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Der Markt hat keine Seele
 
 
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Der Markt hat keine Seele [Broschiert]

Johannes Czwalina
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Broschiert: 334 Seiten
  • Verlag: Frankfurter Allgemeine Zeitung (Dezember 2002)
  • ISBN-10: 3933180783
  • ISBN-13: 978-3933180780
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 14,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.425.162 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Vor über einem Jahr hast Du mir Euer Buch "Der Markt hat keine Seele" geschenkt. Ein Buch, dass ich nie ganz gelesen habe. Aber...Es war an einem Montag Morgen. Ich saß im Zug nach Frankfurt. Als ich aufwachte, kramte ich in meinem Gepäck und blätterte in diesem Buch. Ich las einzelne Abschnitte; nie ganze Kapitel. Und ich wußte sofort, um was es ging. Nein - ich wußte genau, um was es ging. Ich saß in einem Zug mit Leuten, die alle auf der Suche nach Geld, Karriere, Anerkennung, Erfolg usw. in dem Markt "Frankfurt" suchten. Alle haben Sie Ihre Liebsten zu Hause gelassen. Für mich war das auch irgendwie o.k. - aber auch nur irgendwie.

Unsere Mutter lag damals sterbenskrank im Krankenhaus. Eines Tages klang Sie am Telefon sehr traurig. Ich nahm sofort einen Mietwagen und fuhr von Dresden nach Nürnberg, um die Nacht bei Ihr zu sein. Ein Moment, den man nicht wiederholen kann. Ein wertvoller Moment.

Zeit ist Geld, sagt man. Ist es nicht eher so, dass Geld Zeit kostet? Auch lebenswerte Zeit? Unwiederbringliche Zeit? Die Zeit, die Kinder von Ihren Eltern so sehr wünschen, aber auch die Eltern von Ihren Kindern?

In dieser Zeit hat mir mein ehemaliger Chef einen Job in München angeboten. Ich sagte zu. Eintausend Mark mehr Gehalt, zwei Jahre Mietzuschuß bis zu Tausend Mark etc. Warum sollte ich nein sagen? Tja warum? Warum bin ich überhaupt auf Reisen gegangen? Doch nicht nur wegen mir, nein auch wegen meiner Familie.

Ich sagte die Stelle in München ab und bemühte mich um eine Anstellung in Nürnberg. Meine Mutter verstarb Ende April letzten Jahres. Ein Tag nach Ihrem Tod, hatte ich eine Zusage in Nürnberg.

Manchmal denke ich noch an dieses Buch. Es war neben vielen anderen Umständen, doch ein kleiner Spiegel. Was will ich? Was ist mir wieviel wert? Wie will ich meine Zeit - meine Lebenszeit sinnvoll einsetzen?

Heute muß ich auch arbeiten, wie in meinem alten Job. Geschenkt bekommt man nichts. Doch heute gönne ich mir ein Frühstück mit unserem Tobias. Wir gehen sogar zur selben Zeit außer Haus. Teilweise sitzen Anna und Lena auch mit am Frühstückstisch. Wenn ich keine Termine am Vormittag habe, bringe ich unsere Anna auch mal in den Kindergarten. Und natürlich bin ich zumindestens in dieser Situatuion mit meiner Ingrid zusammen.

Einen gewissen Drang nach weiterer Karriere verspüre ich immer noch (oder wieder). Aber ich geniese die Zeit zu Hause. Es sind eher die Umstände am "Markt", die mich wieder treiben lassen würden. Doch ich weis nun, es ist nicht alles mitzumachen, was der "Markt" so augenscheinlich verspricht.

