Ich gebe zu - dieses Buch zog mich zu Beginn vor allem wegen seines düster-romantischen Covers in seinen Bann. Ein kurzer Blick auf die Inhaltsangabe - und schon hatte ich es gekauft. Man soll ein Buch zwar nie nur nach seinem Cover beurteilen, aber in diesem Fall hatte ich die richtige Entscheidung getroffen und auch der Inhalt konnte mich vollstens überzeugen. ;)
Die 17-jährige Dawn lebt seit dem Tod ihrer Eltern gemeinsam mit ihrem Onkel Samuel, der sie wie einen Schatz hütet und von der Außenwelt abzuschotten versucht, in Ashfalls, einem amerikanischen Kaff mitten im Nirgendwo. Dawns bisheriges Leben verlief weitgehend ereignislos. Jediglich ihre wenigen Freunde aus der Schule lassen Dawns Leben im "goldenen Käfig" erst erträglich werden. Doch dann taucht Julien DuCraine in Ashfalls auf. Wenngleich der "Neue" an der Schule mit seinem fast überirdisch schönen Aussehen sämtliche Mädchenherzen höher schlagen lässt, spüren die Schüler doch instinktiv, dass von Julien etwas Gefährliches auszugehen scheint... Niemand weiß von seinem bisherigem Leben oder wagt es gar ihn danach zu fragen. Dass Julien ständig eine agedunkelte Brille trägt, seine Freundinnen halbwöchentlich wechselt und nur selten mal ein nettes Wort für jemanden übrig hat, lässt die Sympathien für den mysteriösen Jungen nicht gerade in die Höhe schnellen. Dawn scheint dem Ganzen weitgehend gleichgültig gegenüber zu stehen, bis Julien eines Tages bei einem DVD-Abend ihrer Freunde auftaucht und Dawn für eine kurze Spritztour auf seiner Blade mitnimmt, nur um sie dann völlig allein auf einem Aussichtspunkt zurückzulassen. Dawn ist außer sich vor Wut und beschließt keinen weiteren Gedanken mehr an diesen arroganten Kerl zu verschwenden. Doch in einem so kleinen Ort wie Ashfalls lässt es sich kaum vermeiden einander über den Weg zu laufen - und bei Dawn und Julien scheint dies sogar recht häufig zu geschehen. Dawn kann sich Julien und der Anziehung, die er auf sie ausübt, zunehmend weniger entziehen und auch er scheint in ihr nicht mehr nur die nervige Klette zu sehen, die ihn auf Schritt und Tritt zu verfolgen scheint. Schließlich werden die beiden aller Widerstände zum Trotz ein Paar und Dawn schwebt auf Wolke 7. Doch damit beginnen die Probleme erst. Nicht nur, dass Dawns Freunde der Beziehung misstrauisch gegenüberstehen - auch Julien scheint Dinge vor ihr zu verbergen, an denen ihre junge Liebe zu zerbrechen droht. Dann findet Dawn in Juliens Haus das Tagebuch ihrer Mutter. Plötzlich ist nichts mehr wie es scheint und Dawn muss nicht nur um ihr, sondern auch um Juliens Leben fürchten...
Einige RezesentInnen wiesen auf die frappierende Ähnlichkeit zu Stephenie Meyers Büchern hin. Ich halte das für nicht gerechtfertigt. Das Grundgerüst der Story weist vielleicht gewisse Parallelen auf, doch wer Lynn Ravens Werk zu lesen beginnt, bemerkt schnell, dass sich diese Geschichte bis auf das Thema des Vampirismus im Schulmilieu grundsätzlich von den Bis(s)-Büchern unterscheidet. Wer hier behauptet Lynn Raven habe von Stephenie Meyers Idee abgekupfert, müsste auch behaupten Stephenie Meyer haben ihre Idee aus dem Genre der Vampirromane genrell übernommen. Die Thematik bleibt schließlich immer dieselbe, egal, ob in einem Vampirroman für Jugendlichen oder Erwachsene - Vampir trifft auf Sterbliche, eine verbotene Liebe, die aus welchen Gründen auch immer nicht sein darf, doch er kann sich ihrem Bann nicht entziehen. Und diese Ideen gab es schon lange vor Bellas und Edwards Geschichte.
Ich habe bereits "Bis(s) zum Morgengrauen" von Stephenie Meyer gelesen, meinen ersten Vampirroman überhaupt, und alle Bis(s)-Fans mögen mir jetzt vegeben, wenn ich meine Meinung hier offen ausspreche: Ich habe mich durch diesen 400 Seiten Wälzer gequält, schnulzige Liebesszene um Liebesszene ertragen, bis es gegen Ende des Buches endlich zu ein bisschen Spannung kam. Ich konnte mir diesen ganzen Hype um Bella und Edward nicht erklären, schließlich gibt es kaum jemanden, dem das Buch nicht zusagte. Bitte versteht mich nicht falsch - ich habe gegen Romatik überhaupt nichts einzuwenden, im Gegenteil - je mehr, desto besser! ;) Allerdings kann das Maß auch überschritten werden, wenn dann die Story darunter leidet und jeden "Bis(s)" verliert. Und dieser Fehler unterlief meiner Meinung nach Stephenie Meyer. Nicht jedoch Lynn Raven, die mit "Der Kuss des Dämons" ein wirklich atemberaubendes Erstlingswerk schuf, dem es weder an Spannung, Drama oder Romantik fehlt, sodass man es kaum aus der Hand legen mag, bis nicht endlich auch die letzte Seite verschlungen wurde.