Leute, die Bücher von Ralf Isau gelesen haben und dann immer wieder neue Bücher von ihm lesen, tun dies oft aus mehreren Gründen.
Isau verspricht gute Unterhaltung, die man meistens auch als recht anspruchsvoll bezeichnen kann. "Der Kreis der Dämmerung" ist hierfür das beste Beispiel. Die gefälligen Stories zeichnen sich oft durch eine Idee aus, bei der man sich fragt, warum vor ihm noch niemand auf das Goldstück gestoßen ist. Die Verwebung mit historischen Fakten tut ein Übriges.
So auch bei "Der Mann, der nichts vergessen konnte". Geschickt verbindet Isau die Idee von Tim, dem Mann, der im wahrsten Sinne des Wortes nichts vergessen kann (und dies dann doch genau ein Mal tut) mit der immer noch ungelösten Beale-Chiffre. Interessant: die angesprochenen wirtschaftlichen Turbulenzen könnten aufgrund der Bankenkrise gar nicht aktueller sein.
So weit, so gut. Gut gemacht, Herr Isau. Die Idee des "nicht-vergessen-könnens" ist ungemein spannend, ebenso die Jagd nach der Entschlüsselung des Rätsel, welches - wenn man Isaus glaubt - große politische Brisanz bergen soll.
Trotzdem nur vier Sterne? Ja. Und zwar deswegen, weil mehrere wunderbare Grundideen irgendwann zu schnell verpuffen (dürfen) und man doch das Gefühl nicht los wird, der Schriftsteller müsse oder wolle dringend zum nächsten Projekt.
Mein Tipp an Herrn Isau: Die toll recherchierten Ideen nicht verschenken, mit mehr Liebe und Geduld zu Ende erzählen, notfalls ein Buch weniger schreiben.
Trotzdem: Gute & lesenswerte Unterhaltung.