Horst David lebte immer ein sehr unauffälliges Leben und niemand ahnte, dass er in den Jahren von 1975 bis 1993 mindestens 7 Frauen ermordet hat.
Als biederer Familienvater lebte er ein Doppelleben, dass ihn häufig in die Münchner Rotlichtszene führte. Dort ermordete er 1975 kurz hintereinander zwei Prostituierte. Da die Polizei in einem Fall den Zuhälter verdächtigte, der nur durch glücklichen Zufall nicht einem Fehlurteil zum Opfer fiel, geriet David nie in Verdacht. Allerdings hatte die Polizei seine Spur in Form eines Fingerabdrucks sichern können.
Nach Trennung von seiner Frau geriet David in den 80er Jahren immer weiter ins soziale Abseits. Von Sozialhilfe und Gelegenheitsjobs lebend verdingte sich der gelernte Anstreicher häufig bei alleinstehenden äteren Damen, um Renovierungsarbeiten durchzuführen. Dabei erwürgte er mindestens 4 seiner Auftraggeberinnen und tarnte die Morde als Herzinfarkte oder Haushaltsunfälle.
Es wirft kein gutes Licht auf die Ärzte, welche die Totenscheine ausstellten, dass tatsächlich keiner dieser Todesfälle als Mord erkannt wurde. Erst als David 1993 seine Vermieterin erwürgte, geriet er in das Blickfeld der Polizei. Zwar konnte der Verdacht nicht erhärtet werden, doch David wurden die Fingerabdrücke abgenommen und in das damals gerade eingeführte nationale Fingerabdruckidentifizierungs-System AFIS eingegeben. Dadurch konnte die Polizei dié Verbindung zu dem Prostituiertenmord in München 1975 herstellen.
Der Chefermittler der Münchner Mordkommission Josef Wilfling (der Autor des Bestsellers Abgründe)vernahm David stundenlang, wobei es ihm offenbar gelang, ein Vertrauensverhältnis zu dem unscheinbaren stillen Mann herzustellen. Und so entschloss sich David eine Lebensbeichte abzulegen und gestand nach und nach 7 Morde. Sehr zum Erstaunen der Ermittler, da ja 4 der Taten gar nicht als Morde erkannt worden waren. Tatsächlich vermuten die Ermittler, dass David noch mehr Opfer hatte, aber dies konnte nie nachgewiesen werden. David bestritt stets, dass die Morde sexuell motiviert waren, sondern behauptete von den Opfern provoziert worden zu sein. Die Ermittler vermuteten ein Motivmix aus Raub und sexueller Motiven.
David wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Der Film schildert den Fall in Form von Spielszenen und Interviews mit Zeugen und Ermittlern. Dazu kommen Zitate aus der Lebensbeichte, mit der David seine Taten schriftlich zugegeben hatte. Von den Zeugen ist natürlich der Ermittler Wilfling beeindruckend, der hier tiefe und spannende Einblicke in seine Arbeit und seine Verhörtechnik gewährt. Aber auch die Zitate aus der Lebensbeichte Davids lassen einen manchmal schaudern, wenn er völlig gefühlslos schildert, wie er alte Frauen tötete, die ihm vertrauten.
In den Spielszenen brilliert Ulrich Tukur als David. Er schafft es den Mörder in seiner Maske als leutseliger Biedermann und Kleinstadtfrauenheld darzustellen, der die Frauen so lange um den Finger wickelt, bis diese erkennen, dass David sie nur finaziell ausnutzen will. Dann lässt David die Maske fallen und wird zum wutverzerrten Mörder, der seine Opfer brutal erwürgt. Es ist eine große Leistung Tukurs, dies Wandlung so überzeugend darzustellen, dass dem Zuschauer schaudert. Dazu trägt auch die Regie bei, welche die Morde so brutal darstellt, wie sie wohl tatsächlich abgelaufen sind. Sicher kein Stoff für zarte Gemüter.
Der ständige Wechsel zwischen der ruhigen Erzählweise vor allem des Ermittlers Wilfling und den explosionsartigen Gewaltausbrüchen prägt den ganzen Film und hinterlässt einen tiefen Eindruck. Der Film ist kein spannender Thriller, entwickelt aber durch seine Erzählweise einen Sog, dem sich der Zuscher nicht entziehen kann.
Das einzige Manko des Films war für mich, dass die fehlerhaften Ermittlungen, die David so lange unentdeckt ließen, mit dem gnädigen Mantel des Schweigens zugedeckt wurden. Ansonsten ist der Film ein in dieser Sachlichkeit seltenes und sehr fundiertes Dokudrama,das einen seltenen Einblick in die Psyche eines Serienmörders gewährt. Dabei verfällt der Film weder in Sensationslust noch psychologisiert er übertrieben. Die polizeilichen Ermittlunge sind realitätsnah geschildert. Und allein schon Tukurs Darstellung des Biedermanns als Serienmörder lohnt den Kauf der DVD.