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Der Luzifer-Effekt: Die Macht der Umstände und die Psychologie des Bösen [Gebundene Ausgabe]

Philip G. Zimbardo , Karsten Petersen
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Kurzbeschreibung

15. Juli 2008
Was bringt gute Menschen dazu, Böses zu tun? Wie können normale Menschen dazu verleitet werden, unmoralisch zu handeln? Wo liegt die Grenze zwischen Gut und Böse, und wer läuft Gefahr, sie zu überschreiten? Der renommierte Sozialpsychologe Philip Zimbardo erläutert in seinem neuen Buch Der Luzifer-Effekt, wie wir alle für die Verlockungen "der finsteren Seite" anfällig sind – und die unzähligen Gründe dafür. Anhand historischer Beispiele sowie seiner eigenen bahnbrechenden Forschungen führt er detailliert aus, wie situative Kräfte und gruppendynamische Prozesse zusammenwirken können, um aus anständigen Männern und Frauen Ungeheuer werden zu lassen. Zimbardo ist vielleicht am besten bekannt als der Kopf hinter dem Stanford Prison Experiment, einem Meilenstein der psychologischen Forschung. Hier erzählt er, zum ersten Mal und in fesselndem Detail, die ganze Geschichte dieser Studie, in der eine Gruppe freiwilliger Studenten zufällig in „Wärter“ und „Häftlinge“ aufgeteilt wurde, um dann in einem simulierten Gefängnis zu arbeiten und zu leben. Innerhalb einer Woche musste das Experiment abgebrochen werden, da normale Studenten sich in brutale, sadistische Wärter oder emotional gebrochene Gefangene verwandelt hatten. Indem er die psychischen Ursachen solcher verstörenden Metamorphosen analysiert, versetzt Zimbardo den Leser in die Lage, vielerlei entsetzliche Phänomene besser zu verstehen, von Straftaten der Wirtschaftskriminalität über organisierten Völkermord bis hin zu den Misshandlungen und Folterungen, die ursprünglich rechtschaffene US-amerikanische Soldaten in Abu Ghraib begangen haben. Die landläufige Vorstellung vom „faulen Apfel“ ersetzt er durch das Bild vom „bösen Fass“ – also der Hypothese, dass das soziale Umfeld und das System das Individuum pervertieren, und nicht etwa umgekehrt. Dieses Buch wagt es, der Menschheit einen Spiegel vorzuhalten, der zeigt, dass man vielleicht nicht der Mensch ist, für den man sich halten mag. Es zwingt uns zu hinterfragen, welcher Untaten wir – gefangen im Schmelztiegel der Verhaltensdynamik – fähig sein mögen, doch Zimbardo weckt auch neue Hoffnung: Er ist überzeugt, dass man nicht nur dem Bösen widerstehen, sondern gar selbst heroisches Verhalten entwickeln kann. Der Luzifer-Effekt ist eine schockierende und fesselnde Studie, die unsere Sicht des menschlichen Verhaltens verändern wird.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 504 Seiten
  • Verlag: Spektrum Akademischer Verlag; Auflage: 2008 (15. Juli 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827419905
  • ISBN-13: 978-3827419903
  • Größe und/oder Gewicht: 17,1 x 24,1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 262.340 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Er ist der Vater des legendären Stanford Prision Experiment von 1971. In dem spektakulären Rollenspiel wurden damals aus ganz normalen Studenten brutale Aufseher. Mehr als 30 Jahre später und nach intensiver Forschungsarbeit erklärt Philip Zimbardo in Der Luzifer-Effekt, was anständige Menschen dazu bringt, sich in sadistische Quäler zu verwandeln.