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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Johannes Czwalina, Theologe, früherer Pfarrer und Ausbildungsleiter eines renommierten Konzerns, hat seine "Lebensaufgabe" - ein Begriff, dem er zu Recht grosse Bedeutung für ein sinnerfülltes Leben beimisst - in der Beratung von Führungskräften, die in eine persönliche Krise geraten sind, gefunden. Auch das vorangestellte Zitat (S. 316) verdankt er einem Manager. Nach jahrelanger Beratungs- und Coaching-Erfahrung möchte der Autor seine Leserinnen und Leser vor den typischen Fehlorientierungen und Fallen einer verabsolutierten Managerlaufbahn warnen und sie ermutigen, zwischen ihrer Rolle als Leistungs- und Verantwortungsträger der Wirtschaft einerseits und ihrer Identität als Mensch andererseits eine Differenz zu wahren: "Führungskräfte leiten ihren eigenen Wert und ihre Identität oft einzig von ihrer Leistung, Attraktivität und ihrem damit verbundenen Erfolg ab und verlieren in Situationen der Marktveränderung alles. Sie haben sozusagen ihre Seele, das Kostbarste, was sie haben, einem anonymen Marktgeschehen verschenkt..." Doch: "Es lohnt sich nicht, seine Seele dem 'Markt' zu verschreiben. Er wird euch nicht vermissen, wenn ihr vom Trittbrett fallt" (S. 16), insesondere nach einem Karriereknick. Wessen Identität und Selbstwertgefühl nämlich fast völlig über den Erfolg im Beruf definiert war, der verliert mit dem Job allzu vieles zugleich und gerät fast unweigerlich in eine schwere Lebenskrise. Es kommt deshalb darauf an zu begreifen, "dass Identität nicht [nur, P.U.] Ausdruck unserer Leistung sein kann, sondern umgekehrt sollte unsere Leistung Ausdruck unserer Identität werden" (S. 140). Und für diese ist nicht Karriereerfolg, sondern sind zwischenmenschliche Beziehungen entscheidend. "Die Frage taucht auf, ob eine Karriere überhaupt die empfehlenswerte Art ist, sich als Person zu entfalten" (S. 145), bringt sie doch enorme Zwänge der Anpassung an die Erfolgslogik des (Arbeits-) Marktes mit sich. Ein "marktkonformer" Anpasser kann jedoch keine in sich ruhende, charakterstarke Persönlichkeit sein oder werden. Um unseres guten persönlichen Selbstverhältnisses willen benötigen wir daher eine kritische Distanz zu den (angeblichen) "Sachzwängen" des Marktes. Wer diese verliert, zahlt über kurz oder lang einen zu hohen Preis für den "Kult des Erfolgs", etwa das Burn-out-Syndrom, ein bohrender "Hunger nach Sinn", Depressionen oder die Zerstörung seiner privaten Partnerschaftsbeziehung. Klüger ist es, sich für ein "Leben mit Werten" zu entscheiden, die persönliche Lebensaufgabe (etwas Sinnvolles tun) nicht restlos an das Erwerbsleben zu koppeln und gelegentlich das "Loslassen-Können" zu üben. Denn "wer loslassen kann, kann Gelassenheit entwickeln" - "zugunsten des grösseren Ganzen" (S. 215).
Dies ist ein in jedem Sinne lebensnahes, eindrückliches Buch, das Führungskräften und solchen, die es werden möchten, wärmstens als Gegengift gegen die lauernden Gefahren des totalen Leistungs- und Karrieredenkens empfohlen werden kann. Wie der Autor einleitend selbst erwähnt, orientiert sich auch die Schreibweise des Textes "an den durch ein knappes Zeitbudget geprägten Lesegewohnheiten eben der 'gestressten' Menschen, von denen es handelt und an die es sich wendet" (S. 11). Der mehr assoziativ fliessende als systematisch aufgebaute Text kann auch in kleinen Häppchen gelesen werden, ohne dass man erst angestrengt den Zusammenhang zu suchen braucht. Dieser Vorzug für das eigentliche Zielpublikum ist für eher wissenschaftlich orientierte Leser allerdings weniger komfortabel. Für Studierende mögen auch die teilweise recht ungenauen, manchmal ganz fehlenden und gelegentlich sogar inadäquaten Quellenverweise den Nutzen der Lektüre mindern. Zu wünschen ist dem Buch, dass es vor allem unter den Akteuren des ganz normalen Wahnsinns unseres heutigen "Wirtschaftslebens" viele Leser und Leserinnen finden und sie zur vermehrten Nachdenklichkeit über den Sinnhorizont ihrer Lebensweise anregen möge.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Der Markt hat keine Seele - Zwischen Leistungsdruck und Lebensqualität
Von Johannes Czwalina (1952), Gründer und seit 1990 Inhaber der Czwalina Consulting AG in Riehen bei Basel zur Beratung von Führungskräften, vorher 10 Jahre als Großstadtpfarrer engagiert.

