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Der Mann, der den Zügen nachsah: Ausgewählte Romane 10
 
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Der Mann, der den Zügen nachsah: Ausgewählte Romane 10 [Gebundene Ausgabe]

Georges Simenon , Linde Birk
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 264 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: Revidierte Übersetzung. (25. Januar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257241100
  • ISBN-13: 978-3257241105
  • Originaltitel: L'homme qui regardait passer les trains
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 11,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 50.261 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Abends um acht war Kees Popingas Schicksal noch nicht besiegelt, es wäre also noch nicht zu spät gewesen. Kees Popinga hat genug davon, Kees Popinga zu sein. Und nachdem die Firma in Groningen, in der er sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, bankrottgeht und der von ihm bewunderte Firmenchef mit der Kasse verschwindet, gibt es für Kees kein Halten mehr: Einmal richtig leben und lieben, das will er, egal wie hoch der Preis dafür ist.

Über den Autor

Georges Simenon, 1903-89, geb. in Lüttich, lebte ab 1957 in der Schweiz. Er gilt als einer der besten französisch-sprachigen Kriminalautoren.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Von Manfred Küper TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Simenon in Bestform: Diese unglaublich dichte Charakterstudie fasziniert nicht zueltzt durch die sehr gelungene aktuelle Übersetzung von der ersten Seite an.

Kees Popinga ist ein Durchschnittsmensch: Buchhalter und Prokurist bei einer Großhandelsfirma für Schiffsgüter, Eigenheimbesitzer, Ehemann und Vater. Nach außen ist alles im Lot.

Als er seinen Chef betrunken in einer Spelunke trifft und der ihm vom vorstehenden betrügerischen Bankrott der Firma berichtet, bricht Popinga aus und lässt sein bisheriges Leben hinter sich. Großzügig ausgestattet mit Geld seines ehemaligen Arbeitgebers zieht es ihn hin zum prallen Leben. Doch schon bald geht das Experiment schief und die Polizei heftet sich an seine Fersen.

Wie reagiert eine Gesellschaft auf jemanden, der alle Konventionen hinter sich lässt und die Beziehungen zu seinem bisherigen Leben abbricht? Eine wunderbare, stimmige Studie über die Psyche des bemitleidenswerten Kees Popinga (und damit mal nicht aus Sicht der ermittelnden Polizei, was der Geschichte sehr gut tut) und über die Unfähigkeit einer Gesellschaft, sein Handeln so zu verstehen, wie es gemeint war.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ergreifende Charakterstudie 10. Februar 2011
Von Manfred Orlick HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Unter den Non-Maigret-Romanen von Georges Simenon ist "Der Mann, der den Zügen nachsah" einer der bekanntesten, der sogar mehrfach verfilmt wurde. Erzählt wird die Geschichte von Kees Popinga, der als Prokurist bei einer großen Reederei in Groningen arbeitet. Der 39jährige Familienvater lebt mit seiner Frau Eleonore, der Tochter Frida und dem Sohn Carl in einer ansehnlichen Villa, die er mit einer Hypothek abgesichert hat. Dafür hat er sich mit seinen letzten Ersparnissen an der Firma beteiligt.

Seit seiner Eheschließung vor sechzehn Jahren läuft sein Leben in festen, geregelten Bahnen, ein Tag gleicht dem anderen. Doch dann gerät diese Familienidylle schlagartig aus den Fugen. Die Firma, die in betrügerische Machenschaften verstrickt ist, geht bankrott und Popingas bisher bewunderter Chef Julius de Coster verschwindet mit der Firmenkasse.

Für den braven Angestellten fallen in diesem Moment alle moralischen Schranken, von einem Tag zum anderen bricht er aus seinem bürgerlich biederen Dasein aus. Er will einmal das Leben genießen und nicht der Mann sein, der immer nur den Zügen, die in verlockende Ferne fahren, nachsieht. Sie hatten schon immer in ihm eine unbestimmte Sehnsucht nach einem freien Leben geweckt.

