"Der Mann in der eisernen Maske" ist einer dieser Filme, die man immer wieder sehen und über die man gleichzeitig den Kopf schütteln kann. Denn er hat vom klassischen Abenteuerkino wohl alles übernommen- einschließlich aller das Lächerliche streifenden Unglaubwürdigkeiten. So gesehen ist er- wenn das denn so gewollt ist- vielleicht auch in erster Linie Hommage an seine Vorbilder, jedenfalls streckenweise.
Die Handlung ist höchst spannungsvoll: Der despotische und grausame König von Frankreich- Louis XIV- tyrannisiert und quält sein Volk. Um dessen Freundin zu erobern, schickt er den Sohn des ehemaligen Musketiers Athos- Raoul- an die vorderste Front, wo er auch prompt fällt. Athos schwört Rache, schließt sich schließlich dem Plan Aramis' an, den König gegen seinen Bruder Philippe auszutauschen, der sechs Jahre lang, verborgen unter einer eisernen Maske, in der Bastille sein Leben fristen musste. Wieder vereint wagen die Musketiere dieses gefährliche Spiel...
Jaja, es kommt viel zusammen in diesem Film- große Liebe, Treue, Tapferkeit, Schuld, Ehre und so weiter. Mancher mag das, besonders gegen Ende des Films, mehr als lästig denn lustig empfinden. Besonders die Charaktere von Louis und Philippe werden geradezu provokant antithetisch präsentiert, was auch ein wenig schnell auf die Nerven gehen kann. Dennoch ist "Der Mann in der eisernen Maske"- auch dank seiner fabelhaften Hauptdarsteller- feinstes Popcornkino. Gérard Dépardieu als des Lebens überdrüssiger, von Nierensteinen geplagter Portos, Jeremy Irons als charismatischer Priester und Anführer der Verschwörung, natürlich John Malkovich als Athos, Leonardo di Caprio in seiner Doppelrolle- und, last but surely not least: Gabriel Byrne als D'Artagnan, hin- und hergerissen zwischen Loyalität und Realität, Liebe und Abwehr. Diese Besetzung ist schon einen Zungenschnalzer wert, auch wenn nicht jeder Leo in der Doppelrolle als böser Monarch und grundguter Bruder als glücklich agierend empfinden mag. Ob er für diese komplexe Aufgabe nicht doch etwas zu milchgesichtig wirkt? Ich jedenfalls fand ihn ziemlich gut.
Am Ende des Films kann man natürlich die Taschentücher zücken, woran auch der wunderbare Soundtrack nicht ganz unschuldig ist. Kurzes Fazit: Schöner Film, einfach gucken :-)