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Der Lustmolch [Taschenbuch]

Christopher Moore
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (24 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Hinreißend komisch und spannend." (Südwestpresse) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Klappentext

»Christopher Moore macht süchtig!«
USA Today

"Hinreißend komisch und spannend."
Südwestpresse -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Der ehemalige Journalist Christopher Moore arbeitete als Dachdecker, Kellner, Fotograf und Versicherungsvertreter, bevor er anfing, Romane zu schreiben. Seine Bücher haben in Amerika längst Kultstatus, und auch im deutschsprachigen Raum wächst die Fangemeinde beständig. Christopher Moore liebt – nach eigenen Angaben – den Ozean, Elefanten-Polo, Käsecracker, Acid Jazz und das Kraulen von Fischottern. Er mag aber weder Salmonellen noch Autoverkehr und erst recht nicht gemeine Menschen. Der Autor lebt in San Francisco, Kalifornien. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der September in Pine Cove ist ein Seufzer der Erleichterung, ein Gute-Nacht-Trunk, ein Nickerchen, das man sich redlich verdient hat. Das weiche Herbstlicht dringt durch die Bäume, die Touristen verziehen sich wieder nach Los Angeles und San Francisco, und die fünftausend Bewohner von Pine Cove wachen eines Morgens auf, um festzustellen, daß es doch möglich ist, im Ort einen Parkplatz zu bekommen, ebenso wie einen Tisch in einem Restaurant, und man die Strände entlangspazieren kann, ohne sich von einem verirrten Frisbee eine Beule einzufangen.
Der September ist so etwas wie ein Versprechen. Endlich wird der Regen kommen und die goldenen Weiden um Pine Cove in ein sattes Grün tauchen. Die Monterey-Kiefern auf den umliegenden Hügeln werden nicht länger ihre Nadeln verlieren, die Wälder von Big Sur werden aufhören zu brennen, und das grimmige Lächeln, das die Kellnerinnen und Kassierer im Laufe des Sommers entwickelt haben, wird förmlich aufblühen zu so etwas wie einem menschlichen Gesichtsausdruck. Die Kinder werden in die Schule zurückkehren, und zurückkehren wird auch die Freude über alte Freunde, Drogen und Waffen, auf die man den Sommer über verzichten mußte, und alle haben endlich die Gelegenheit, sich ein wenig auszuruhen.
Kaum daß es September ist, macht sich Theophilus Crowe, der Town Constable, mit großer Liebe daran, die klebrigen violetten Knospen seiner Sensimilla-Pflanzen zu beschneiden. Mavis aus dem Head of the Slug Saloon kippt den Schnaps aus dem obersten Regal wieder in die dunklen Niederungen des Kanisters, dem er entstammt. Die Jungs vom Baumservice rücken totem und absterbendem Gehölz mit Motorsägen zu Leibe, um zu verhindern, daß es während des stürmischen Winters das ein oder andere Dach durchschlägt. Allenthalben türmen sich vor den Häusern in Pine Cove Holzstapel, und der Schornsteinfeger hat einen Zwölf-Stunden-Tag. Das Regal mit Sonnenmilch und unnützen Andenken in Brine's Angelbedarf, Bootsausrüstung und Erlesene Weine wird ausgeräumt und statt dessen mit Kerzen, Taschenlampenbatterien und Lampenöl aufgefüllt! (Monterey-Kiefern sind berüchtigt für ihre nicht allzu tief reichenden Wurzeln und ihre Neigung, auf Hochspannungsleitungen zu kippen.) Und zum zehnten Mal in Folge wird in der Pine Cove Boutique der Pullover mit dem grausamen Rentier-Muster im Preis hochgesetzt, nur um im Frühling erneut herabgesetzt zu werden.
In Pine Cove, wo nichts passiert (oder zumindest lange nichts passiert ist), stellt der September ein Ereignis dar: eine stille Feier. Die Menschen hier mögen stille Ereignisse. Der Grund, warum sie irgendwann den großen Städten den Rücken kehrten, war, daß sie einer Umgebung entkommen wollten, in der dauernd irgendwas passierte. Der September ist eine Feier des Ewiggleichen. Jeder September ist so wie der vorherige. Allerdings nicht dieses Jahr.
Dieses Jahr passierten drei Dinge. Keine großen Sachen, gemessen an den Standards einer Großstadt. Doch drei Dinge, die dem geliebten Status quo nichtsdestotrotz den Gnadenstoß versetzen sollten: Vierzig Meilen südlich entstand ein kleines, nicht sonderlich gefährliches Leck in einem der Kühlrohre des Kernkraftwerks Diablo Canyon; Mavis Sand gab im Songwriter Magazine eine Annonce für einen Blues-Sänger auf, der den ganzen Winter über im Head of the Slug Saloon spielen sollte; und Bess Leander, Ehefrau und Mutter von zwei Kindern, erhängte sich.
Drei Dinge. Omen, wenn man so will. Der September ist eine verheißungsvolle Angelegenheit.
Sich eingestehen, daß man ein Problem hat.

