Im Juni 1974 wurde der erst 22 Jahre alte Ulrich Schmücker von einem Kommando „Schwarzer Juni" im Berliner Grunewald erschossen. Es war eine Hinrichtung. Begründet wurde sie mit dem Verrat, den Schmücker an der „Bewegung 2.Juni" begangen haben soll, einer terroristischen Vereinigung.
Dies ist nur der offizielle Teil eines Puzzles, welches der Autor und Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust in seinem Buch vor den Augen des Lesers zusammensetzt, wodurch es ihm wieder einmal gelingt (siehe auch „Der Baader-Meinhof-Komplex"), neben der Tragödie Schmückers ein in mancher Hinsicht sicherlich auch heute noch gültiges Bild Deutschlands zu entwerfen: im großen bemüht, nach außen eine gut funktionierende, stabile Musterdemokratie darzustellen, sich aber, um dieses zu erreichen, aller verfügbaren Mittel bedient, seien sie auch noch so verwerflich oder sogar mit dem Rechtsstaat unvereinbar, zumindest solange man nicht dabei erwischt wird.
Gerade jüngeren Lesern (20-) sei dieses Buch zum vielleicht interessantesten Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte empfohlen, da es einen Einblick in eine Zeit gewährt, in der es sich ein paar junge Menschen zur Aufgabe machten, die Welt, in der sie leben, zu verbessern, wenn auch auf eine Weise, die sie aus heutiger Sicht zum Teil sehr naiv, ja weltfremd erscheinen läßt, zumal die Ziele mit Gewalt erreicht werden sollten, der Verlust von Menschenleben wurde billigend in Kauf genommen. Ihr Scheitern verursachten sie selbst. Von der irrigen Annahme, sie könnten zur Massenbewegung werden, eine Revolution auslösen, mal abgesehen, standen die Mitglieder in ständiger gegenseitiger Konkurrenz, sich innerhalb der Gruppe zu profilieren, das größte Ego zur Schau zu stellen oder sich den deutschen Geheimdiensten als Informanten anzudienen, was auch Ulrich Schmücker nach einer Verhaftung zum Verhängnis wurde, da er nicht in der Lage war, den von ihm getätigten Balanceakt zwischen den Fronten zu bewältigen. Hin- und hergerissen zwischen seiner Tätigkeit als Informant des Verfassungs-schutzes und seinem Versuch, sich in der politischen Szene zu etablieren, übersahen er und der Verfassungsschutz(wobei dessen Rolle bis heute nicht eindeutig geklärt ist; es gibt Mutmaßungen, laut denen dieser mit einem Observationsteam bei Schmückers Erschießung zugegen war und dies womöglich hätte verhindern können) die von einem anderen in der Szene platzierten Informanten ausgesprochenen deutlichen Warnungen, es könne etwas gegen Schmücker geplant sein. Es folgten sechzehn lange Prozeßjahre, wobei nur ein Mittäter rechtskräftig verurteilt blieb und die anderen wegen Versäumnissen des Rechtsstaates hinsichtlich des Mordes an Schmücker freigesprochen wurden.