Deutschen Lesern ist Jim Thompson erst in den 80er-Jahren ein Begriff geworden, als der Ullstein-Verlag einige seiner Romane veröffentlichte. Zu dieser Zeit war Thompson schon tot - vergessen, verbittert und verarmt war Thompson nach mehreren Schlaganfällen verhungert.
Nun gibt es eine neue Gelegenheit, einige der besten Romane Thompsons kennen zu lernen. Diesen Thriller hat Thompson damals in zwei Wochen für 2.0000 Dollar geschrieben. Er beschreibt darin die Innenansicht eines Mörders: der Ich-Erzähler Lou Ford mordet sich durch eine Kleinstadt, in der ihm fast jeder vertraut, ihm, dem sympathischen und menschenfreundlichen Deputy-Sheriff mit Herz, der immer Spruch parat hat.
Einige der Gewalttaten sind so detailliert geschildert, dass man sich dabei ertappt, wie man sie immer wieder liest, weil man nicht glauben kann, dass jemand das wirklich getan, geschrieben hat.
Die Stärke des Buches liegt in der Sprache Jim Thompsons: wie er die Rolle beschreibt, die Lou Ford spielt, der Mörder, wie er sich naiv stellt, während er überlegt und sich Taktiken ausdenkt, wie er sich aus den Beweisen winden kann. Dieser Einblick in die Gedanken eines intelligenten Mörders sind faszinierend - und immer wieder auch witzig, wenn sich Lou Ford z.B. fragt, 'warum kamen sie immer zu mir, um sich abmurksen zu lassen? Konnten sie nicht zur Abwechslung mal versuchen, sich selber umzubringen?'
Kein reines Vergnügen ist leider die Übersetzung, die so norddeutsch ist, dass es süddeutschen Ohren weh tut: Worte wie 'kippelig' oder 'Kabbelei' lassen vielleicht auch Thompson im Grab rotieren. Von diversen Grammatikfehlern gar nicht zu reden.
Trotzdem: ich habe mir bereits die anderen neu aufgelegten Thompson-Romane besorgt! Das können auch die schlechtesten Übersetzerinnen nicht verhindern. Greifen Sie zu, bevor die Romane von Thompson wieder für Jahre verschwinden!