Also nimmt Popinga den nächsten Zug nach Amsterdam. Hier trifft er Pamela, die ehemalige Geliebte seines Chefs, die im besten Hotel am Platze wohnt. Als Popinga jedoch am Morgen das Hotel und Amsterdam in Richtung Paris verlässt, ist Pamela tot. In der Seine-Metropole wird er bereits polizeilich gesucht, weil er im Verdacht steht, die Lebedame umgebracht zu haben. Auch die Zeitungen haben den Fall aufgegriffen und bezeichnen ihn als "Lustmörder". Er schreibt an die Redaktion, um sich zu rechtfertigen, schließlich hat er die Frau nur aus Versehen getötet.

In Paris treibt Popinga sich in Nachtlokals und billigen Hotels herum, macht die Bekanntschaft der Prostituierten Jeanne, die er ebenfalls bei einem Streit tötet. Schließlich will er seinem verkorksten Leben ein Ende bereiten und legt sich splitternackt auf ein Bahngleis ... danach würde es keinen Kees Popinga mehr geben. Er wird aber entdeckt und landet in der geschlossenen Abteilung eines Irrenhauses.

Mit dem Lebensschicksal von Kees Popinga ist Georges Simenon eine ergreifende Charakterstudie gelungen. Der Roman erschien 1938 unter dem Originaltitel "L'homme qui regardait passer les trains", während die deutsche Erstausgabe erst 1970 unter dem Titel "Der Mann, der die Züge vorbeifahren sah" veröffentlicht wurde. Die vorliegende Übersetzung erschien erstmals 1997 im Diogenes Verlag und wurde für die vorliegende Edition der "Ausgewählten Romane" überarbeitet.

Manfred Orlick
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Georges Simenon war ein weltberühmter französischsprachiger Schriftsteller belgischer Herkunft. Im deutschsprachigen Raum wurde er vor allem als Autor von 75 Kriminalromanen und 28 Erzählungen um die Figur des berühmten Pariser Kommissars Maigret bekannt. Simenon war in vielen Dingen ein Mann der Maßlosigkeit. Er hat angeblich nicht nur mit unzähligen Frauen geschlafen, sondern er hat nachweislich über 400 Romane geschrieben, die über 500 Millionen Mal verkauft wurden. Seine Romane zeichneten sich vor allem durch detailgetreue Personen- und Milieubeschreibungen aus.
Das deutschsprachige Gesamtwerk Simenons wird vom Diogenes Verlag betreut. Hier weiß man sehr gut, dass ein umfangreiches Werk auch umfangreiche verlegerische Abwicklungen verlangt. So werden jetzt die Nicht Maigret Romane neu aufgelegt.