"Die Gefangenen haben zu schweigen während der Ruhezeiten... Sie müssen zu den Essenszeiten und nur dann essen... Jeder Verstoß gegen Vorschriften kann bestraft werden." Die Gefangenen erhalten Nummern und müssen zu Zählappellen antreten. Es ist ein rigides Regime von Vorschriften. Autoritäres Verhalten der Wärter wird vom Leiter des Experiments gelobt. Verstöße werden mit der Haft in der Isolierzelle geahndet, einer den Zellen gegenüber liegenden Abstellkammer, die "das Loch" genannt wurde. Für die Wärter schließlich gab es Trillerpfeifen, Schlagstöcke und trendige Sonnenbrillen. Es sei, so der Autor, "faszinierend, wie der Zweck der Appelle sich allmählich vom Rekapitulieren und Aufsagen der Häftlingsnummern zur Demonstration der totalen Macht der Wärter über die Häftlinge entwickelt." Die Situation entgleist schließlich und muss abgebrochen werden. Allerdings nicht auf die Initiative des Versuchsleiters hin. Zimbardo muss erst von einer damaligen Doktorandin, seiner späteren Ehefrau, gedrängt werden, so sehr hat er sich schon in einen eigenen Machtrausch gesteigert.

Der Erfinder des vielleicht berühmtesten sozialpsychologischen Experiments der Welt schreibt aus der Ich-Perspektive im Stile einer Reportage. Das ist anschaulich und gut verständlich. Das Stanford Prison Experiment nimmt so Gestalt an: die Gestalt seines Erfinders und Leiters bzw. die der Teilnehmer. Es wird nur allzu deutlich: Wir alle können zu hilflosen Opfern oder willigen Vollstreckern werden - je nach dem, welcher Gruppe wir in einem solchen Experiment zugeteilt werden.

Seine besondere Sprengkraft entwickelt dieses Buch durch die kontinuierliche Bezugnahme auf das berühmt-berüchtigte Abu-Ghraib-Gefängnis in Bagdad, in dem Wärter die Gefangenen auf sadistische Weise quälten. Der Autor hat die Umstände der dortigen Exzesse für die US-amerikanische Regierung als Gutachter untersucht. Neben der Dokumentation und Analyse der Ereignisse erläutert Zimbardo hier auch, wie sich derartige Eskalationen verhindern lassen. Ein aktuelles und wichtiges Werk - wissenschaftlich, kenntnisreich, mit unerbittlicher Schärfe. -- Dr. Stefan Rusche, Literaturtest

Pressestimmen

"Dieses bedeutende und brisante Buch offenbart verstörende Wahrheiten; über physische und psychische Gewalt, über Misshandlungen und Folter, über Kriegsverbrechen und Massenmorde - und über die Menschen, die sie ausführen, anordnen, ermöglichen oder zulassen. Philip Zimbardos These: Nicht die Veranlagung bringt gute Menschen dazu, Böses zu tun, sondern die Situation, in der sie sich befinden oder in die man sie versetzt. (...) Bei aller Beklemmung, die die Lektüre dieser ungemein detailreichen Studie unweigerlich auslöst, öffnet das Buch aber auch ein Fenster der Hoffnung: So wie man Situationen schaffen kann, die Menschen zum Bösen zu verführen, so können auch Zivilcourage und heldenhaftes Verhalten durch geeignete Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Weichenstellung gefördert werden. www.literatur-report.de - Juli 2008 "Jeder Mensch ist potenziell ein Gewalttäter und in jedem von uns steckt ein Teufel; aber nicht die Veranlagung bringt den Menschen dazu, Böses zu tun, sondern die Situation, in der er sich befindet oder in die er versetzt wird, lautet Zimbardos provozierende These. Anhand historischer und aktueller Beispiele sowie eigener Forschungen zeigt der renommierte amerikanische Sozialpsychologe im Detail, wie gruppendynamische Prozesse, situative Kräfte und das soziale Umfeld zusammenwirken können, um aus anständigen Bürgern Folterknechte und Mörder zu machen. (...) Auch die Mittäterschaft politischer und militärischer Entscheidungsträger arbeitet er deutlich heraus. Eine hochbrisante Studie, die bereits viel Beachtung in den Medien gefunden hat." ekz-Informationsdienst - Januar 2009 "Ein fesselnder, gleichwohl erschreckender Blick auf unsere dunkle Seite ... Für alle, die sich fragen, wie Böses entsteht und bekämpft werden kann." emotion "Er schildert in seinem Buch detailliert, wie in beiden Fällen Machtstrukturen und Befehlsketten zu den Misshandlungen geführt haben - eine Reise in Herz und Gehirn der Finsternis." www.focus.de "In seinem Buch zeigt er (...) den Zusammenhang von Individuum, Gruppe und Kultur in der Erschaffung des Bösen. (...) Aber Zimbardo warnt auch vor Vorurteilen und Abwehrmechanismen, mit denen er, mit denen wir alle, zu tun haben." (dradio.de) "Professor Zimbardo verdient einen tief empfundenen Dank für die Freilegung und Beleuchtung der dunklen, verborgenen Ecken der menschlichen Seele. Sein Buch ist nicht immer eine ermutigende Lektüre. Doch er bestätigt, dass es zu den entscheidenden Herausforderungen der menschlichen Existenz gehört, sich selbst kennenzulernen". (Vaclav Havel) "Eine beeindruckendes Stück Forschung zur Natur des Bösen und den Systemen und Situationen, die es nähren." (Observer) "Alle Politiker und gesellschaftlichen Berichterstatter sollten dieses Buch lesen ... Keine erfreuliche Lektüre für diejenigen, die überzeugt sind, dass wir als Individuen moralisch autonom sind ... Der Luzifer-Effekt ist ein wichtiges Buch." (Sunday Times) "Das letzte Kapitel ist ein Juwel. Nahtlos zeigt Zimbardo hier, wie die gleiche Sozialpsychologie, die unsere übelsten Instinkte ausnutzt, sich so umgestalten lässt, dass sie das Beste in uns hervorbringt ... Dieses wichtige Buch sollte Pflichtlektüre nicht nur  für Sozialwissenschaftler sein, sondern auch für Politiker, Entscheidungsträger und Erzieher." (American Scientist) zahlreiche weitere Rezensionen zum englischen Original: siehe www.lucifereffect.com ein New York Times-Bestseller

