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Der Mann ohne Eigenschaften I: Erstes und Zweites Buch
 
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Der Mann ohne Eigenschaften I: Erstes und Zweites Buch [Taschenbuch]

Robert Musil , Adolf Frisé
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (28 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 15,99 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Musils Protagonist Ulrich ist gar kein Mann ohne Eigenschaften. Der Romantitel führt da ein wenig in die Irre. Tatsächlich ist es eine "Welt von Eigenschaften ohne Mann", die im Buch nichts Charakteristisches mehr zu bieten hat. Bereits die umwerfende Eingangssequenz macht diesen Leerlauf anschaulich, indem sie den Leserblick trichterförmig von metereologischen Banalitäten zu einem Verkehrsunfall in Wien an "einem schönen Augusttag des Jahres 1913" hinunterlenkt, dessen vermeintliche Tragik technische Erklärungen (Bremsversagen) bagatellisieren. Wie in Samuel Becketts Murphy darf auch hier die Sonne zunächst "auf nichts Neues" und Besonderes mehr scheinen. Diese Erkenntnis bringt Ulrich letztlich dazu, "Urlaub vom Leben" zu nehmen und sich in Reflexionen über eben dieses Leben zu ergehen. Die selbstgewählte "Eigenschaftslosigkeit" der Figur erweist sich so als ihre herausragendste Eigenschaft.

Im Mann ohne Eigenschaften passiert nur wenig. Aber es wird unendlich viel gedacht im Buch, und am Ende wird sogar noch intensiv gefühlt: In der Geschwisterliebe Ulrichs zu Agathe realisiert sich die Utopie eines "anderen Zustands" jenseits der absurden Welt. Hierfür findet der Mann ohne Eigenschaften dann poetisch präzise Bilder ohne intellektuelle Schwere, so in meinem Lieblingskapitel Atemzüge eines Sommertags: "Die Sonne war unterdessen höher gestiegen, die Stühle hatten sie wie gestrandete Boote in dem flachen Schatten beim Haus zurückgelassen. Ein geräuschloser Strom glanzlosen Blütenschnees schwebte, von einer abgeblühten Baumgruppe kommend, durch den Sonnenschein; und der Atem, der ihn trug, war so sanft, daß sich kein Blatt regte. Kein Schatten fiel davon auf das Grün des Rasens, aber dieses schien sich von innen zu verdunkeln wie ein Auge". Gäbe es nur diese wunderschöne Stelle, so hätte sich die Lektüre der weit über 1000 vorangegangenen Seiten schon gelohnt. --Thomas Köster

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Die Zeit, 09.12.1999
Robert Musil, dessen Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" erstmals ab 1931 in Teilbänden erschien, bezeichnete sein Buch selbst als "Kraftfeld", in dem es unendlich viele Möglichkeiten und Querverbindungen gibt. Rezensentin Katarina Frostenson schließt sich Musils Vorstellung an. Besonders hebt sie dabei den Aspekt des "Räumlichen" hervor: Räume, in denen Menschen sich aufhalten, Menschen, die sich auf der Schwelle befinden, Welten, zu denen Türen geöffnet werden. Zwar findet sie den Roman bisweilen so kompakt, dass er sogar " ein Gefühl der Übersättigung hervorruft". Andererseits lobt sie die Offenheit: nicht hinsichtlich von Deutungen, sondern vielmehr in bezug auf Vorstellungen, auf Bilder, die das Buch im Kopf des Lesers auzulösen vermag.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Der Mann ohne Eigenschaften
OA 1930–43 Form Roman Epoche Moderne
Das Fragment gebliebene Hauptwerk von Robert Musil Der Mann ohne Eigenschaften ist ein Jahrhundertwerk deutscher Prosa und ein herausragender europäischer Roman des 20. Jahrhunderts.
Entstehung: Bereits 1905 hatte sich Musil erste Notizen zur Konstruktion jenes Romans gemacht, der dann von 1925 an für nahezu zwei Jahrzehnte die gesamte schöpferische Arbeit des Schriftstellers auf sich zog. Zwischen dem Verleger Ernst Rowohlt und Robert Musil kam Mitte der 1920er Jahre ein Vertrag zustande, der dem Autor auf Jahre hinaus ein Honorar zusicherte und ihm ermöglichte, sich ganz der Arbeit an dem zeitkritischen Roman zuzuwenden.
1930 erschien der erste Band mit den Tei-len Eine Art Einleitung und Seinesgleichen geschieht, 1933 der zweite namens Ins Tausendjährige Reich, Letzterer unter dem Druck der finanziellen Verhältnisse bereits als Torso. In Armut und in der Fremde seines Genfer Exils arbeitete Musil bis zu seinem Tod 1942 an dem Roman. 1943 gab seine Frau einen dritten Band aus dem Nachlass heraus. Die von Adolf Frisé 1952 besorgte Neuedition bildete die Grundlage für eine breitere Rezeption des Werks.
Inhalt: Im Mittelpunkt des Erzählgeschehens steht die sog. Parallelaktion, die Idee einer großen patriotischen Aktion zum 70-jährigen Jubiläum der Thronbesteigung Kaiser Franz-Josephs im Jahr 1918. Diese Idee wird im Jahr 1913 ursprünglich nur geboren, weil man in Wien in Erfahrung gebracht hat, dass Preußen-Deutschland für dasselbe Jahr Feierlichkeiten zum »nur« 30-jährigen Jubiläum Kaiser Wilhelms II. plant. Um dieser – eingedenk der Niederlage von Königgrätz – neuen Schmach zuvorzukommen, beschließt man, das ganze Jahr 1918 zu einem Feierjahr zu erkären. In regelmäßigen Zusammenkünften verschiedener Repräsentanten der k. u. k. Monarchie werden Vorschläge und Ideen erörtert, um ein Konzept für die geplante Aktion zu entwerfen. Es erweist sich bald, dass die Romanfiguren nicht in der Lage sind, sich zu verständigen, es bleibt bei geistreicher, aber folgenloser Konversation. Alle Ideen und Programme führen an den realen Problemen der Zeit vorbei. Die Parallelaktion findet nicht statt, da die Verantwortlichen keine allgemein akzeptierte geschichtsbildende Idee ausfindig machen können.
Struktur: Mit einer Ironie, die in der deutschsprachigen Literatur keine Entsprechung findet, seziert Musil in diesem Roman den Niedergang der Donaumonarchie und versinnbildlicht damit die Krise der bürgerlichen Gesellschaft am Vorabend des Ersten Weltkriegs.
Die Zentralfigur des Romans, Ulrich, ist so angelegt, dass sie in ihrer Funktion als Sekretär der Parallelaktion mit Repräsentanten der unterschiedlichsten Schichten der Monarchie Gespräche darüber zu führen hat, worauf die gegebene Gesellschaftsordnung eigentlich gründet. Diese Dialoge bzw. Ulrichs Reflexionen darüber bilden das erzählerische Skelett, anhand dessen die weltanschaulichen und geistigen Tendenzen des Jahrhunderts in Form einer Meditation über Kakanien einer Analyse unterzogen werden. Die Handlung tritt dabei zu Gunsten von Erörterungen philosophischer, pädagogischer, kultur- und gesellschaftskritischer Überlegungen deutlich zurück. Diese Ausführungen sind aber keineswegs theoretisierende Streifzüge durch Bereiche der Wissenschaft, sondern bleiben stets an die Figuren und ihre Lebenssituation gebunden
Wirkung: Schon kurze Zeit nach Erscheinen des ersten Bandes 1930 prophezeiten Kritiker und Kollegen dem Roman, dass er große Bewunderung und einen herausragenden Platz in der Literaturgeschichte, aber nur wenig Leser finden werde. Diese Diskrepanz ist in gewissem Maße bis heute erhalten geblieben. Der für viele Fachleute gewichtigste deutschsprachige Roman des 20. Jahrhunderts sperrt sich durch Umfang, Form und Gehalt einem breiten Leserkreis. Das liegt sicherlich daran, dass für dieses Buch gilt, was für große Literatur allgemein bezeugt ist: Besprechungen können nicht im Entferntesten das intellektuelle Vergnügen vergegenwärtigen, das die Lektüre dieses Buchs oder auch nur einzelner Kapitel daraus bietet. R.F. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

