Die gute Nachricht zuerst: endlich gibt es eine ausführliche Biographie über den schillernden Soziopathen und Serienmörder Jack Unterweger. Die definitive Unterweger-Biographie - wie im oben angeführten Pressetext versprochen - ist es aber leider nicht geworden.
Wenn Jack Unterweger nicht ein realer Mensch gewesen wäre, hätte man so eine Lebensgeschichte nicht erfinden können, zu bizarr und unglaubwürdig wäre so ein Krimi geworden. Jack Unterweger, wegen eines Frauenmordes zu lebenslanger Haft verurteilt, entwickelte sich im Gefängnis zu einem Vorzeigehäftling und schrieb einige Romane, die recht erfolgreich wurden. Durch die Fürsprachen diverser Politiker und/oder Prominenter wurde Unterweger schon nach 15 Jahren im Jahr 1990 entlassen. Er war Liebkind der österreichischen Society und ein Vorzeigeobjekt gelungener Resozialisierung. Während er in seiner Funktion als Literat und Reporter Lese- und Recherchereisen unternahm, kamen an seinen Aufenthaltsorten reihenweise Prostituierte grausam zu Tode. Unterweger kam allmählich in Verdacht, wurde überführt und verhaftet. In der Nacht nach dem Gerichtsurteil erhängte er sich in seiner Zelle.
John Leake hat für "Der Mann aus dem Fegefeuer" anscheinend umfassend recherchiert und zahllose Gespräche geführt, in erster Linie mit den Ermittlern wie auch mit den Frauen, die Unterweger zeitweise begleitet haben. Von den letzten polizeilichen Ermittlungen und vom Prozess gab es offensichtlich besonders viel Material, diese Teile machen auch die komplette zweite Hälfte des Buches aus. Sehr spannend liest sich das nicht immer.
Gut gelingt dem Autor, Unterwegers diverse Beziehungen zu Frauen sowie seine narzisstische Psyche mit seinen zwei Gesichtern zu charakterisieren. Leider hat aber John Leake nicht darauf verzichtet, auch fiktionale, erzählende Teile in sein Buch aufzunehmen. ( Der Klappentext sagt: "..er erzählt eine wahre Geschichte, die so hätte gewesen sein können." Also was jetzt? Ist sie wahr oder hätte sie gewesen sein können?) Diese narrativen Passagen klingen recht hölzern und banal und rücken das Buch in manchen Teilen in die Nähe eines schlecht erzählten amerikanischen Serienkiller-Krimis.
Im Anhang gibt es immerhin noch ein lesenswertes Psychogramm Unterwegers durch den Gerichtspsychiater Dr.Haller, das so im nachhinein einige Handlungen des Täters erklärt.
Fazit: ein interessantes, aufwändig recherchiertes, nicht durchgehend spannendes Buch mit einigen konzeptionellen Schwächen.
Auf die ultimative Unterweger-Biographie müssen wir noch warten.