Simenon hatte angeblich immer Angst vor dem Abstieg, Angst im Abseits zu landen, Angst vor der Entsozialisierung und genau so geht es Kees Popinga, dem Helden in diesem fesselnden und zugleich komisch grotesken Roman "Der Mann der den Zügen nachsah". Dieser Kees ist neununddreißig Jahre alt, arbeitet als Prokurist bei einer Reederei, wohnt mit seiner gleichaltrigen Frau, die er "Mutti" nennt und seiner fünfzehnjährigen Tochter Frida und seinem Sohn Carl in einem schmucken noch nicht bezahlten Häuschen in Groningen. Finanziell hat er sich mit seinen ganzen Ersparnissen an der Firma seines Chefs beteiligt. Sein Leben läuft mehr oder weniger puritanisch in geordneten Bahnen und da ist es beeindruckend, wie gelassen er zunächst Kenntnis vom betrügerischen Bankrott seines Chefs nimmt. Doch dann verlässt er seine Familie fährt zunächst nach Amsterdam, um bei der von seinem Chef ausgehaltenen Geliebten Pamela das nachzuholen, was er bisher im Leben versäumt hat. Da Pamela seinem Verlangen nicht nachgibt wirft er sich über sie und erwürgt sie mit einem Halstuch. Er nimmt den Nachtzug und flieht nach Paris. Und wie bei Simeon üblich, fällt dieser Popinga aus dem bürgerlichen Leben in das er scheinbar unentrinnbar eingepfercht war heraus. In Paris hofft er zunächst noch, dass sich für ihn Möglichkeiten eröffnen könnten, um eine neue Existenz zu gründen. Aber er gerät von einer Schwierigkeit in die andere, verstrickt sich immer mehr in kriminelle Machenschaften und Lügengeschichten und wird schließlich von der Unterwelt und der Polizei gesucht. Nachdem ihm ein Taschendieb seine letzten Ersparnisse geraubt hat, schreibt er einen Abschiedbrief an eine Zeitung, in dem er von dem schreibt, wo von er immer geträumt hat, nämlich einen gut beleumundeten sozialen Status zu haben, sich alles leisten zu können weil er endlich den richtigen way of life gefunden hat.
Er gerät in eine große melancholische Einsamkeit. Dieses absolute Verlorensein in Paris, wo er nirgends mehr hin kann, eingekesselt in dieser Stadt wo ihn niemand kennt - das ist so unendlich traurig. In seiner Verzweiflung zieht er sich nackt aus, legt sich auf ein Bahngleis, hofft später nicht mehr identifizierbar zu sein. Die verschneiten Gleise sind eine Metapher für die Wege in die Ewigkeit. Jeder muss an seinen Abschiedbrief glauben, denn es gibt nun keinen Kees Popinga mehr. Doch es ist ihm nicht vergönnt eine neue Existenz vorzutäuschen, er wird von der Bahnpolizei aufgegriffen und landet schließlich in einem Irrenhaus in Amsterdam wo er im Wahn verdüstert - alles ist traurig und düster.

Es ist, wie in allen Simenon Romanen, da ist einerseits der Hoffnungsschimmer aus einer trostlosen Welt auszubrechen und dann wieder andererseits dieser tiefe Sturz, dieses zurück geworfen werden wegen der eigenen Unfähigkeit. Unser Held scheitert in so vielen Lebenssituationen nicht nur bei den Prostituierten, sondern auch weil er dann noch auf dem falschen Bahngleis liegt. Eigentlich scheitert er auch bei den Morden, denn die waren ja auch nicht geplant. Warum das alles? Es ist getragen von der Erkenntnis, dass man sein Denkvermögen mit vielen Informationen ausfüttern muss, um in den unterschiedlichsten Konstellationen des Lebens bestehen zu können. Immer die kurzen Höhepunkte und dann nach dem Scheitern die Frage, ist Kees Popinga, ein Spießbürger der in engen kulturellen Rahmenbedingungen lebt und versucht da auszubrechen, gescheitert oder hat er sich erfolgreich aus den Pressionen des bürgerlichen Lebens befreit? Der Ausbruch gelingt nicht, weil man auch den lernen muss. George Simenon lässt die Beantwortung offen. Die Vision, dass man ausbrechen kann und dann auf irgendeine Art ein vernünftiges Leben führen kann, das hat Simenon einfach nicht gestattet und so hat er auch in diesem Roman wenig Sympathie für seine Hauptfigur.

Die Qualität der Milieubeschreibungen, die raffinierte Perspektivführung und die rhythmische Sprache mit der die elementaren Zustände und Umstände des Menschseins von Simenon so großartig beschrieben werden lassen ein facettenreiches Panorama entstehen das zu einer Sog ausübenden Leselust führt. Simenon hat in Popinga ein großartiges Bild von einer Person gezeichnet, die wir alle nicht sein wollen und die Botschaft lautet möglicherweise, - weder das anständige Leben, noch das unanständige Leben lohnt sich gelebt zu werden - man muss das Leben ausleben, statt es zu vergeuden.
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