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Produktinformation
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Eine dicke gelbe Bauchbinde zieht sich über das Buch, darauf aufgedruckt: «Maaz befreit Frauen vom Rollenklischee der allgütigen Mutter. Endlich sind Mütter Menschen, die sich zu ihrer Schattenseite bekennen dürfen. Pflichtlektüre für alle . . .! Julia Onken». Mit spitzen Fingern, Selbstaufklärung kommt hier als Pflichtlektüre einher, greifen wir zum Band. Die Absicht verstehen wir wohl. Der Hallenser Psychoanalytiker Hans Joachim Maaz hat über die Ursachen und Zusammenhänge sozialer Konflikte und gesellschaftlicher Pathologien nachgedacht und ist zum Schluss gekommen, dass es «die Störungen der Mütterlichkeit in unserer Kultur» sind, in der die Wurzeln für individuelle, familiäre und gesellschaftliche Konflikte zu sehen sind. Unter dem griffigen Titel eines «Lilith-Komplexes» verortet Maaz das tabuisierte Weibliche. Lilith ist die dämonisierte Schwester der vom Patriarchat favorisierten Eva, dem bekannten schwachen Wesen, das sich Mann und Haushalt unterworfen hat sowie mit sexueller Passivität und aufopferungsvoller Mutterschaft glänzt. Lilith dagegen steht für sexuelle Aktivität und symbolisiert die Ablehnung der Mutterschaft. Nun plädiert Maaz nicht für die Ablehnung der Mutterschaft, aber das alles wird geleistet auf knappen 190 Seiten für eine Versöhnung von Lilith und Eva. An der «richtigen» Mutter einmal mehr wird die Welt genesen. Nicht zu viel Eva und nicht zu wenig Lilith. Oder umgekehrt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Es wäre falsch zu behaupten, er gäbe den Frauen/Müttern die Schuld an dem aufgezeigten Mangel, der dem Leben eines Menschen den Fluch eines "Sei nicht, lebe nicht, sei so, wie die anderen dich brauchen!" aufbürden kann. Dieser Einfluss auf das Kind geschieht zwar direkt und zuerst einmal durch die wichtigste Bezugsperson, ist aber nicht hauptsächlich von ihr verschuldet, sondern von gesellschaftlichen Strukturen, die leider schon sehr lange bestehen.
Ich sehe es als Luxus der heutigen Zeit, dass es solche Bücher gibt, dass es Menschen gibt, die endlich weiter sehen als es die aufgesplitteten Wissenschaften (Psychologie, Psychoanalyse, Soziologie) im Einzelnen vermögen.
Ein mutiges Buch, das mir Zusammenhänge eröffnet hat, die ich schon sehr lange erahnt habe, aber nie in Worte fassen konnte.
Es kann nicht als Ohrfeige gegen Frauen zu verstehen sein, da er in der Ursachenbehandlung von den Männern ebenso schonungslos spricht wie von den Frauen (auch wenn das Wort "Mütter" sehr viel öfter genannt wird, dies aber um den Einfluss auf das Kind zu erläutern).
Er fordert dazu auf, sich mutig und ganz individuell seinem eigenen Schmerz zu stellen und ihn damit in sein Leben zu integrieren. Sonst besteht leicht die Gefahr, dass man seine eigenen Kinder wiederum dazu zwingt, ihren Schmerz nicht zuzulassen. Der Zwang, negative Gefühle nicht zu äußern, führt zur Abspaltung der eigenen Gefühle. Abgespaltene Gefühle führen dazu, dass man Feindbilder benötigt, auf die man seine negativen, unerwünschten Gefühle projizieren kann.
Maaz leistet meiner Ansicht nach einen wichtigen Beitrag zu einer Weiterentwicklung unserer Gesellschaft, indem er Mütter auffordert, den Schmerz ihrer Kinder zu akzeptieren und offen damit umzugehen, statt ihn selbst zu verdrängen und damit auch ihre Kinder zu zwingen, ihn nicht zu äußern (genauere Erläuterungen dazu sind reichlich vorhanden). Das bedeutet in keinster Weise Mehrarbeit für die bereits überbeanspruchten Mütter, sondern eher eine riesige Erleichterung im Umgang mit den eigenen Kindern.
