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Der Luzifer-Effekt: Die Macht der Umstände und die Psychologie des Bösen
 
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Der Luzifer-Effekt: Die Macht der Umstände und die Psychologie des Bösen [Gebundene Ausgabe]

Philip G. Zimbardo , Karsten Petersen
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Er ist der Vater des legendären Stanford Prision Experiment von 1971. In dem spektakulären Rollenspiel wurden damals aus ganz normalen Studenten brutale Aufseher. Mehr als 30 Jahre später und nach intensiver Forschungsarbeit erklärt Philip Zimbardo in Der Luzifer-Effekt, was anständige Menschen dazu bringt, sich in sadistische Quäler zu verwandeln.

"Die Gefangenen haben zu schweigen während der Ruhezeiten... Sie müssen zu den Essenszeiten und nur dann essen... Jeder Verstoß gegen Vorschriften kann bestraft werden." Die Gefangenen erhalten Nummern und müssen zu Zählappellen antreten. Es ist ein rigides Regime von Vorschriften. Autoritäres Verhalten der Wärter wird vom Leiter des Experiments gelobt. Verstöße werden mit der Haft in der Isolierzelle geahndet, einer den Zellen gegenüber liegenden Abstellkammer, die "das Loch" genannt wurde. Für die Wärter schließlich gab es Trillerpfeifen, Schlagstöcke und trendige Sonnenbrillen. Es sei, so der Autor, "faszinierend, wie der Zweck der Appelle sich allmählich vom Rekapitulieren und Aufsagen der Häftlingsnummern zur Demonstration der totalen Macht der Wärter über die Häftlinge entwickelt." Die Situation entgleist schließlich und muss abgebrochen werden. Allerdings nicht auf die Initiative des Versuchsleiters hin. Zimbardo muss erst von einer damaligen Doktorandin, seiner späteren Ehefrau, gedrängt werden, so sehr hat er sich schon in einen eigenen Machtrausch gesteigert.

Der Erfinder des vielleicht berühmtesten sozialpsychologischen Experiments der Welt schreibt aus der Ich-Perspektive im Stile einer Reportage. Das ist anschaulich und gut verständlich. Das Stanford Prison Experiment nimmt so Gestalt an: die Gestalt seines Erfinders und Leiters bzw. die der Teilnehmer. Es wird nur allzu deutlich: Wir alle können zu hilflosen Opfern oder willigen Vollstreckern werden - je nach dem, welcher Gruppe wir in einem solchen Experiment zugeteilt werden.

Seine besondere Sprengkraft entwickelt dieses Buch durch die kontinuierliche Bezugnahme auf das berühmt-berüchtigte Abu-Ghraib-Gefängnis in Bagdad, in dem Wärter die Gefangenen auf sadistische Weise quälten. Der Autor hat die Umstände der dortigen Exzesse für die US-amerikanische Regierung als Gutachter untersucht. Neben der Dokumentation und Analyse der Ereignisse erläutert Zimbardo hier auch, wie sich derartige Eskalationen verhindern lassen. Ein aktuelles und wichtiges Werk - wissenschaftlich, kenntnisreich, mit unerbittlicher Schärfe. -- Dr. Stefan Rusche, Literaturtest

Pressestimmen

"Ein notwendiges und wichtiges Buch. Es bietet tiefe Einblicke in die Abgründe der menschlichen Psyche und zeigt, wie leicht und mit welchen Mechanismen sie beeinflussbar ist." WDR --WDR, am 17.10.2008

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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Amarczon
Format:Gebundene Ausgabe
Philip Zimbardo ist Professor emeritus der Psychologie, und lehrte an der Yale Universty, der New York University, der Columbia University und der Stanford University. Außerdem war er Präsident der American Psychological Association. In seiner Arbeit beschäftigte er sich für viele Jahre mit der "Psychologie des Bösen", wobei er das Modell der systemischen Faktoren, anstelle der individuellen Dispositionen weiterentwickelte, die Ursache des Bösen also nicht in einer Persönlichkeitsstörung des Einzelnen, sondern in Umständen und Einflüssen der jeweiligen Situation suchte. Dieses Modell möchte er dem Leser in dem vorliegenden Buch "Der Luzifer-Effekt" näher bringen.

