Rezension zur Wiederveröffentlichung durch 'Alive' (2010):
So realistisch und schonungslos, wie Otto Preminger das Drogen-Drama THE MAN WITH THE GOLDEN ARM (basierend auf Nelson Algren's gleichnamigem Roman) 1955 inszenierte, hatte bis dato wohl nur Billy Wilder mit seinem 10 Jahre früher veröffentlichtem Film THE LOST WEEKEND (in dem Ray Milland einen Alkoholiker spielte) das Thema "Sucht" auf die Leinwand gebracht - obwohl DER MANN MIT DEM GOLDENEN ARM von der Kritik positiv aufgenommen wurde, zudem höhere Summen einspielte und letztlich sogar für drei Oscars nominiert wurde, durften zahlreiche Kinos in Amerika ihn anfangs nicht zeigen: Grund: Die 'Motion Picture Association of America' (MPAA) hatte sich seit 1930 verpflichtet, keine Filme, die u.a. Drogenmißbrauch zum Thema hatten, frei zu geben; der Film wurde somit nicht lizensiert.
In eindringlichen, bewegenden Bildern führte Frank Sinatra in der Rolle von Frankie "Machine" die Schwierigkeit vor, sich von seiner Sucht befreien zu wollen und in seinem Vorhaben, trotz bester Vorsätze, zwischenzeitlich dennoch wieder zu scheitern - dabei wird zwischen Selbsttäuschung und physischen Krämpfen nichts ausgelassen. Sinatra wurde für einen Oscar in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" immerhin schon nominiert ... er hätte es auch definitiv verdient gehabt, diesen entgegen nehmen zu dürfen. Ebenfalls oscarnominiert war Elmer Bernstein's Musik - das markante, dynamische Grundthema "Frankie Machine" ist längst ebenso ein Klassiker, wie der Film selbst.
Frankie "Machine" kommt, nach Abbüßung einer Haftstrafe, während der er auch seine Heroinsucht überwunden hat, wieder zurück in das ärmliche Stadtviertel, in dem er wohnt. Er vermittelt den besten Eindruck, es schaffen zu können, auch weiterhin 'clean' zu bleiben, jeder heißt ihn erfeut willkommen zurück - auch seine Frau Zosh (Eleanor Parker), die seit einem, durch Frankie verschuldeten Unfall im Rollstuhl sitzt. Und ebenfalls seine Nachbarin Molly (großartig: Kim Novak), die sich Frankie, aufgrund einer früheren Affäre, emotional noch immer sehr verbunden fühlt. Frankie strahlt Optimismus aus, er hat während seiner Abwesenheit gelernt, Schlagzeug zu spielen und auf diesem Weg will er zukünftig sein Geld verdienen. Doch die Dinge laufen, wie so oft im Leben, etwas anders: Widrigkeiten nötigen Frankie, wieder seine frühere Beschäftigung als Kartengeber beim illegalen Glückspiel aufzunehmen, was ihm mißfällt. Auch ist sein ehemaliger Dealer stets zur Stelle, der Frankie wissen läßt, daß er bei Bedarf auch jetzt wieder für ihn da wäre. Noch kann Frankie widerstehen, doch als der erhoffte Anruf, der ihm eine Anstellung in einer Band verschaffen könnte, ausbleibt und seine Frau, die niemals müde wird, seine Aufmerksamkeit und Zuwendung erzwingen zu wollen, einen Schritt zu weit geht, wird er schwach ... Frankie sucht tatsächlich den Dealer des Viertels auf, für einen Schuß ... "nur einen"! Und alles geht wieder von vorn los, es geht bergab und der einzige Lichtblick ist Molly, die enttäuscht von ihm ist und dennoch die Gefühle und die Stärke aufbringt, Frankie den 'richtigen' Weg aufzuzeigen und zur Seite zu stehen, als er sich erneut der Tortur der Suchtbewältigung aussetzt ... doch nützt es etwas? Es ist nämlich mittlerweile ein Mord geschehen und der Hauptverdächtige ist Frankie. Er wird polizeilich gesucht und flüchtet, dann lüftet seine Frau ein Geheimnis ...
Der Film hat es in sich, bereits vor seiner Entstehung hat die Thematik existiert und sie hat auch bis heute nicht an Aktualität verloren - das macht DER MANN MIT DEM GOLDENEN ARM zu einem zeitlosen Klassiker! Neben Frank Sinatra's überzeugender Darbietung verdient ebenfalls die von Kim Novak Erwähnung, genau so das Drehbuch hinsichtlich vieler Dialog-Szenen und zudem Bernstein's musikalische Untermalung. Letztendlich aber wurde alles unter Otto Preminger's Regie zusammen gefügt, die diesen Film zu einem seiner Meisterwerke macht - seine Expertise zeigt sich durch den gesamten Verlauf der ca. 114 Min., ganz besonders in der dramatischsten Szene des Films, in der Frankie, nach der langen Abstinenz, seinen ersten Schuß empfängt.
Die Wiederveröffentlichung dieses tabusprengenden Hollywood-Meilensteins, die vor wenigen Jahren durch 'Koch Media' vorgenommen wurde, scheint mittlerweile wieder aus dem Handel/weitestgehend vergriffen zu sein - bei der jetztigen, erneuten Veröffentlichung im Rahmen der Serie 'Rock'n'Roll Cinema' von 'Alive' handelt es sich aber um dieselbe 'Koch Media'-Version. Sie liegt vor in englischer Originalsprache, sowie mit deutscher Tonspur versehen (beides Dolby Digital 2.0), dabei ohne Untertitel (Extras: Original Trailer, Bildergallerie). Bild Format: 1,33:1 (4:3). Das Pappcover der DVD ist äußerlich stabil, das Inlay - wenig luxuriös - ist ein Einschub, ebenfalls aus Pappe. Beigefügt ist ein Booklet, das die anderen Filme der 'Rock'n'Roll Cinema'-Reihe vorstellt. Gegenwärtig repräsentiert diese Veröffentlichung scheinbar die einzige, problemlos erhältliche Version des Films auf dem deutschen DVD-Markt.
'Tough Stuff', wirklich starker Tobak; dabei - wenn auch für gemütliche Abende wenig geeignet - dennoch ein Top-Film mit tollen Darstellungen in einer, nicht bis zum Schluß 100%ig realistischen, dennoch meisterhaft gelungenen Inszenierung. Für Preminger-, Sinatra-, Novak- und Hollywood-Film-Fans gleichermaßen ein unbedingtes 'Must Have'!
-- theSilentNoirFreak