Oftmals ist es ja so, daß die Filmfassung hinter ihrer literarischen oder historischen Vorlage aufgrund von Ungenauigkeiten und mehr als freier Interpretation seitens des Regisseurs zurücksteht. Dies kann man im Bezug auf Viscontis dreistündiges Werk absolut nicht behaupten. Im Gegenteil, durch die fast peinlich genaue Visualisierung der literarischen Vorgabe sowie die fast immer wiederkehrenden Zitate aus dem Roman wird selbiger erst zum Leben erweckt. Selbst kleinste Details kann man wiedererkennen: die Gemälde der Familiengüter im Arbeitszimmer des Fürsten von Salina, die "kräftigen biscotti di Monforte", die Padre Pirrone, Salinas Beichtvater, so gern zum starken Kaffee genießt, den Palast in Donnafugata mit seinen vielen unbewohnten Gemächern, die Tancredi und Angelica neugierig durchstreifen, ganz abgesehen von den nicht nur wunderschönen sondern vor allem auch historisch korrekten Kostümen und Frisuren. Auffallend ist auch die sorgfältige und typgerechte Auswahl der Schauspieler, allen voran natürlich Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon. Doch auch alle Nebenfiguren sind glaubwürdig und romangerecht besetzt. Nur das Ende des Films wurde im Bezug auf den Roman insofern verändert, als er nicht mit dem Tod des Fürsten und der Jahre danauf folgenden Beschreibung des traurigen Daseins der einsamen Concetta und ihrer unverheirateten Schwestern endet - sondern in der letzten Szene den Fürsten seine Sehnsucht nach der Ewigkeit der Sterne ausdrücken läßt, während nur wenige Minuten zuvor Deserteure aus der neuen italienischen Armee erschossen werden. Im Roman wird davon nichts erwähnt, doch es erscheint nicht als störender Zusatz, da dies sich durchaus so zugetragen haben könnte. Einzig und allein die Darstellung des Generals Pallavicino ist nicht ganz korrekt. Pallavicino ist im Film nur ein geschwätziger Prahlhans, der im Kreise der Damen von seinen Heldentaten berichtet. Im Roman hingegen hält Fabrizio di Salina den General nach dessen erstem Auftreten zunächst wirklich nur für einen eitlen und hirnlosen Fatzke, revidiert sein Urteil später am Abend während eines interessanten Zwiegesprächs jedoch sehr gründlich. Doch diese kleine Ungenauigkeit sei angesichts des Gesamtwerks gern verziehen, denn der ganze Film - wie übrigens auch seine Opernregien - zeugt von Viscontis Perfektionismus, mit dem er an diese nicht leicht zu bewerkstelligende Aufgabe heranging, und es wäre heutigen Film - und vor allem "Opernregisseuren" zu wünschen, daß sie auch nur ein Fünftel dieser Liebe zum Detail und dieses Respekts vor der Vorlage aufweisen könnten.
Absolut stimmig ist auch die Filmmusik, die von keinem geringeren als Nino Rota komponiert wurde, der für die Ballszene einen bis dahin unveröffentlichten Walzer Giuseppe Verdis bearbeitete.Tomasi di Lampedusa, der als Sproß eines altes sizilianischen Adelsgeschlechts sicherlich auch einen Teil seiner eigenen Geschichte in seinem Roman verarbeitet hat, konnte weder diese grandiose Verfilmung noch die Veröffentlichung seines Romans miterleben, da er schon 1957 an Lungenkrebs starb. Uns bleiben heute beide Werke, die eine ganze Epoche mit ihren Umbrüchen und Neuanfängen glaubwürdig und poetisch schildern.