Ich habe dieses Büchlein nun doch, nach mehreren Anläufen, durchgelesen und muss leider sagen, dass ich mir mehr versprochen habe. Alles in Allem ist es eine kleine Entäuschung.
Rapaille stellt in diesem Buch anektdotisch eine Auswahl von ihm so genannten "Kultur-Codes" vor. Diese Codes, kulturspezifische mentale Autobahnen, die Wahrnehmungen mit Gefühlen und Symbolen verbinden, hat er im Auftrag internationaler Unternehmen in der Funktion eines Marktingberaters eruiert. Dazu nutzte er ein dreistufiges, qualitatives Interviewverfahren, die sog. Discovery-Sitzungen. Die Kenntnis tiefsitzender kultureller Prägungen ist bei der Produktgestaltung natürlich eine sehr nützliche Information. Daher scheint dieses Buch auf den ersten Blick für Marketer, Psychologen und Soziologen interessant zu sein.
Das Buch ist sehr gefällig geschrieben: es wird wohl kaum in den Olymp der hohen Literatur aufsteigen, aber auch nicht in der Unterwelt schmoren... Rapaille versucht seine Gedanken hier einem breiten Puplikum nahe zu bringen, was ihm sprachlich sehr gut gelingt; so verzichtet er weitgehend auf Fachterminologie bzw. erläutert Begriffe wo sie unvermeidlich sind. So handelt er nach einer kurzen Einleitung, wie er auf die Kultur-Code-Thematik gestoßen ist (Nestlé), einen US-amerikanischen Code nach dem anderen ab. Dabei werden viele Vorurteile bestätigt, aber es gibt auch die ein oder andere Überraschung. Im finalen Kapitel kommt er zum Code der Codes: dem für Amerika (Amerika=Traum). An dieser Stelle dann aber auch explizit aus der Sicht verschiedener europäischer Nationen.
Leider war das auch schon, was Gutes zu dem Buch zu sagen ist. Insgesamt bleibt das Buch Lichtjahre hinter den Möglichkeiten zurück, die das Thema eigentlich hergibt. Den Spagat zwischen Allgemein- und Theoriebildung ist ihm nicht gelungen. Über folgendes erfährt man quasi nichts:
- Theoretische Grundlagen und Anknüpfungspunkte einer Theorie kultureller Codes
- Methodik der Discovery-Sitzungen, insbesondere Auswertung
- Brauchbare Handlungsempfehlungen für Marketingpraktiker
- Literaturangaben bzw. -empfehlungen
- Systematische Mehr-Länder-Vergleiche von kulturellen Codes
Dafür erfährt man sehr viel über Clotaire Rapaille: dass er aus Frankreich kommt, dass er Psychologe ist, dass er ein international erfolgreicher Marketing-Berater ist, dass er mitschuldig ist am Crysler PT, dass er überzeugter Amerikaner ist und schon immer war usw.
Das ist ein bißchen der fade Nachgeschmack, der nach der Lektüre bleibt: die totale Lobhudelei auf sich selbst und auf Amerika. Das ist meines Erachtens nicht genug für drei Sterne.