„In einer seelenlosen, egoistischen Marktwirtschaft unter hohem, steigenden Leistungsdruck als Führungsperson zur Persönlichkeit reifen und dadurch mehr Lebensqualität für sich und andere erreichen" könnte der Inhalt dieses engagierten Buches kurz umschrieben werden.

Ausgehend von einer immer stärker auf „Wachstum" und „Profitmaximierung" konditionierten, individualistischen Leistungsgesellschaft umschreibt Czwalina die persönlichen Vorraussetzungen insbesondere bei Führungskräften, um das Umfeld wieder zu einer ausgeglicheneren, mitmenschlicheren Wertegesellschaft zurückzuführen und dadurch auch selbst mehr Zufriedenheit und tieferen, inneren Erfolg zu erfahren (Erfolg weniger konditioniert auf Maximierung und Fremdbestätigung durch Leistung als auf Stabilisierung und innere Erfüllung).

Bei der anhaltenden Tendenz zur wachstumsgetriebenen Entfremdung von Mensch und Kapital (Marx lässt grüssen) riskiere irgendwann einmal jeder Manager und Mitläufer des „Systems" immer stärkere Beeinträchtigungen auch seiner eigenen Intimsphäre (z.B. Freizeit) und seiner Familie mit den bekannten Folgen wie Ängste, Arbeitssucht, Burn-out-Syndrom, Arbeitslosigkeit, Überflussgefühle, Leere, Depressionen und Selbstmordgefährdung.

Hier gelte es, die oft schon suchtartige Abhängigkeit von Anerkennung durch Leistung aufzulösen (oft Ersatz für innere Unsicherheit, mangelnde Geborgenheit und Liebe). Denn im aktuellen Marktumfeld seien dringend gefühlvolle, mitmenschliche Führungskräfte mit Persönlichkeit (Charakter), realistischem Selbstwertgefühl und sozialem Mut gefordert, denen es gelingt, ihrem Dasein einen höheren persönlichen Sinn zu geben - jenseits der Erfahrung der eigenen Vergänglichkeit!

Wie kann dieser Wandel erreicht werden? Es ist kaum zu erwarten, dass das „System" bzw. die Unternehmen ohne Notlage zu solch einschneidenden Kursänderungen Hand bieten werden. Zu schwer lastet weiterhin der Erfolgsdruck durch Innovationsgeschwindigkeit, Konkurrenz und Kapitalgeber.

Angesichts dieser Erkenntnis empfiehlt Czwalina vielmehr einen pragmatischen Ansatz der Eigeninitiative der Betroffenen. Sie sollen sich auf ein persönliches Coaching von Lebenslage, Wünschen, Werten, Prioritäten, Posterioritäten (Dinge loslassen!), Kritik- und Konfliktfähigkeit, Aufrichtigkeit, Glaubwürdigkeit, Mitleidensfähigkeit und Mässigkeit einlassen. Dadurch werden Charakterbildung, Selbstwertgefühl, Orientierung, Sinnhaftigkeit und sozialer Mut gefördert. Ein allfälliges Scheitern werde nicht mehr gleich zum Absturz der Person führen. Scheitern kann auch etwas Bestärkendes haben!
Höchste Priorität soll die Familie als Kernzelle des sozialen Lebens erhalten. Dies fördere den inneren Ausgleich, die Geborgenheit, die eigenen Werte gegenüber fremden Werten z.B. des Arbeitgebers. Aus der Familie heraus kann der Mensch und Manager die Kraft schöpfen, die ihn „erfolgreicher", freier und glücklicher macht.

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