Größere Bekanntheit erlangt Zimbardo durch sein Standord Prison Experiment aus dem Jahr 1971, auf dem, in deutlich entstellter und veränderter Form, auch der deutsche Film "Das Experiment" beruht. Verschiedene Studenten wurden in einem simulierten Gefängnis zufällig als Wärter oder Häftlinge eingeteilt. Auf diese Weise wollten Zimbardo und sein Team untersuchen, welche Einflüsse die Situation, das System Gefängnis, auf diese Studenten haben würde. Dieses Experiment musste nach knapp fünf Tagen abgebrochen werden, da es völlig aus dem Ruder lief: Wärter misshandelten Gefangene, Gefangene brachen unter dem Druck zusammen - Ein Paradebeispiel dafür, dass Böses in jedem Menschen schlummert und durch die entsprechende Situation hervorgerufen werden kann.
Nach zwei Einleitungen, einer für die deutsche Ausgabe des Buches und einer für die amerikanische Originalausgabe, erzählt Zimbardo im ersten Drittel des Buches die ganze Geschichte des Stanford Prison Experiments in chronologischer Abfolge aus der Sicht eines außen stehenden Beobachters. Die erste Hälfte des Buches wird durch die folgenden Kapitel komplettiert, in denen er die Schlussfolgerungen und Erkenntnisse des Experimentes ausführlich erläutert.
Die zweite Hälfte des "Luzifer-Effekts" beschäftigt sich mit der sozialen Dynamik in realen Systemen, im Gegensatz zum simulierten System im Stanford Prison Experiment, wobei hier in erster Linie das Beispiel der Misshandlungen von Gefangenen im irakischen US-Militärgefängnis Abu Ghraib durch Soldaten der US-Armee herangezogen wird, das enge Parallelen mit den Beobachtungen im Stanford Prison Experiment zeigt. Zimbardo diente 2004 als Sachverständiger im Kriegsgerichtsverfahren gegen die ehemaligen Wärter des Gefängnisses, und ist somit sehr gut mit der Materie vertraut.
Zum Abschluss des Buches folgt ein kurzes Kapitel über die "Banalität des Heldentums", das zeigen soll, wie Menschen, wenn sie den situativen Umständen widerstehen, durch einfache Handlungen zu Helden werden können.

Ziel des "Lufizer-Effekts" ist es, dem Leser das Modell der situativen Dynamik näher zu bringen. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass Menschen, die etwas Schreckliches tun, eine schlechte Veranlagung oder eine Persönlichkeitsstörung haben müssen. So ist fast jeder der Meinung, dass er sich niemals an einem Völkermord oder der Folterung eines anderen Menschen beteiligen könnte. Philip Zimbardo stellt diesem Modell der individuellen Disposition das Modell der situativen Dynamik entgegen. Dieses besagt, dass jeder Mensch zu solchen Gräueltaten fähig ist, wenn entsprechende Umstände vorliegen. Diese Behauptung untermauert er im vorliegenden Buch mit verschiedenen Beispielen und Experimenten. Und auch wenn die meisten Menschen diese Erkenntnis, dass sie selbst unter entsprechenden Bedingungen zu solchen Taten fähig wären, nicht sonderlich gut gefallen dürfte, sprechen die hier angeführten Beweise eine recht klare Sprache.

