CHINA das klingt noch immer wie ein Versprechen der besonderen Art, ein Geschmack von Sternanis und Seide liegt auf der Zunge und wir sehen Paläste und den mächtigen Kublai Khan dort thronen. Doch wer gab uns das Wissen um das Reich der Mitte? Das Buch DER MANN, DER CHINA LIEBTE von Simon Winchester entführt uns in die Welt des exzentrischen Engländers Joseph Needham, welcher im 20. Jahrhundert mit umfangreichem Wissen von Forschungsreisen zurück kam und diese auch noch spannend und informativ aufzubereiten wusste. Seine Berichte zum Reich der Mitte, die Projekte und Personen haben unser Bild von China entscheidend mitgeprägt.
Mit wie viel Enthusiasmus hat sich dieser Mann Namens Joseph Needham in die chinesische Sprache eingelesen und sie von der Pike auf gelernt. Obwohl er schon fast 40 Jahre war und die Aufnahmefähigkeit des Gehirns für Sprache in diesem Alter zurück geht. Er war ein Exzentriker, ein Sozialist, Nudist und schräger Vogel, dennoch distinguiert und gebildet wie wohl kein zweiter.
Die Lebensgeschichte und die ersten Jahre Joseph Needhams lesen sich spannend und es ist schön zu sehen, dass man noch so viel aus einer an und für sich privaten Zeit in Erfahrung bringen konnte. Besonders hervorzuheben ist der Schreibstil des Autoren Simon Winchester der elegant und doch im privaten Plauderton eine Anekdote und Geschichte nach dem anderen aus dem Hut zaubert und wie eine Perlenkette aneinanderreiht.
Vielfach hat man das Gefühl Joseph Needham war so etwas wie ein Indianer Jones, denn er brach zu einer Zeit nach China auf, als nahezu niemand wirklich wusste was er vom Reich der Mitte zu halten hatte. Als Wissenschaftsoffizier war er Verbindungsmann zwischen der britischen Regierung und China und sein Gebiet, die Erforschung des Wissens im Zielland widmete er sich eingehend und sofort.
Joseph Needham hatte einen großen Vorteil, er liebte China und die Sprache über alles und war neben seiner Frau mit einer Chinesin sehr eng befreundet. Vielleicht ging diese Freundschaft dann auch schon etwas konkreter in Liebe über, doch seine Frau schien dies alles zu tolerieren.
Das Buch beschäftigt sich mit den Reisen von Joseph Needham und dem Wissen das er daraus zusammentrug, Tausende von Seiten und unzählige Bände füllt dies und es hat unser Wissen und unseren Blick auf China grundlegend geändert und mitgeprägt.
Was haben die Chinesen in ihrer langen Geschichte schon alles erfunden, grandios, wie beispielsweise Impfungen, Lacke, die Destillation, Düngemittel, topografische Karten und den magnetischen Kompass. Alles weit vor den Kulturen in Europa und Übersee. Da mag es natürlich wie ein Witz erscheinen, das die heutigen Chinesen wie wild alles kopieren und Patente stehlen, wo sie sich doch auf eine so glorreiche Vergangenheit berufen können.
Das Buch DER MANN, DER CHINA LIEBTE von Simon Winchester ist eine gelungen Mischung aus Reisebericht, romanhafter Erzählung und Sachbuch - für Chinakenner und Liebhaber des Reichs der Mitte wird es viel Informatives und Interessantes bieten - ein echter Glücksgriff.
Sehr empfehlenswert!