Die seelisch gesünderen Kinder, die aus einem Umgang mit ihnen in Maaz' Sinne hervorgehen werden, können unsere Welt verändern. Beginnen müssen aber die Mütter damit, und das ist heute unser Beitrag für die kommenden Generationen. Wir sollten ihn annehmen und uns selbst verändern. Die Hände in den Schoß zu legen, obwohl wir die Möglichkeit dazu haben, etwas zu verändern, wäre ein Verbrechen an unseren Kindern. Wer die von Maaz aufgeführte Möglichkeit nicht nutzt oder es wenigstens versucht, der macht sich in meinen Augen wirklich schuldig und wird damit zum tötenden Bestandteil unserer Gesellschaft, von denen es leider viel zu viele gibt.
Das Buch ist kein „Kochbuch" im Sinne von „Kinderpflege leichtgemacht". Dem Autor geht es gerade auch darum, aufzuzeigen, dass man mit Anleitungsbüchern nichts erreicht, dass das entscheidende die Reife eines Menschen ist, die man nicht mit dem Lesen von Anleitungsbüchern herstellen kann. Auf der anderen Seite bietet er aber eine Art Maxime an, nämlich dass für das Verhältnis von Mutter und Kind entscheidend ist, wieweit die Mutter bereit ist, ehrlich zu sich selbst zu sein, ihre eigenen Defizite zu akzeptieren, aus den Reaktionen des Kindes zu lernen anstatt sie zu unterdrücken und entsprechend auch die Wut des Kindes zu akzeptieren, wenn sie ihm aufgrund ihrer eigenen Probleme und gesellschaftlichen Zwängen nicht so zur Verfügung stehen kann, wie es das Kind mit Recht erwartet. Das Lesen des Buches hilft dabei dem aufgeschlossenen Menschen, indem es ihn anregt, über eigene schmerzliche Erfahrungen zu trauern und damit auch seine sozialen Fähigkeiten zu verbessern. Wer dazu nicht bereit ist, wird sich allerdings gegen die Inhalte des Buches wehren wollen und allerlei Rationalisierungen dafür finden.
Es geht aber nicht um Schuldzuweisung sondern um Kausalität, um Verstehen. Der Autor leugnet nicht, dass sich Frauen oft in schwierigen Situationen befinden können. Auch leugnet er nicht die Wichtigkeit einer angemessenen väterlichen Fürsorge. Wenn er aber auch hier die frühe Mutter-Kind-Beziehung fokussiert, will er damit keineswegs verantwortungslose Väter entschuldigen. Stattdessen geht es ihm offensichtlich darum, über das Verstehen der Zusammenhänge Auswege aus einem Teufelskreis aufzuzeigen. Dieser besteht darin, dass wir anderen, gerade unseren Nächsten, oft genau das antun, worunter wir selbst am meisten leiden. Besonders verheerend sind die Auswirkungen in der frühen Mutter-Kind-Beziehung. Selbst und gerade das bewusste Bemühen, alles richtig zu machen, ändert daran nichts. Denn das Bemühen, einem Ideal zu entsprechen, hindert die Beziehungsaufnahme zum Kind. Die entscheidenden Informationen kann nur die Beziehung selbst demjenigen bieten, der die erforderliche Offenheit besitzt. Oft ist diese Offenheit allerdings nur über eine Integration der eigenen schmerzlichen Erfahrung, die mitunter nicht so leicht zugänglich ist, zu erlangen.
Meiner Meinung nach handelt es sich beim neuen Buch von Herrn Maaz um eine äußerst wichtige Veröffentlichung. Es wird den Menschen, die sich darauf einlassen, ein neues Selbstverständnis geben.
Noch ein Wort zu den Kindergärten in der DDR: Ich weiß aus eigener Erfahrung, in welchem Maße dort Demütigungen an der Tagesordnung waren. Auch jetzt sind zum Teil noch solche Erzieherinnen im Einsatz. Jedenfalls halte ich zumindest im ersten Jahr nach der Geburt eine Betreuung durch die Mutter für unersetzbar, da der Mensch entwicklungsbedingt nun mal eine Frühgeburt ist.
Eine ganze Nation ist krank. Lesen Sie weiter...
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