Obwohl es sich bei "Der Luzifer-Effekt" um ein Sachbuch handelt, ist es so gut geschrieben, dass auch ein Laie der Psychologie keine Probleme mit dem Verständnis haben sollte, und ist somit für Jeden zu empfehlen, der sich mit dem Thema der "Psychologie des Bösen" beschäftigen möchte.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Erst denken, dann handeln 11. März 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch zu lesen, war nicht nur spannend, es hat mir auch sehr viel über mich selbst verraten.
Die Einstellung, die Gesellschaft würde einige "faule Äpfel" hervorbringen, die dann Böses tun, während die meisten von uns aber gute Menschen sind, ist natürlich sehr bequem.
Dieses Buch erklärt und belegt uns, dass dies jedoch nur die halbe Wahrheit ist.
Die Macht der Umstände, sozialen Verhältnisse und der Obrigkeit wird einmal mehr zu einer Macht, die auch den Anstoss zu bösen Taten liefert. Jeder von uns kann in bestimmten Situationen (wie natürlich Kriegen) die schlimmsten Seiten des Menschen zeigen.
Dennoch ist jeder von uns dazu fähig, gleichermaßen den Weg des Guten oder Bösen zu beschreiten, was keine einmalige Entscheidung ist, sondern eine, die immer wieder auf's Neue getroffen werden muss.
Zimbardo zeigt uns daher auch die guten Seiten auf, und appelliert an den Leser, dass jeder von uns ein "Held in Wartestellung" ist.
Schon die Auseinandersetzung mit einer Situation kann dem Menschen daher helfen, den richtigen Weg zu beschreiten. Zimbardo ruft eigentlich dazu auf, sein Handeln und die jeweilige Situation in der man steckt, gründlich zu reflektieren, bevor man handelt.
Das Buch ist sehr gut aufgebaut und es ist sehr aufschlussreich, zu lesen, wie leicht der Mensch zu manipulieren ist.
Interessant ist auch die Stanford Prison Studie, auf die ausführlich eingegangen wird.
Wer den Film "Das Experiment" kennt, weiß schonmal worum es geht, denn die BASIS für diesen Film (der natürlich vieles filmgerecht verfälscht darstellt) war das Experiment Zimbardos.
Der Autor schreibt mit einer Begeisterung für sein Fach, und gesteht sich selbst auch seine eigenen Fehler ein, was das Buch und die Erzählung sympatisch macht.
Seit ich es gelesen habe, hab ich mich schon häufig dabei ertappt, wie ich mir in bestimmten Situationen dachte: "Vielleicht sollte ich erstmal darüber nachdenken, eh ich handele!"
Ein sehr aufschlussreiches Buch, dass den Leser z. T. in die dunklen Tiefen der menschlichen Seele führt und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt in Bezug darauf, dass nicht jeder dazu fähig ist, anderen Menschen Leid zuzufügen.
Wärmstens zu empfehlen, besonders Menschen, die bereit sind, mehr über das "eigene Böse" zu erfahren und ebenso bereit sind, etwas dafür zu tun, den "guten Weg" des schlummernden Helden beschreiten zu können.

Aufgrund des sehr menschlichen, gut verständlichen, aber fesselnden Schreibstils, der ausserordentlichen, sorgfältig aufbereiteten Thematik, die einem ausserdem einen neue Perspektive und Sichtweise eröffnet, erhält das Buch von mir die volle Punktzahl!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von L. Fuhs
Format:Gebundene Ausgabe
Ich glaube, dieses Buch ist aus mindestens drei Gründen bisher sehr beliebt gewesen:
1.) Es handelt, grob gesagt, von der dunklen Seite der menschlichen Natur, von Grausamkeiten, Morden und anderen Gewalttaten, die in schockierendem, aber faszinierendem Detail analysiert werden,
2.) Es ist sehr ehrlich geschrieben und beschönigt eigentlich nichts,
3.) Es lässt sich relativ leicht lesen und man braucht als Leser eigentlich keinerlei Vorkenntnisse, das heißt, im Prinzip ist das Buch für jeden geeignet, der an der "Psychologie des Bösen" interessiert ist.

Diesen drei Gründen schließe ich mich auch voll und ganz an.

Es hat etwas außerordentlich Fesselndes, so tief in die dunklen Bereiche des menschlichen Wesens gezogen zu werden. Der Autor schreckt vor nichts zurück, im Gegenteil- nach einer kurzen Einleitung werden auch schonungslos Beispiele ausgelistet, wie grausam der Mensch sein kann: Die Vergewaltigungen in Rwanda und Nanking, die Misshandlungen im Abu Ghraib Gefängnis und deren Parallelen zum Stanford Prison Experiment, einem Experiment mit Menschen, das der Autor selbst geleitet hat und in diesem Buch ausführlich erläutert.
(So ist es auch im Nachhinein weniger verwunderlich, dass ich damals in der Bücherei das Buch nicht ausleihen durfte- ich war noch nicht volljährig!)