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Kundenrezensionen

4.4 von 5 Sternen
4.4 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Interessant, aufklärend, erschreckend 26. Februar 2009
Von Amarczon
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Philip Zimbardo ist Professor emeritus der Psychologie, und lehrte an der Yale Universty, der New York University, der Columbia University und der Stanford University. Außerdem war er Präsident der American Psychological Association. In seiner Arbeit beschäftigte er sich für viele Jahre mit der "Psychologie des Bösen", wobei er das Modell der systemischen Faktoren, anstelle der individuellen Dispositionen weiterentwickelte, die Ursache des Bösen also nicht in einer Persönlichkeitsstörung des Einzelnen, sondern in Umständen und Einflüssen der jeweiligen Situation suchte. Dieses Modell möchte er dem Leser in dem vorliegenden Buch "Der Luzifer-Effekt" näher bringen.

Größere Bekanntheit erlangt Zimbardo durch sein Standord Prison Experiment aus dem Jahr 1971, auf dem, in deutlich entstellter und veränderter Form, auch der deutsche Film "Das Experiment" beruht. Verschiedene Studenten wurden in einem simulierten Gefängnis zufällig als Wärter oder Häftlinge eingeteilt. Auf diese Weise wollten Zimbardo und sein Team untersuchen, welche Einflüsse die Situation, das System Gefängnis, auf diese Studenten haben würde. Dieses Experiment musste nach knapp fünf Tagen abgebrochen werden, da es völlig aus dem Ruder lief: Wärter misshandelten Gefangene, Gefangene brachen unter dem Druck zusammen - Ein Paradebeispiel dafür, dass Böses in jedem Menschen schlummert und durch die entsprechende Situation hervorgerufen werden kann.
Nach zwei Einleitungen, einer für die deutsche Ausgabe des Buches und einer für die amerikanische Originalausgabe, erzählt Zimbardo im ersten Drittel des Buches die ganze Geschichte des Stanford Prison Experiments in chronologischer Abfolge aus der Sicht eines außen stehenden Beobachters. Die erste Hälfte des Buches wird durch die folgenden Kapitel komplettiert, in denen er die Schlussfolgerungen und Erkenntnisse des Experimentes ausführlich erläutert.
Die zweite Hälfte des "Luzifer-Effekts" beschäftigt sich mit der sozialen Dynamik in realen Systemen, im Gegensatz zum simulierten System im Stanford Prison Experiment, wobei hier in erster Linie das Beispiel der Misshandlungen von Gefangenen im irakischen US-Militärgefängnis Abu Ghraib durch Soldaten der US-Armee herangezogen wird, das enge Parallelen mit den Beobachtungen im Stanford Prison Experiment zeigt. Zimbardo diente 2004 als Sachverständiger im Kriegsgerichtsverfahren gegen die ehemaligen Wärter des Gefängnisses, und ist somit sehr gut mit der Materie vertraut.
Zum Abschluss des Buches folgt ein kurzes Kapitel über die "Banalität des Heldentums", das zeigen soll, wie Menschen, wenn sie den situativen Umständen widerstehen, durch einfache Handlungen zu Helden werden können.

