Die Geschichte spielt zur Weihnachtszeit 1945 in einer kanadischen Kleinstadt, wird aber ein Jahr später im Rückblick erzählt. -
Ein jüdischer Nachtwächter bei den öffentlichen Straßenbahnen wird nachts von einem Unbekannten mit einer Papiermaske überfallen. Tommy, der Held der Geschichte, ist der Freund des Nachtwächtersohnes und möchte den Überfall klären. Der Verdacht geht um, dass es sich um eine antisemitische Tat handelte.
Parallel zur Hauptgeschichte erfährt der Leser einiges über die Fantasien Tommys, der sich selbst für die Verkörperung des Radio-Superdetektivs Lamont Cranston, genannt „der Schatten", hält und seine angebetete Klassenkameradin für Lamonts Partnerin Margot Lane. Tommy geht täglich mehrfach über den „Angel-Square" (so auch der Originaltitel des Buches) zur Schule und nach Hause, genau wie viele andere. Allerdings gibt es drei Schulen: eine jüdische, eine irisch-katholische und eine für Frankokanadier. Auf dem Square kommt es dann entsprechend zu den reinsten Schlachten der Schüler der drei Schulen. Ob sich da allerdings in Wirklichkeit oder doch eher in der Fantasie Tommys die Massakriereien, Erwürgungen und anderen Gewalttätigkeiten abspielen, bleibt etwas unklar.
Über die Maske des Täters, auf der ein Firmenlogo zu lesen war, und über gewisse Zufälle gelingt es Tommy, den Täter auszumachen, der ein offensichtlich von Gewalt faszinierter, rassistischer Mensch ist. Er bleibt aber insgesamt eher diffus - ebenso diffus wie Tommys plötzlicher Einfall, für eine bessere Welt zu beten, in der es keine Ungerechtigkeit gibt.
Neben dem „roten Faden" der Kriminalgeschichte erfährt der Leser einiges über Tommys Familie, insbesondere über seine behinderte Schwester und die Art Weihnachten zu feiern, sowie über seine Freunde. Einen Zusammenhang zwischen diesen verschiedenen Inhalten kann man allerdings nur schwer erkennen.
Der Roman dürfte in erster Linie für Kinder der 5. und 6. Klassen (10 - 11 Jahre alt) geschrieben sein. Aber gerade für diese Altersgruppe ist er völlig ungeeignet. Er ist ein unzusammenhängendes Konglomerat von Teilen, die auch gar nicht zusammenpassen. Er verherrlicht in manchen Passagen geradezu Gewalttätigkeit, sodass der Leser wirklich überrascht ist, dass der "Held" auf Seite 142 für eine gerechte Welt betet.
Die Vorurteile gegen Minderheiten transportiert er einerseits selbst, wenngleich er an anderen Stellen versucht, diese als ungerecht darzustellen. Warum es zu Rassismus kommen kann, wird dem jugendlichen Leser in keiner Phase klar.
Hinzu kommt, dass der Leser vom Titel und Titelbild - Letzteres der beste Teil des Buches überhaupt - eine spannende Geschichte erwartet, wobei er allerdings enttäuscht wird. (Der Titel ist übrigens ziemlich unpassend und soll womöglich in Anlehnung an "Der Mann mit der eisernen Maske" den ein oder anderen Käufer, der die Filme nach Motiven von Dumas mit Richard Chamberlain oder Leonardo di Caprio in der Hauptrolle gesehen hat, dazugewinnen.)
Schließlich ist die Geschichte auch schlecht erzählt. Mag sein, dass dies auch an der Übersetzung liegt, denn offensichtlich hat die Übersetzerin Probleme mit dem deutschen Konjunktiv und der deutschen consecutio temporum. Aber auch einige Bilder, Vergleiche und Metaphern sind schlicht nicht stimmig und tragen sicherlich nicht zu einem besseren Verständnis der Kinder für die Sprache bei.
Für das Geld gibt es eine Menge bessere Bücher.