Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist Amerika erschüttert, verunsichert und verletzt. Verletzt ist auch der FBI-Antiterroragent John Corey, der enge Freunde in den Türmen des World Trade Center verloren hat. Coreys Weltsicht ordnet sich konsequent dem inneren Willen unter, die USA zu schützen, sie aber auch von Beschuldigungen reinzuwaschen, die darauf hinauslaufen, dass 9/11 die Quittung für imperialistisches Gehabe auf politischer, militärischer und wirtschaftlicher Ebene sei. Corey hatte drei Jahre vor der Story einen grossen Coup gelandet, seither aber verläuft sein Agentenleben ereignislos, wodurch der Frust über die allgegenwärtige islamistische Bedrohung, gegen die er nichts Handfestes unternehmen kann, immer grösser wird. Einen iranischen UN-Diplomaten, der, von Corey beschattet, diesem an einer Ampel den Finger zeigt, vermöbelt er in einer Hoteltoilette ohne daraus den geringsten Nutzen für seine Ermittlertätigkeit zu ziehen.
Als der libysche Topterrosrist Asad Khalil, ein eiskalter und skrupelloser Mörder, in die USA einreist und beginnt, eine Blutspur hinter sich her zu ziehen, ist Corey allerdings wieder im Geschäft. Khalil und Corey waren schon Jahre zuvor erbitterte Gegner und hätten nur allzu gerne zum tödlichen Showdown angesetzt ("Das Spiel des Löwen"). Jetzt bahnt sich die Gelegenheit dazu unaufhaltsam an, denn Khalil, der mit einem Al Khaida-Auftrag in die USA eingereist ist, hat sich daneben für seinen Angriff auf Amerika noch ein eigenes Drehbuch geschrieben: er will seine Familie rächen, die bei den amerikanischen Luftangriffen auf Tripolis 1986 ums Leben kam. Da Corey bereits früher einen ähnlichen Rachefeldzug Khalils durchkreuzte, befindet sich auch der eigentlich berufsinvalide FBI-Agent mitten im Zielkreuz des Libyers. Die Story entwickelt sich zum spannenden Fernduell zwischen dem Ermittler und dem terroristischen Mörder, das unweigerlich auf das finale Duell zuzustreben scheint.
Interessanterweise werden im Roman zwei Erzählstränge parallel entwickelt: der erste ist jener John Coreys, der in der Ich-Form erzählt, der andere derjenige Asad Khalils, der jedoch von einer Drittperson geschildert wird. Der Corey-Strang ist authentisch und persönlich und, wie oft bei DeMille, von einem herrlichen sarkastischen Humor getragen. Der Khalil-Teil hingegen ist frei von Humor, jedoch glasklar in der Schilderung des kaltblütigen und berechnenden Plans des "Löwen".
Die Story ist abwechslungsreich, spannend und voller witziger Dialoge und Gedankengänge. Unaufdringlich vermittelt DeMille mit dem Porträt des gegen das Böse kämpfenden Corey ein psychologisches Inventar eines intelligenten Durchschnittsamerikaners, der sich ohne Weitblick oder geschichtliches Interesse, aber völlig auf seinen Auftrag fixiert, gegen die aufkommende Ahnung sträubt, dass die USA nicht mehr die unumstrittene Weltmacht sein könnten, die der Amerikaner von heute als kleines Kind noch als selbstverständlich erlebt hat.
Trotz aller Qualität und Spannung könnten sich Leser an den ganz und gar nicht wertfreien Schilderungen DeMilles stören, denn der Autor scheint der arabischen Welt, ihrer Religion und ihren Sitten nicht viel abgewinnen zu können. Im übrigen kann ich feststellen, dass die Lektüre des Vorgängerromans nicht zwingend notwendig ist, um hier voll auf seine Kosten zu kommen.
Dieses Buch ist nicht dazu da, um es nach dem Lesen im Seminar an der Uni zu diskutieren. Wir sprechen hier von intelligenter Unterhaltung. Wertung: 1A!