Anthony Manns Western sind bedächtig und gewaltig. So auch "Der Mann aus Laramie", den Mann 1955 mit Jimmie Stewart in der Hauptrolle drehte. Stewart ist für mich einer der größten Schauspieler aller Zeiten, strahlt er doch wie kein zweiter eine Art einfacher und aufrechter Anständigkeit aus, die wir alle, wenn nicht selbst gern hätten, so doch in unseren Mitmenschen wiederfinden würden.
Auch hier spielt Stewart einen solchen redlichen und geradlinigen Mann. Will Lockhart steht der Sinn nach Rache an den Mördern seines jüngeren Bruders, der von Apachen erschossen worden ist. Lockhart kommt nun in die kleine Stadt Coronado, um hier den Mann aufzuspüren, der den Indianern illegalerweise die Gewehre verkauft hat, mit dem sie den Überfall auf die Armeepatrouille verübten, bei dem sein Bruder ums Leben kam. Er macht dort die Bekanntschaft der Ladenbesitzerin Barbara Waggoman (Cathy O'Donnell), die ihm in prägnanter Westerndiktion eröffnet: "Coronado is a one-man-town, and the man is Alec Waggoman", womit sie ihren Onkel, einen steinreichen Rancher, meint, der der größte Grundbesitzer vor Ort ist. Kurz darauf gerät Lockhart auch schon mit Dave (Alex Nicol), dem Sohn Waggomans, aneinander. Schlimmeres wird nur durch Vic Hansboro (Arthur Kennedy), den Vorarbeiter Waggomans, verhindert, der - so muss Lockhart wenig später feststellen - mit Barbara verlobt ist. Entgegen den Warnungen Hansboros und anderer Stadtbewohner beschließt Lockhart, in der Stadt zu bleiben, und nimmt schließlich eine Stelle als Vorarbeiter auf der Ranch Katie Canadays (Aline MacMahon), der ehemaligen Verlobten und jetzigen Konkurrentin Waggomans, an. Vor allem der impulsive Dave fühlt sich durch die Anwesenheit Lockharts herausgefordert, und auch Lockharts Suche nach den Hintermännern des Waffenhandels mit den Indianern tut ein übriges, um beide Seiten in eine Auseinandersetzung auf Leben und Tod geraten zu lassen.
Manns Western ist vor allem spannungsgeladen, weil die sehr differenzierten Charakterzeichnungen ein eindeutiges Gut-Böse-Schema nicht erlauben. So ist Alec Waggoman nicht der typische böse Rinderbaron, denn der langsam erblindende alte Mann ist zwar ein knallharter Geschäftsmann, lehnt es allerdings ab, zur Durchsetzung seiner Mittel zu verbrecherischen Machenschaften zu greifen. Dennoch machen ihn seine Leidenschaft und seine vorbehaltlose Liebe zu seinem Sohn ungerecht, vor allem gegenüber Hansboro, den er mit seinem Lohn für den von Dave angerichteten Schaden an Lockharts Eigentum büßen lässt. Er verlangt von seinem Vorarbeiter, Dave daran zu hindern, Dummheiten zu machen, lässt aber gleichzeitig keinen Zweifel daran, dass Hansboro trotz all der Achtung, die Alec vor ihm hat, niemals auf seine volle Loyalität wird zählen können, wenn dies der Sache seines Sohnes schadete. Auch Dave und Hansboro sind nicht die typischen Western-Schurken; ihr Kampf um die Anerkennung Alecs bringt sie dazu, eine Tragödie heraufzubeschwören.
Diese differenzierte Zeichnung der Figuren und die ereignisreiche, verwickelte Handlung machen "Der Mann aus Laramie" zu einem wirklich sehr empfehlenswerten Western, der eigentlich eine sehr tragische Figur - um nicht zuviel vorwegzunehmen, werde ich nicht deutlicher - in den Mittelpunkt rückt.
Der deutsche Ton mag nicht überwältigend sein, aber die englische Tonspur ist nicht zu beanstanden.
Alles in allem gehört "Der Mann aus Laramie" einfach in jede gute Westernsammlung.