„Ein poetischer Fachidiot auf der Suche nach Inspiration", eine Art literarischer Miniatur-Rodin; der immer so aussieht, als leide er unter Verstopfung - so und ähnlich sehen die Frauen den Schriftsteller Viktor Goldmann, die Hauptfigur von Wesphalens neuem Buch „Der Liebessalat.." Viktor Goldmann würde sich dagegen ganz anders sehen: er ist ein Dichter, der nur über etwas schreiben kann, dass ihn interessiert und dass er erlebt hat, weswegen er, da er sich in erster Linie für die Frauen interessiert, den lieben langen Tag ( und die Nacht ) damit zubringt, den Frauen nachzustellen, um sich selbst in ihren Reaktionen zu spiegeln. Drei Ehefrauen, zahlreiche Geliebte, Dutzende Gelegenheitskomparsinnen bleiben dabei ebenso auf der Strecke wie der Leser. Denn nach über 465 Seiten „Liebssalat" hat auch der fanatischste Westphalenfan die Geduld ( und vor allem den Überblick über die Frauen ) verloren. Dass eine virtuelle Romanze die nächste jagt und sie sich gleichen sich wie ein Ei dem anderen - das könnte man noch verschmerzen, wenn die Romanzen selbst wenigstens mit ein wenig seelischem Tiefgang ausgelotet würden. Aber die Figuren, die Westphalen vorstellt sind psychologische Abziehbilder, so flach wie der Autor eitel ist. Und der zugegeben geschliffene und intelligente Stil, in dem Westphalen noch immer schreibt, langt bei weitem nicht hin, um den Leser bei der Stange zu halten. Spätestens nach zweihundert Seiten hat man vom Dressing des Liebessalates die Nase voll. „Entspannung ist der Tod der Literatur" lässt Westphalen es an einer Stelle sein alter Ego Viktor Goldmann sagen, um sinngemäß fortzufahren: Um zu schreiben, muss man verkrampft sein. Schade nur, dass dabei mitunter auch ein verkrampftes Buch herauskommt.