"Musils Buch besitzt die hinreißenden Romaneigenschaften: Anschaulichkeit noch in der unsinnlichsten Reflexion, Heiterkeit bis zu tanzendem Übermut, gründlichen Humor, der kaum an ein oder zwei Stellen geringere Humoristika passieren läßt, und vor allem einen Reichtum und Witz des Vergleichs und der Bilder, wie er in der deutschen Literatur, mindestens seit Gottfried Keller, nicht seinesgleichen hat." (W. E. Süskind)

Kurzbeschreibung

"Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften, Anfang Dreißig, sportlich trainiert, Mathematiker, Philosoph, ein sich passioniert in Frage stellender Nicht-Held, ist Musils Experimentator, Vordenker. Seine Mit- und Gegenspieler exemplifizieren vielfältige Varianten menschlichen Verhaltens: Repräsentanten der führenden Kreise, der Großkapitals, der Wiener Ballhausplatz-Diplomatie, Reformer, Schwärmer, potentielle Revolutionäre, Nymphomaninnen, eine esoterische Salonkönigin, ein unzurechnungsfähiger Sexualmörder, eine anrührend wahnbesessene Nietzsche-Anbeterin. Ulrichs faszinierende Partnerin, seine Schwester Agathe, verführt ihn zu einem der kühnsten Liebesexperimente (´der letzten Liebesgeschichte´) der Weltliteratur." (Adolf Frisé)

Über den Autor

(seit 1917 Edler von M.), geboren am 6.11.1880 in Klagenfurt, stammte aus einer altösterreichischen Beamten- , Gelehrten- , Ingenieurs- und Offiziersfamilie. Er studierte an der technischen Militärakademie in Wien, brach seine Militärsausbildung ab und wurde Maschinenbauingenieur. Nach einer Tätigkeit als Assistent an der TH Stuttgart studierte er 1903-08 in Berlin Philosophie, Psychologie, Mathematik und Physik und promovierte mit einer Arbeit über den Theoretiker des naturwissenschaftlichen Positivismus Ernst Mach zum Dr. phil. Auf eine Universitätslaufbahn verzichtete er, um freier Schriftsteller zu werden. 1911-14 war er Bibliothekar, 1914 Redakteur der «Neuen Rundschau». Im 1. Weltkrieg war er Landsturmhauptmann, Herausgeber der «Soldatenzeitung» und zuletzt im Kriegspressequartier. 1918-22 lebte er als Beamter in Wien, danach als freier Schriftsteller, Theaterkritiker und Essayist in Wien und Berlin. Nach der faschistischen Besetzung Österreichs emigrierte er nach Zürich. Die letzten Lebensjahre verbrachte er fast mittellos in Genf, wo er am 15.04.1942 starb.
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