Der Bauer Matthias Ferner hat sich durch einen Meineid unrechtmäßig den Besitz seines verstorbenen Bruders angeeignet und dessen uneheliche Tochter Vroni um ihr väterliches Erbe gebracht. Die von ihrem Onkel vom Hof gejagte Vroni findet eine Anstellung als Magd auf dem benachbarten Adamshof. Als ihr der Sohn des Hofbesitzers, der bereits mit der Tochter Mathias Ferners verlobt ist, Avancen macht, zieht Vroni sich zu ihrer Großmutter, einer Gastwirtin, zurück. Dort fällt ihr ein Brief in die Hände, mit dem sie Ferner des Meineids überführen kann. Als Ferner davon erfährt, macht er sich unverzüglich auf den Weg, um ihr den Brief wieder abzunehmen.
Trotz der klischeehaften Handlung ist "Der Meineidbauer" kein Rührstück im herkömmlichen Sinne, denn der in der Tradition der Aufklärung stehende Anzengruber verfolgte mit seinen Dramen, in denen er gesellschaftliche Mißstände aufgriff, sozialreformerische Ziele. Um eine größere Wirkung beim Publikum zu erzielen, orientierte er sich bei der Arbeit an seinem 1871 erschienenen "Volksstück mit Gesang in drei Akten" an dem mit Namen wie Ferdinand Raimund und vor allem Johann Nestroy verbundenen Wiener Volkstheater. Eine Wiederbelebung dieser Gattungsform ist ihm zwar nicht gelungen, doch gehörte "Der Meineidbauer" zu seinen meistgespielten Stücken.
Obwohl Anzengruber sich stets bemühte, realitätsnahe Charaktere zu schaffen, sind hier die beiden Protagonisten Vroni und Mathias Ferner allzu starr auf die Eigenschaften "gut" und "böse" festgelegt, als daß sie noch authentisch wirken und überzeugen könnten. Zudem wird sich der heutige Leser immer wieder unangenehm an deutschsprachige Heimatfilme der fünfziger Jahre erinnert fühlen und Schwierigkeiten haben, dem Stück noch etwas für sich abzugewinnen. "Der Meineidbauer" zählt somit eher zu Anzengrubers schwächeren Werken.