Schon das Buch ist sehr optisch geschrieben. Die literarische Vorlage entwickelt die Geschichte über lange Seiten aus dem Anblick eines sublim-provozierend angezogenen Mädchens auf einer Fähre über einen Fluss in Indochina. Ein Kleid, goldene Schuhe, ein auffälliger Hut. Und auch der Film lässt sich zu Beginn viel Zeit, die hinreißend süße Jane March genau in dieser Kleidung zu zeigen. Und man kann spüren, warum der reiche Mann nicht anders kann, als diese Kindfrau in sein Auto einzuladen. Und gleichzeitig nimmt man dem Mädchen aus schlechter Familie auch die Neugier und Abenteuerlust ab, dann tatsächlich in das Auto einzusteigen.
Die Beziehung, die sich dann entwickelt geht eigentlich gar nicht, so würden wir heute sagen. Sie ist weiß, er ist Chinese. Sie ist arm, er ist reich. Sie will Sex, er will Liebe. Sie ist zu jung, und er muss eine andere heiraten. Und ständig liegt ein Gefühl von Sünde in der Luft, von Illegitimität und Prostitution. Und doch scheint mit jedem Besuch im eigens gemieteten Apartment die Leidenschaft und vielleicht auch die Liebe größer zu werden. Aber kann aus einer solchen Beziehung etwas werden, wenn sich die eigentlich vorhandenen Konflikte und Spannungen nicht lösen lassen? Der Zuschauer ahnt schnell, dass all das nicht gut ausgehen kann. Aber vielleicht ist gegenseitige Hingabe gerade in einer ausweglosen Situation am schönsten.
Auch der Hintergrund dieser Geschichte ist sorgfältig dargestellt. Das ganze soll in Indochina vor dem zweiten Weltkrieg spielen. Man sieht den Verfall des französischen Kolonialreiches verkörpert in einer zunehmend verarmenden Familie, die aus dem Heimatland gekommen ist, um sich in der Fremde niederzulassen. Die aber feststellen muss, dass sich das Leben in die falsche Richtung entwickelt. Die äußeren Bedingungen, das Klima, die wirtschaftliche Lage, alles sorgt für die Desintegration der Beziehungen. Auch hier ahnt man schnell, dass es so nicht weitergehen kann, weder mit der Familie, noch mit den französischen Kolonien. Aber immerhin bekommen wir umwerfend schöne Bilder des Verfalls aus den Tropen zu sehen. Begleitet werden diese von Texten aus dem Buch von Duras, die im Original übrigens von Jeanne Moreau gesprochen werden, die wir in jungen Jahren in "Jules et Jim" kennen und lieben gelernt haben. Während sonst ein Off-Kommentar einen Film ruinieren kann, ist er hier großartig eingesetzt, zumal hier der Film noch eine weitere Ebene bekommt. Es spricht eine alte Frau, die sich hier an die Dramen ihrer Jugend erinnert. Man spürt - ja, jetzt wird es kitschig - Sehnsucht nach einer verlorenen Zeit in der Stimme.
Vielleicht ist der Film aber durch noch eine weitere Besonderheit berühmt geworden. Die Sexszenen sind nicht explizit, keinesfalls Hardcore, aber dafür wirken sie echt. Es ist der einzige Film, den ich kenne, in dem auch im Bett großartige Schauspielerleistungen gezeigt werden, und in dem der Sex zwischen den Darstellern mit den eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet korrespondiert. Gab es vielleicht wirklich sehr viel erotische Spannung zwischen den Hauptdarstellern? Vielleicht. Andererseits geht das Gerücht um, dass hier insgesamt fünf Bodydoubles für Jane March verwendet worden wären (wenn es mir auch schwer fällt, dafür die Szenen zu identifizieren). So oder so, die Wirklichkeitsnähe der Liebesszenen sorgte schon für einen kleinen Skandal, da Jane March gerade erst achtzehn war, als der Film gedreht wurde. Und das legte die Schauspielerin dann auch für den Rest ihrer kurzen Karriere auf das Erotikfach fest, aus dem sie dann nicht mehr entkommen ist. Schade eigentlich.