»Meine Liebe, meine Liebe, wie wunderlich ist alles heute! Wo gestern doch noch alles war wie immer. Ich frage mich, ob in der Nacht etwas mit mir geschehen ist? Laß mich überlegen: War ich die Gleiche, als ich an diesem Morgen erwacht bin? Es kommt mir fast so vor, als hätte ich mich ein wenig anders gefühlt. Doch wenn ich nicht mehr die Gleiche bin, dann ist die nächste Frage: Wer in aller Welt bin ich? Ah, welch ein großes Rätsel!«
Lewis Carroll, Alice im Wunderland

THOPILUS CROWE

Für eine Tote roch Bess Leander ziemlich gut: Lavendel, Salbei und ein Hauch Nelke. Sieben Shaker Chairs hingen an Haken an den Wänden im Eßzimmer der Leanders. Der achte war unter Bess umgekippt, und an seiner Stelle baumelte Bess mit einem Kattunstrick um den Hals an dem betreffenden Haken. Von den Deckenbalken hingen getrocknete Blumen, Körbe in den verschiedensten Formen und Größen sowie Bündel getrockneter Kräuter.
Theophilus Crowe wußte, daß er eigentlich alle möglichen polizeimäßigen Sachen machen sollte, doch statt dessen stand er einfach gemeinsam mit den beiden Rettungssanitätern der Feuerwehr von Pine Cove im Zimmer herum und starrte zu Bess hinauf wie zu einem Engel an einem Weihnachtsbaum. Theo dachte sich, daß Bess' pastellblauer Hautton sehr schön zu ihrem kornblumenblauen Kleid und dem Muster des englischen Porzellanservices paßte, das auf einfachen Holzregalen am Ende des Raumes verteilt war. Es war sieben Uhr morgens, und Theo war, wie üblich, ein wenig stoned.
Theo hörte Schluchzer aus dem ersten Stock, wo Joseph Leander seine beiden Töchter, die noch immer ihre Nachthemden trugen, daran hinderte herunterzukommen. Es gab im ganzen Haus keinerlei Anzeichen für die Anwesenheit eines Mannes. Es war wie aus dem Schöner-Wohnen-Sonderheft Landleben: Dielenboden aus Kiefernholz, Weidenkörbe, Blumen und Stoffpuppen. Kräuteressig in braunen Gläsern, Shaker-Antiquitäten, Kupferkessel, Stickmustertücher und -rahmen, Spinnräder, Zierdeckchen und Wandplaketten aus Porzellan mit Gebeten auf holländisch. Nirgendwo war auch nur eine einzige Sportzeitschrift oder eine Fernbedienung zu sehen. Nichts, das nicht an seinem Platz lag, ebensowenig wie auch nur ein einziges Staubkörnchen irgendwo. Joseph Leander war vermutlich auf Zehenspitzen gegangen, um in diesem Haus keinerlei Spuren zu hinterlassen. Ein Mann, der weniger sensibel gewesen wäre als Theo, hätte vermutlich behauptet, daß er ganz schön unterm Pantoffel stand.
»Der Kerl steht ja ganz schön unterm Pantoffel«, sagte einer der Sanitäter. Sein Name war Vance McNally. Er war einundfünfzig Jahre alt, klein und muskulös, und er trug seine Haare genauso wie in seinen High-School-Tagen mit Öl zurückgeklatscht. Gelegentlich kam es vor, daß er in Erfüllung seiner Pflichten als Rettungssanitäter Menschenleben rettete, quasi als Ausgleich dafür, daß er sich ansonsten aufführte wie der letzte Trampel.
»Vance, er hat gerade seine Frau aufgehängt im Eßzimmer gefunden«, erklärte Theo über die Köpfe der beiden Sanitäter hinweg. Er war einsfünfundneunzig groß, und dank dieser Tatsache konnte er auch in einem Flanellhemd und Turnschuhen einschüchternd wirken und, wenn es nötig war, sich den gebührenden Respekt verschaffen.
»Sie sieht aus wie Raggedy Ann«, sagte Mike, der andere Sanitäter, der Anfang Zwanzig und ganz aufgeregt über seinen ersten Einsatz bei einem Selbstmord war.
»Ich hab gehört, sie wäre 'ne Amish«, sagte Vance.
»Sie ist keine Amish«, erwiderte Theo.

-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
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