Christine verbringt eine glückliche Kindheit als Comtesse d'Autreville und wünscht sich nichts sehnlicher, als in der Kunst des Fechtens unterrichtet zu werden. Ihr Vater stimmt diesem Wunsch gerne zu, da sich auch junge Frauen im Notfall verteidigen können sollte. In der Nacht des 9. Mai 1643 dringen maskierte in das Schloss ein und töten Christines Familie und alle Angestellten auf d'Autreville. Nur knapp entgeht sie selbst dem gleichen Ende und sie schwört sich, dass sie die Mörder ihrer geliebten Familie rächen wird!
Ich ziehe eine starke und selbstbewusste Protagonisten meist einer unselbstständigen vor und war froh, dass Corina Bomann sich bei Christine für eine eben solche starke Frau entschieden hat.
Sie war - wie meistens, wenn man als Jüngste unter Brüdern aufwächst - eher wild, mutig und aufopfernd und so konnte man mit ihr mitfiebern in dem Kampf gegen die hinterhältigen Verbrecher.
Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen und wird auch nicht durch zu schwierige französische Straßen- oder Personennamen unterbrochen.
Der Spannungsbogen bleibt durchgängig erhalten, und obwohl man die ungefähre Richtung der Handlung erahnen kann, überraschen einige Passagen, und so wird es nie langweilig.
Interessant fand ich die Begeisterung für das Fechten, die sich durch das ganze Buch zog, da dieses Hobby bzw. dieser Sport in der heutigen Zeit keine allzu große Rolle mehr spielt. Die Kampfszenen wurden gut beschrieben und man konnte auch als Laie die Fechtkünste von Christine und ihren Mitstreitern vor dem geistigen Auge verfolgen.
Kurzzeitig hatte ich befürchtet, dass die Gefühle zwischen Jules und der Comtesse zu sehr in den Mittelpunkt gelangen könnte, doch diese Angst war unbegründet, da die Autorin genau das perfekte Maß gefunden hat, um sowohl der eigenwilligen Christine, als auch dem romantischen Leser gerecht zu werden.
Die Idee, den "Lilienpakt" gegen die "Schwarze Lilie" antreten zu lassen, hat meinen Geschmack genau getroffen, da ich mich sehr für Geheimbunde oder im Untergrund agierende Verbände in den verschiedenen Jahrzehnten begeistern kann - dadurch, dass man diesen alten Geheimnissen nie hundertprozentig auf den Grund gehen kann, wird eine gewisse Magie aufgebaut.
Das Cover ist gut gewählt; besonders schön daran ist die glänzende Hervorhebung der roten Schrift des Titels und der Lilie. Auf der Innenseite des Buchdeckels ist ein Lageplan von Paris abgedruckt, der beim Lesen zwar nicht unbedingt gebraucht wird, aber dennoch einen guten Überblick über die Standorte gibt.
Das Nachwort ist abschließend ein schöner Schluss und klärt Unwissende über das Geheimnis der drei Musketiere auf!
Ich habe zwar nicht das Buch von Alexandre Dumas gelesen, welches in gewisser Weise als Vorlage für "Der Lilienpakt" dient, den einen oder anderen Film mit diesem Thema hat aber vermutlich schon jeder gesehen, und wer an dem Leben und den Werken von Athos, Aramis und Porthos dabei Gefallen gefunden hat, wird diesen Roman verschlingen, auch wenn die Musketiere nicht im Vordergrund der Geschichte stehen.
An der Altersangabe von 14 - 17 Jahren sollten sich schon ältere Leser nicht abschrecken lassen, denn Corina Bomann schafft es sowohl in Bezug auf den Schreibstil, als auch inhaltlich keineswegs zu kitschig oder zu vorhersehbar zu werden und so kann ich diesen historischen Roman mit gutem Gewissen weiterempfehlen.