Als junge Studentin habe ich vor vielen Jahren den hervorragenden Roman "Der Leopard" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa das erste Mal gelesen. Eine aus Mailand stammende Kommiliton hatte ihn mir wärmstens empfohlen. Ich war von der Lektüre begeistert. Zu Beginn dieses Jahrtausends las ich die Neuübersetzung "Der Gattopardo" und war immer noch angetan.
Vorhin sah ich den 1963 wieder einmal, den Lucchi Visconti aufgrund dieser Romanvorlage drehte. Erzählt wird der allmähliche Untergang eines Adelsgeschlechts, stellvertretend für viele andere, im 19.Jahrhundert in Sizilien. Der abgeklärte sehr nachdenkliche Fürst Salina (Burt Lancaster) sieht mit großer Skepsis den Beginn eines neuen Zeitalters und weiß, dass er sich arrangieren muss, um nicht unterzugehen. Seine sieben Kinder verfügen schon nicht mehr über die Stärke, um sich dem Neuen- der bürgerlichen Gesellschaft- zu widersetzen oder gar eine führende Rolle in diesem neuen System zu übernehmen und auf diese Weise die Veränderungen zu ihrem Vorteil zu nutzen.
Ganz anders sein Neffe Tancredi (Alain Delon), den er sehr liebt. Er ist ein typischer Vertreter dieser neuen Zeit. Sehr karrierebewusst und ideologisch wetterwendisch agiert er, wenn es seinem persönlichen Fortkommen dient.
Salina sieht dies alles, mahnt es aber nicht an, sondern begreift es als den Lauf der Dinge.
Zu Beginn des Filmes werden die politischen Verhältnisse in Italien zur Zeit des Filmgeschehens verdeutlicht, auch die starken Bezüge zur katholischen Kirche.
Der italienische Freiheitskämpfer Garibaldi erhebt sich gegen die französischen Bourbonen. Tancredi sympathisiert mit den Zielen Garibaldis und kämpft in der Rebellenarmee. Die Kämpfe werden mit viel Aufwand dargestellt. Man zeigt in der Folge auch die typischen Kriegsgewinnler, die nach Auseinandersetzungen jedwelcher Art immer ihren Schnitt zu machen suchen. Tancredi verliebt sich in Angelica, die bildhübsche Tochter(Claudia Cardinale) einer solchen Person, vielleicht auch ein wenig in das Geld des Alten.
Der 178 Minuten andauernde Film wartet u.a. mit einer grandiosen Ballszene auf. Claudia Cardinale und Alain Delon bestechen durch ihre jugendliche Schönheit. Von den beiden jungen Aufsteigern geht eine Kraft aus, die die müde, adelige Ballgesellschaft zu bloßen Stastisten degradiert. Nur Salina besitzt das Charisma, um die Aura der beiden Tänzer für eine Weile zu brechen. Der alte Fürst tanzt mit Tancredis Verlobten und demonstriert, dass er immer noch die Attraktivität besitzt selbst die schönsten Frauen für sich zu gewinnen.
Die Ballgesellschaft ist begeistert von dem altermäßig ungleichen tanzenden Paar. Augenscheinlich genießt Salina den Moment dieses Tanzes, führt die schöne Angelica dann aber sogleich zu ihrem Verlobten. Der Leopard weiß, das seine Zeit abgelaufen ist und akzeptiert diese Tatsache mit großer Würde und voller Demut.
Ein wunderbarer Film mit bemerkenswerten Bildern von der sizilianischen Landschaft, von der prachtvollen Innenausstattung des Palastes des Fürsten Salina, und einer Vielzahl sehr schöner Kostüme, insbesondere die aufwändigen Ballkleider begeistern den Betrachter. Bemerkenswert ist, dass viele Textpassagen dem Roman entnommen sind und auf diese Weise das intellektuelle Niveau des Films nicht unter den des Romans fällt.
Empfehlenswert.