Jedoch gibt es auch manches, was gegen das Buch spricht:
1.) Der Untertitel "How Good People Turn Evil" ist eigentlich eine Verallgemeinerung, die in die Irre führen kann. Das Buch behandelt zum großen Teil das Stanford Prison Experiment, seine Ergebnisse und Analysen, nicht "das Böse allgemein". So gesehen ist das Buch um dieses Experiment herum aufgebaut - und eher weniger um "alltägliche" Gewalt etc. (das wurde in den bisherigen Rezensionen auch schon angesprochen).
2.) Der Inhalt ist (auch das wurde erwähnt) relativ lang geraten. Mit 42 Zeilen pro Seite und einer gefühlten Schriftgröße von 7 (in der englischen Ausgabe) kann es recht anstrengend sein, lange darin zu lesen; vor allem, wenn es manchmal extrem grausam wird (ich persönlich musste Pausen während des Lesens machen).

Neben dem optisch und emotional gestalteten Inhalt noch ein paar Worte zum sachlichen Inhalt:

Meiner Meinung nach wirkt Zimbardos Werk so, als sei es um eine einzige Botschaft herum konstruiert worden: "Das eigentlich Böse liegt in der Situation und nicht im Menschen." Er wirkte in seinem Schreibstil fast so, als wäre er besessen von dieser Idee. Als hätte er Angst, dass man nach dem Durchlesen seines Buches immer noch denkt, dass es "gute" und "böse" Menschen gäbe. Er drängt seine Leser regelrecht auf diese Situations-Philosophie - das kann eine neue Perspektive für manche sein, für andere aber auch bekannt sein.

Der Reiz des Buches liegt wohl für viele in den verblüffend grausamen Verhaltensweisen der Teilnehmer des Stanford Prison Experimentes, und die Gründe, die der Autor dafür bietet. Andererseits aber gibt es, außer des situativen Faktoren (Erwartungen des Versuchsleiters, emotionale Abstumpfung in einer Umgebung ohne Tageslicht und mieser Hygiene, usw.), kaum etwas Anderes, das erläutert wird.
Auch sind die Ergebnisse des Experimentes nicht allzu verblüffend, wenn man erst einmal weiß, was zehn Jahre vorher bei Milgram passiert ist- nämlich im Prinzip das Gleiche.

Wichtig ist aber, dass der Film "Das Experiment" das Buch nicht ersetzt- Das Buch ist realistischer und ehrlicher. Der Autor des Buches hatte sogar mal gegen den Untertitel "Auf wahren Begebenheiten beruhend" geklagt... Man sollte also, wenn man das Experiment wirklich kennen lernen will, das Buch lesen und nicht den Film ansehen.

Also, zusammenfassend sei gesagt:
"The Lucifer Effect" ist geeignet für alle, die sich für das Stanford Prison Experiment interessieren (es wird auf ungefähr 326 von 489 Seiten analysiert, interpretiert und auf Abu Ghraib übertragen).
Sehr ausführliche Berichte darüber und die Moral, wie man der plötzlichen Gewalt entgegen kommen kann, machen das Buch lesenswert. Man lernt auf jeden Fall etwas und da das Buch eher wie eine Erzählung wirkt als eine sachliche Studie, lässt es sich auch gut lesen.

Das Buch bekommt von mir drei Sterne.
Drei bekommt es wegen der Faszination, die ausgelöst werden kann, wegen des Schreibstils, der im englischen (und im deutschen) nicht zu kompliziert ist, und wegen der Moral, die am Schluss sehr schön ergänzend zum Thema wirkt (was wäre auch eine Analyse ohne Konsequenz?)
Zwei Sterne Abzug dafür, dass der Inhalt recht stark aufgebläht wurde und hätte gekürzt werden können - und dafür, dass der Titel verallgemeinert ist; das ist eigentlich ein Fehler, der einem Wissenschaftler nicht passieren sollte, wenn er ein so spezielles Experiment selbst leitet und es dann so allgemein im Titel "auswertet".

Die grausame Seite des Menschen kann wirklich sehr faszinierend sein- es kommt nur darauf an, welche Erwartungen man an dieses Buch richtet.
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