Ziel des "Lufizer-Effekts" ist es, dem Leser das Modell der situativen Dynamik näher zu bringen. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass Menschen, die etwas Schreckliches tun, eine schlechte Veranlagung oder eine Persönlichkeitsstörung haben müssen. So ist fast jeder der Meinung, dass er sich niemals an einem Völkermord oder der Folterung eines anderen Menschen beteiligen könnte. Philip Zimbardo stellt diesem Modell der individuellen Disposition das Modell der situativen Dynamik entgegen. Dieses besagt, dass jeder Mensch zu solchen Gräueltaten fähig ist, wenn entsprechende Umstände vorliegen. Diese Behauptung untermauert er im vorliegenden Buch mit verschiedenen Beispielen und Experimenten. Und auch wenn die meisten Menschen diese Erkenntnis, dass sie selbst unter entsprechenden Bedingungen zu solchen Taten fähig wären, nicht sonderlich gut gefallen dürfte, sprechen die hier angeführten Beweise eine recht klare Sprache.

Obwohl es sich bei "Der Luzifer-Effekt" um ein Sachbuch handelt, ist es so gut geschrieben, dass auch ein Laie der Psychologie keine Probleme mit dem Verständnis haben sollte, und ist somit für Jeden zu empfehlen, der sich mit dem Thema der "Psychologie des Bösen" beschäftigen möchte.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erst denken, dann handeln 11. März 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch zu lesen, war nicht nur spannend, es hat mir auch sehr viel über mich selbst verraten.
Die Einstellung, die Gesellschaft würde einige "faule Äpfel" hervorbringen, die dann Böses tun, während die meisten von uns aber gute Menschen sind, ist natürlich sehr bequem.
Dieses Buch erklärt und belegt uns, dass dies jedoch nur die halbe Wahrheit ist.
Die Macht der Umstände, sozialen Verhältnisse und der Obrigkeit wird einmal mehr zu einer Macht, die auch den Anstoss zu bösen Taten liefert. Jeder von uns kann in bestimmten Situationen (wie natürlich Kriegen) die schlimmsten Seiten des Menschen zeigen.
Dennoch ist jeder von uns dazu fähig, gleichermaßen den Weg des Guten oder Bösen zu beschreiten, was keine einmalige Entscheidung ist, sondern eine, die immer wieder auf's Neue getroffen werden muss.
Zimbardo zeigt uns daher auch die guten Seiten auf, und appelliert an den Leser, dass jeder von uns ein "Held in Wartestellung" ist.
Schon die Auseinandersetzung mit einer Situation kann dem Menschen daher helfen, den richtigen Weg zu beschreiten. Zimbardo ruft eigentlich dazu auf, sein Handeln und die jeweilige Situation in der man steckt, gründlich zu reflektieren, bevor man handelt.
Das Buch ist sehr gut aufgebaut und es ist sehr aufschlussreich, zu lesen, wie leicht der Mensch zu manipulieren ist.
Interessant ist auch die Stanford Prison Studie, auf die ausführlich eingegangen wird.
Wer den Film "Das Experiment" kennt, weiß schonmal worum es geht, denn die BASIS für diesen Film (der natürlich vieles filmgerecht verfälscht darstellt) war das Experiment Zimbardos.
Der Autor schreibt mit einer Begeisterung für sein Fach, und gesteht sich selbst auch seine eigenen Fehler ein, was das Buch und die Erzählung sympatisch macht.
Seit ich es gelesen habe, hab ich mich schon häufig dabei ertappt, wie ich mir in bestimmten Situationen dachte: "Vielleicht sollte ich erstmal darüber nachdenken, eh ich handele!"
Ein sehr aufschlussreiches Buch, dass den Leser z. T. in die dunklen Tiefen der menschlichen Seele führt und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt in Bezug darauf, dass nicht jeder dazu fähig ist, anderen Menschen Leid zuzufügen.
Wärmstens zu empfehlen, besonders Menschen, die bereit sind, mehr über das "eigene Böse" zu erfahren und ebenso bereit sind, etwas dafür zu tun, den "guten Weg" des schlummernden Helden beschreiten zu können.

