingt lesen!