Schwarze Löcher sind real. Das Universum ist voll von ihnen, und sie gehören wohl zu den bizarrsten, gewaltigsten und spektakulärsten Körpern der Astrophysik. Es handelt sich um besonders kompakte und dichte Objekte, aus denen nicht einmal das Licht zu entkommen vermag. Verstehen lassen sich diese Merkwürdigkeiten der Natur nur sehr schwer. Die Gravitation nimmt bei ihrer Deutung eine entscheidende Rolle ein. "Schwarze Löcher sind nicht nur dichte Sterne; sie sind vielmehr die ultimativen Informationsspeicher, in denen die Bits so dicht gepackt sind wie ein zweidimensionaler Haufen Kanonenkugeln, aber in einem vierunddreißig Größenordnungen kleineren Maßstab.", schreibt der Physiker Leonard Susskind
Genau um diese gespeicherten Informationen entbrannte ein "Krieg" oder besser ein Widerspruch oder Konflikt, der das Lager der angesehensten Physiker spaltete. Auf der einen Seite Stephen Hawking, der behauptete, dass Information in diesen ultimativen Fallen unwiederbringlich verloren sei, da "Schwarze Löcher letztendlich verdunsten und verschwinden, ohne von dem, was hineingefallen war, eine Spur zu hinterlassen". Auf der anderen Seite der Autor, der sich dieser so scheinbar harmlosen Behauptung vehement entgegenstellte, da sie doch das ganze Gebäude der modernen Physik untergraben würde. Ein elementares Naturgesetz, die Erhaltung der Information, wäre gefährdet.
"Über Kosmologen sagt man, sie seien oft im Irrtum, aber nie im Zweifel. Wenn das zutrifft, dann ist Stephen nur zur Hälfte ein Kosmologe: nie im Zweifel, aber kaum jemals im Irrtum. In diesem Fall irrte er. (...) unabhängig wie groß er auch immer sein mag, hat Stephen Hawking mindestens einmal den Überblick über seine Bits verloren, und dadurch entstand der Krieg um das Schwarze Loch." (Leonard Susskind)
Dieses Buch handelt von diesem interessanten, geistigen und scharfen intellektuellen Kampf und der Frage: Wie rettet man die Physik vor der Anarchie des Informationsverlustes? Vorweg: Es ist allerhand abstrakte Hirnakrobatik von Nöten, denn hier "wird eine Welt erklärt, die unseren Sinnen bei weitem verschlossener ist als die Quantenmechanik und die Relativitätstheorie." Und der Autor setzt noch eines drauf: "Um die Quantenwelt zu grokken, benötigt man eigentlich abstrakte Mathematik: unendlichdimensionale Hiberträume, Projektionsoperatoren, unitäre Matrizen und eine Menge weiterer avancierter Konzepte, die zu erlernen einige Jährchen erfordert." Entmutigend? Nein, denn Leonard Susskind ist es gelungen, ein Buch zu schreiben, dass dem physikalisch interessierten Laien immerhin über weite Strecken einen durchaus verständlichen Blick hinter die Gedankengebäude der Wissenschaftler ermöglicht.
Auf über 500 dichtgepackten, informativen Seiten erklärt Susskind, warum Hawkings Behauptung so problematisch war. Er beginnt mit grundlegenden Erläuterungen zur Gravitation und zu Einsteins Relativitätstheorie, mäandert danach durch die Grundlagen der Quantenmechanik und der Schwarzloch-Physik, um sich letztendlich bis zur Erklärung der Stringtheorie zu steigern. Das Buch ist zugleich die Chronik einer Entdeckung, nämlich des Holografischen Prinzips - eine der unintuitivsten Abstraktionen der gesamten Physik. Einschlägige Vorkenntnisse von der Materie sind bei der Lektüre generell von Vorteil. Allerdings gelingt es dem Autor, selbst abstrakte Dinge wie die Entropie eines Schwarzen Loches plastisch und anschaulich zu erklären. Ein weiteres großes Plus: Susskind beschäftigt sich nicht nur mit wissenschaftlichen, sondern er fängt auch emotionale Aspekte ein und würzt das Ganze mit einer gehörigen Portion Humor. Herausgekommen ist eine intellektuell anspruchsvolle Herausforderung, die zuweilen eine Neuverdrahtung im "Oberstübchen" erforderlich macht, aber trotzdem nicht entmutigt. Ganz nach dem Motto: "Neugier ist wie ein Juckreiz - sie will gekratzt werden."