Aufgrund des sehr menschlichen, gut verständlichen, aber fesselnden Schreibstils, der ausserordentlichen, sorgfältig aufbereiteten Thematik, die einem ausserdem einen neue Perspektive und Sichtweise eröffnet, erhält das Buch von mir die volle Punktzahl!
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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von L. Fuhs
Format:Gebundene Ausgabe
Ich glaube, dieses Buch ist aus mindestens drei Gründen bisher sehr beliebt gewesen:
1.) Es handelt, grob gesagt, von der dunklen Seite der menschlichen Natur, von Grausamkeiten, Morden und anderen Gewalttaten, die in schockierendem, aber faszinierendem Detail analysiert werden,
2.) Es ist sehr ehrlich geschrieben und beschönigt eigentlich nichts,
3.) Es lässt sich relativ leicht lesen und man braucht als Leser eigentlich keinerlei Vorkenntnisse, das heißt, im Prinzip ist das Buch für jeden geeignet, der an der "Psychologie des Bösen" interessiert ist.

Diesen drei Gründen schließe ich mich auch voll und ganz an.

Es hat etwas außerordentlich Fesselndes, so tief in die dunklen Bereiche des menschlichen Wesens gezogen zu werden. Der Autor schreckt vor nichts zurück, im Gegenteil- nach einer kurzen Einleitung werden auch schonungslos Beispiele ausgelistet, wie grausam der Mensch sein kann: Die Vergewaltigungen in Rwanda und Nanking, die Misshandlungen im Abu Ghraib Gefängnis und deren Parallelen zum Stanford Prison Experiment, einem Experiment mit Menschen, das der Autor selbst geleitet hat und in diesem Buch ausführlich erläutert.
(So ist es auch im Nachhinein weniger verwunderlich, dass ich damals in der Bücherei das Buch nicht ausleihen durfte- ich war noch nicht volljährig!)

Jedoch gibt es auch manches, was gegen das Buch spricht:
1.) Der Untertitel "How Good People Turn Evil" ist eigentlich eine Verallgemeinerung, die in die Irre führen kann. Das Buch behandelt zum großen Teil das Stanford Prison Experiment, seine Ergebnisse und Analysen, nicht "das Böse allgemein". So gesehen ist das Buch um dieses Experiment herum aufgebaut - und eher weniger um "alltägliche" Gewalt etc. (das wurde in den bisherigen Rezensionen auch schon angesprochen).
2.) Der Inhalt ist (auch das wurde erwähnt) relativ lang geraten. Mit 42 Zeilen pro Seite und einer gefühlten Schriftgröße von 7 (in der englischen Ausgabe) kann es recht anstrengend sein, lange darin zu lesen; vor allem, wenn es manchmal extrem grausam wird (ich persönlich musste Pausen während des Lesens machen).

Neben dem optisch und emotional gestalteten Inhalt noch ein paar Worte zum sachlichen Inhalt:

Meiner Meinung nach wirkt Zimbardos Werk so, als sei es um eine einzige Botschaft herum konstruiert worden: "Das eigentlich Böse liegt in der Situation und nicht im Menschen." Er wirkte in seinem Schreibstil fast so, als wäre er besessen von dieser Idee. Als hätte er Angst, dass man nach dem Durchlesen seines Buches immer noch denkt, dass es "gute" und "böse" Menschen gäbe. Er drängt seine Leser regelrecht auf diese Situations-Philosophie - das kann eine neue Perspektive für manche sein, für andere aber auch bekannt sein.

