Giuseppe Pagamino, umherziehender Medicus, Apotheker, Grabräuber, Zauberkünstler und noch vieles mehr, begegnet uns 1348 im pestentvölkerten Florenz, wo er gleich darauf Bekanntschaft mit dem jungen Arturo macht, und ihn zu seinem Gehilfen macht. In der Annahme, dem tumben Jungen all seine Geheimnisse anvertrauen zu können, enthüllt Giuseppe ihm seinen heimlichen Traum: das Lebenselixier "lacrime del diavolo" zusammenzubrauen, woran es ihm nur noch an einer klitzekleinen Ingredienz fehlt - dem Fingernagel des Teufels. Dabei fällt er leider von einer Pleite in die nächste, landet im tiefsten Kerker zusammen mit des Teufels Sohn, wird wie durch ein Wunder befreit, geht seines letzten Zahns verlustig als er Arturo vor dem sicheren Tode rettet, schlägt Kardinälen und Päpsten ein Schnippchen, immer auf der Flucht vor seinen Häschern, die ihm in Gestalt des skrupellosen, verrückten Soldatenhauptmanns Tizian dicht auf den Fersen bleiben. Durch seine geschmeidigen Lügen, Erfindungen und Verdrehungen windet sich Giuseppe aus jeder misslichen Lage bis auch er endlich seinen Meister findet.
"Der Lügner von Umbrien" ist ein Roman mit Herz und Verstand, anspruchsvoll und hintersinnig, voller Leben und Farbe, Schmerz und Freude. Es ist einer der besten historischen Romane die ich kenne und der vor allem den Namen "historisch" verdient, weil Bjarne Reuter es mit seinem Schreibstil schafft, den Leser komplett in die Geschichte abzutauchen zu lassen um Giuseppe und Arturo auf ihren verschlungenen Wegen zu folgen. Wenn es ginge, würde ich mehr als fünf Sterne vergeben.