Auf 2 Säulen beruht der Erfolg von Andrea Camilleri: Auf seinen Krimis mit Commissario Montalbano und aus seinen, ebenfalls in Sizilien angesiedelten, mehr oder weniger auf persönlichen und historischen Tatsachen beruhenden Romanen (zB "Jagdsaison"; "Die sizilianische Oper"...) Die letzteren Werke scheinen im deutschen Sprachraum weniger gut anzukommen als die Montalbano-Krimis. Zu Unrecht, wie ich meine; ich halte diese Romane sogar für Camilleris Meisterwerke.
So auch "Der Märtyrer im schwarzen Hemd": Sizilien nach dem 1. Weltkrieg; wir schreiben das Jahr 1921. Jeder kämpft gegen jeden; fast jeder (Mann) ist bewaffnet: "Faschisten gegen Kommunisten/Sozialisten" lautet die Devise.
3 Faschisten wollen einen kommunistischen Arbeiter verprügeln. Dabei löst sich ein Schuss, einer der 3 Faschisten stirbt daran. Nur: Die Kugel, die den Tod herbeiführte, stammt nicht aus der Pistole des Arbeiters. Wer ist nun der Mörder?
Nun beginnt ein entlarvendes Intrigenspiel, dem man nur staunend folgen kann und das letztlich hochpolitisch ist. All das ist (wieder) verbunden mit der Biografie des Autors.
Herausgekommen ist ein herrlicher, intelligenter, sehr - trotz des Mordes - humorvoller sizilianischer Roman, bei dem einem allerdings manchmal das Lachen in der Kehle steckenbleibt!
Leider nur 5 Sterne möglich!