Nach den harten und problembehafteten Produktionen von "Blade Runner" und "Legende" gönnte sich Regie-Legende Ridley Scott 1987 den deutlich weniger aufwändigen Thriller "Der Mann im Hintergrund". Es kam ein sehr interessanter, wenn auch oft formelhafter "High-Concept-Thriller" heraus, der vor allem durch die für Scott typisch herausragende Atmosphäre, den loungigen Soundtrack und seine guten Darsteller überzeugt. Wie auch seine anderen Filme (mit Ausnahme von "Alien") war "Der Mann im Hintergrund" ein kommerzieller Flop und ist auch heute noch eher unbekannt und hat sich nicht zum Kultfilm entwickelt.
Der Film handelt von einem in einfachen Verhältnissen lebenden verheirateten New Yorker Cop (Tom Berenger), der eine wohlhabende Mordzeugin aus Manhattan (Mimi Rogers) beschützen soll und sich in sie verliebt. Die Story ist wirklich in einem Satz zu beschreiben und ist sicher nicht die große Stärke des Films.
Auch wenn die Handlung vorhersehbar und die Charaktere etwas klischeehaft sind, ist es besonders die Interaktion zwischen ihnen, die den Film über den Durchschnitt hebt. "Der Mann im Hintergrund" ist nämlich ungewöhnlich stark charakterorientiert, es liegt, akzentuiert durch die tolle Atmosphäre, eine romantische Stimmung über dem Film. Der Film bietet zwar Thrills, Fokus aber bleibt stets auf den zwischenmenschlichen Beziehungen.
Tom Berenger, der in den 80ern ziemlich groß im Geschäft wahr, verkörpert die Hauptfigur überzeugend und mit Stil und auch Mimi Rogers überzeugt als High Society Dame. Die Show kriegen beide aber von Lorraine Bracco gestohlen, die Berengers Ehefrau mimt. Sie hat schauspielerisch am meisten zu tun, sie ist eine toughe Ex-Polizistin, Ehefrau und Mutter, eine für die Zeit recht ungewöhnlich stark geschriebene Frauenfigur. Starke Frauen fanden sich natürlich später auch eindrucksvoll in Scotts "Thelma & Louise" wieder. Als Bösewicht wurde Andreas Katsulas (Der Einarmige aus "Auf der Flucht") besetzt, der allerdings nicht viel zu tun hat, außer böse und bedrohlich zu sein und schlecht gelaunt auszusehen.
Alles in allem ist "Der Mann im Hintergrund" (OT: Someone to Watch Over Me") ein eher ungewöhnlich Film in Scotts Filmografie, etwas unspektakulär und glatt, aber dennoch gelungen. Das liegt auch am tollen Einsatz der New Yorker Locations, die dem professionell inszenierten Streifen eine wundervolle Stimmung verleihen. Scott setzt bei den hypnotisierenden Nachtszenen wie immer viel Rauch und ominöses blaues Licht ein, wodurch der Film oft an ein sehr schickes Musikvideo erinnert. Der eindringliche Soundtrack (U.a. Sting, Roberta Flack, Stevie Winwood und Opernstücke) unterstreicht die Stimmung perfekt.
"Der Mann im Hintergrund" ist also durchaus eine kleine Perle, die Freunden von stilvoller Unterhaltung ans Herz zu legen ist.