Der Reiz des Buches liegt wohl für viele in den verblüffend grausamen Verhaltensweisen der Teilnehmer des Stanford Prison Experimentes, und die Gründe, die der Autor dafür bietet. Andererseits aber gibt es, außer des situativen Faktoren (Erwartungen des Versuchsleiters, emotionale Abstumpfung in einer Umgebung ohne Tageslicht und mieser Hygiene, usw.), kaum etwas Anderes, das erläutert wird.
Auch sind die Ergebnisse des Experimentes nicht allzu verblüffend, wenn man erst einmal weiß, was zehn Jahre vorher bei Milgram passiert ist- nämlich im Prinzip das Gleiche.

Wichtig ist aber, dass der Film "Das Experiment" das Buch nicht ersetzt- Das Buch ist realistischer und ehrlicher. Der Autor des Buches hatte sogar mal gegen den Untertitel "Auf wahren Begebenheiten beruhend" geklagt... Man sollte also, wenn man das Experiment wirklich kennen lernen will, das Buch lesen und nicht den Film ansehen.

Also, zusammenfassend sei gesagt:
"The Lucifer Effect" ist geeignet für alle, die sich für das Stanford Prison Experiment interessieren (es wird auf ungefähr 326 von 489 Seiten analysiert, interpretiert und auf Abu Ghraib übertragen).
Sehr ausführliche Berichte darüber und die Moral, wie man der plötzlichen Gewalt entgegen kommen kann, machen das Buch lesenswert. Man lernt auf jeden Fall etwas und da das Buch eher wie eine Erzählung wirkt als eine sachliche Studie, lässt es sich auch gut lesen.

Das Buch bekommt von mir drei Sterne.
Drei bekommt es wegen der Faszination, die ausgelöst werden kann, wegen des Schreibstils, der im englischen (und im deutschen) nicht zu kompliziert ist, und wegen der Moral, die am Schluss sehr schön ergänzend zum Thema wirkt (was wäre auch eine Analyse ohne Konsequenz?)
Zwei Sterne Abzug dafür, dass der Inhalt recht stark aufgebläht wurde und hätte gekürzt werden können - und dafür, dass der Titel verallgemeinert ist; das ist eigentlich ein Fehler, der einem Wissenschaftler nicht passieren sollte, wenn er ein so spezielles Experiment selbst leitet und es dann so allgemein im Titel "auswertet".

Die grausame Seite des Menschen kann wirklich sehr faszinierend sein- es kommt nur darauf an, welche Erwartungen man an dieses Buch richtet.
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5.0 von 5 Sternen Äußerst interessant
Es ist nicht wie in anderen Rezensionen beschrieben, dass der Autor nur auf einer These bis zum Erbrechen herumreitet. Lesen Sie weiter...
Vor 10 Monaten von Zufriedener Kunde veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Gesunde Äpfel im schlechten Fass
Inhalt:
Philip Zimbardo erzählt sehr detailliert von seinem berühmten Stanford Prison Experiment, von der Vorbereitung, der Durchführung, den Problemen und... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 23. September 2010 von sabatayn76
4.0 von 5 Sternen Die menschliche Macht des Bösen
1971 teilte der Psychologieprofessor Zimbardo an der Universität von
Stanford die Teilnehmer an einem Experiment nach dem Zufallsprinzip in
zwei Gruppen:... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 28. Januar 2010 von Roman Nies
4.0 von 5 Sternen Interessant, aber mit Vorsicht zu geniessen...
... ist diese genaue Beschreibung des Stanford-Experimentes durch seinen Erfinder.

Zwar ist sich der Autor Philip Zimbardo bewusst, dass er mit seinem berühmten... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 12. März 2009 von isy3
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das zum Nachdenken anregt
In "Der Luzifer-Effekt" untersucht Philip Zimbardo, wieso gewöhnliche, unauffällige Menschen plötzlich grausame Verbrechen begehen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 7. Februar 2009 von Else Kling
4.0 von 5 Sternen Der brave Bürger als schlummernde Bestie - bravo!
Sehr ausführlich und quellenreich beschreibt Herr Zimbardo das von ihm verantwortlich durchgeführte "Stanford Prison Experiment". Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 26. Oktober 2008 von Andreas Janssen
5.0 von 5 Sternen Wahnsinnig Interessant!
Hallo,

dieses Buch ist wahnsinnig interessant, und sollte zur Pflichtlektüre in Schulen werden. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 22. August 2008 von Florian420
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