Berlin im Zeichen der Mauer. Ein Westdeutscher muss sich in der zweigeteilten Stadt einleben und zurechtfinden. Die besondere Atmosphäre, wie es sie in keiner anderen Stadt gibt, fasziniert ihn so sehr, dass er beginnt, Geschichten über die Mauer und insbesondere ihre Überwindung, aus welchem Grunde auch immer, zu sammeln. Dabei handelt es sich um wahre Begebenheiten, wenn sie auch etwas verändert sind. Zu diesem Behufe werden Freunde und andere Typen eingebracht, um verschiedene Ansichten zur Mauer darzustellen. Sie werden aber nicht ausführlicher beschrieben, sondern nur in Bezug auf die Mauer interpretiert. Robert, der beste Freund des Icherzählers, in dem man den Autor Peter Schneider erkennen kann, da er auch aus Lübeck nach Westberlin gezogen ist und so in seinem Werk seine eigenen Erfahrungen verarbeitet, wird detaillierter betrachtet. An ihm wird verdeutlicht, wie "Wessis" und "Ossis" Nachrichten verschieden aufnehmen: Der Icherzähler hält Gesagtes eher für bare Münze, während der Ostberliner Robert etwas vom Staat Organisiertes dahinter vermutet. Hier zeigt sich Roberts Misstrauen gegenüber der DDR-Regierung, wobei der Westdeutsche nichts zu befürchten hat. Bei diesem komplexen Thema ist es hilfreich, wechselnde Erzählperspektiven zu verwenden. Dies wird nicht nur durch die ihre eigenen Geschichten beitragenden Charaktere erreicht, sondern auch durch die Änderung der Perspektive im herkömmlichen Sinne: Anfänglich wird man an Berlin und die Mauer aus der Luft betrachtet herangeführt. Die Mauer zieht sich wie eine Narbe durch das Stadtbild, die der Schatten des Flugzeuges aber überspringen kann. Diese Freiheit verliert man aber bei der Landung. Beim Auto fahren zwingt die Mauer einen, abzubiegen und ruft sich so wieder ins Gedächtnis zurück, falls man sie schon vergessen, sich an sie gewöhnt hat. Vorrausschauend, und man sollte nicht vergessen, dass der Mauerspringer 1982 geschrieben wurde, bemerkt er, dass die Mauer noch lange nach ihrem Abriss in den Köpfen der Menschen existieren werde. Generelle Informationen über die Mauer, kombiniert mit einem amüsanten Schreibstil und einem flüssigen Erzähltempo tragen zur Kurzweiligkeit des Mauerspringers bei. Daher halte ich das Werk für unbedingt lesenswert. Ausserdem wird einem die Mauer als konkretes Bauwerk und als Abstraktum, sowie ihre Konsequenzen für die zweigeteilte Berliner Bevölkerung näher gebracht. So lernt man auch, die verschiedenen Denkrichtungen der unterschiedlich aufgezogenen, jedoch zusammengehörenden beiden deutschen Völker besser zu verstehen.