Der finstere Nôd´onn ist besiegt, doch seine letzten Worte, mit denen er vor einer noch viel größeren Bedrohung für das Geborgene Land warnte, scheinen sich zu bewahrheiten: Während Menschen, Elfen und natürlich Zwerge die letzten versprengten Überreste von Nôd´onns Heer vernichten und sogar planen Dsôn, die große Hauptstadt der dunklen Alben selbst anzugreifen, entdecken einige der überlebenden Orks das Geheimnis des Schwarzen Wassers, wodurch sie scheinbar Unsterblichkeit erlangen und so im Kampf praktisch nicht zu töten sind. Dazu bricht dann auch noch jeglicher Kontakt mit dem Stamm der Ersten ab, nachdem ein Stern mit feurigem Schweif irgendwo jenseits der westlichen Berge auf die Erde herab gestürzt ist. Und als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, nutzen die Dritten die Gunst der Stunde, um den verhaßten anderen Zwergenstämmen endgültig den Garaus zu machen.
Tungdil Goldhand und seine Gefährten sind wiedereinmal die einzigen, die das Geborgene Land noch retten können - vor äußeren Feinden wie vor sich selbst...
Ich muß zugeben, daß ich mir nach dem ersten Band „Die Zwerge" nicht vorstellen konnte, daß ein zweiter Teil da auch nur annähernd heranreichen könnte. Ich erwartete einen verwässerten Aufguß der vorherigen Geschichte, wie das ja bei Fortsetzungen erfolgreicher Romane so üblich zu sein scheint...
Aber ich habe mich glücklicherweise geirrt. Und wie! „Der Krieg der Zwerge" ist in jeder Hinsicht ein würdiger Nachfolger. In Sachen Spannung, Dichte der Atmosphäre und vor allem der glaubhaften Darstellung der Charaktere setzt dieses Buch sogar noch einen oben drauf! Die Geschichte selbst beginnt genau dort, wo „Die Zwerge" endete. Man erinnere sich: Tungdil und Balyndis sahen den Meteoriten über die Berge nach Westen stürzen und irgendwo dort herunterkommen und fragten sich, ob dies ein gutes oder ein schlechtes Zeichen sei. Nun ist diese Frage eindeutig beantwortet: Ein gutes, da wir so in den Genuß von „Der Krieg der Zwerge" kommen!
Die äußerst geschickt an den Vorgängerroman angefügte Handlung dreht sich hauptsächlich um die „Schwarzwasser-Orks", die geheimen Pläne der „Dritten" und die Gefahr aus dem Westen, über die ich jetzt aber nichts verraten möchte, da hier noch einige Überraschungen ihrer Entdeckung harren.
Die Berührungspunkte dieser ineinander verwobenen Handlungsstränge ergeben zusammen das Muster einer wirklich brillanten Fantasygeschichte, in der dazu auch noch die bekannten und liebgewonnenen Hauptpersonen durch die neuen Herausforderungen charakterlich weiterentwickelt werden: Wer zum Beispiel glaubte, daß Tungdil und Balyndis nach dem ersten Mal „Weltretten" nur noch glücklich zusammen bis an das ende ihrer Tage und das der Tod sie scheide etc. pp, und somit alles erzählt und dieses Thema abgeschlossen wäre, der hat seine Rechnung ohne Markus Heitz gemacht: Nichts ist abgeschlossen, es geht alles weiter. Buchstäblich! Gegner werden zu Verbündeten, Verbündete zu Gegnern; alte Freundschaften zerfallen genau so, wie Liebe zerbricht und einstige Allianzen sich in neuer Feindschaft auflösen. Dafür tauchen neue Parteien und somit neue Möglichkeiten auf. Und all dies spielt vor dem Hintergrund des epischen Kampfes gegen Nôd´onn, denn es gibt noch die eine oder andere Auswirkung zu überstehen, die der Kampf gegen den Schwarzmagier nach sich zieht und viele alte Rechnungen zu begleichen.
Mein Fazit:
„Der Krieg der Zwerge" ist für jeden, dem „Die Zwerge" auch nur annähernd gefallen hat ein absolutes MUSS - keine Diskussion! Auch wenn man den ersten Teil nicht kennt, kann man die Geschichte problemlos verstehen, da gegebenenfalls alle relevanten Ereignisse vorher irgendwie aufgearbeitet oder von irgendwem kurz nacherzählt werden (wie gesagt, es geht ALLES weiter!) - es macht aber wirklich mehr Spaß, wenn man „Die Zwerge" kennt.
Spannung erstklassig, Charaktere vielseitig, Atmosphäre dicht, Story brillant - was kann man noch mehr sagen?
Voll verdiente fünf Sterne!