Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert, hat aber im Grunde nichts von ihrer Aktualität verloren:
In zwei französischen Dörfern, Longeverne und Velrans, räumlich getrennt durch ein Stück Brachland, genannt Saute, kämpfen jedes Jahr mit dem Beginn des neuen Schuljahres die Kinder aus beiden Dörfern recht heftige Kleinkriege gegeneinander aus.
Früher waren es mal die Erwachsenen, die sich heftig angingen und sich aufgrund einer Lappalie seither spinnefeind sind. Und diese Feindschaft übertrug sich aus banalen Gründen, wie: War halt schon immer so. Die anderen sind eben schlecht" mittlerweile auf die Kinder.
Wie in richtigen Kriegen eben...siehe Israel oder Nordirland.
Während der Zeit, wo alle Angst vor dem schwarzen Tod, der Pest, hatten, war eine völlig fremde Kuh auf der Saute verstorben und die Dörfler hatten buchstäblich eine Heidenangst vor Ansteckung. Daher fand sich niemand, der das Tier aus Angst begrub, sondern man schob sich gegenseitig die Verantwortung zu, bis die Longeverner per Gerichtsbeschluß dazu verdonnert wurden, das Tier zu begraben.
Als Gegenleistung wurde ihnen dafür aber auch der Besitz und Nutzungsrecht für das Gebiet zugesprochen, was den Velranern keineswegs in den Kram passte. Es kam immer wieder zu Übergriffen von allen Seiten und der Konflikt wurde nie richtig ad acta gelegt, sondern auf die Kinder übertragen.
Eine Beschimpfung als Weichei" reicht nun schon aus, um richtig militärisch anmutende Rachefeldzüge auszuarbeiten, die zwar mit viel Witz und Pfiffigkeit unternommen werden - so gehen die Kinder zum Beispiel dazu über, den anderen Knöpfe, Schnallen u. ä. abzuschneiden und kämpfen sogar einmal nackt, was allerdings aufgrund der recht kühlen Witterung schnell wieder sein gelassen wird - und keiner der Kinder ist ernsthaft daran interessiert, den anderen ernsthaft zu schaden oder sie zu verletzen. Denn eigentlich sehen beide Kindergruppen die Lehrer und Erwachsenen allgemein als Hauptgegner an, die ihnen in ihrem Freiheits- und Bewegungsdrang hinderlich sind.
Aber auch dieser Konflikt entwickelt mit der Zeit ein recht starkes Eigenleben. Die Kriegsbeute, also die Knöpfe, Schnallen und Bänder muß geschützt, ein Vorrat, natürlich geklaut oder das Geld dafür ebenso nicht ganz rechtmäßig organisiert eingenommen, werden, ein geheimer Versammlungsort gefunden, an dem man auch Strategien für Schlachten und Siegesfeiern ungestört planen und durchführen kann.
Dadurch wird selbstredend der ideelle Wert, den es zu schützen und zu verteidigen gilt, ungeheuer erhöht und obwohl dies einerseits dem Zusammenhalt, dem Ideenreichtum und der Kameradschaft dient, gibt es natürlich auch die Schattenseiten des Ganzen: es existiert ein Verräter, der sich zurückgesetzt fühlt und an dem die Eifersucht - auch wegen eines Mädchens - und der Neid knabbern.
Mehr sei dem Lesevergnügen nicht vorweggenommen, außer, dass es dem Autor wirklich perfekt gelungen ist, locker, witzig, nachvollziehbar und leicht, ohne erhobenen Zeigefinger darzustellen, wie es zu kriegen kommt und warum manche wohl nie enden werden.
Ich würde dieses Buch jedem ans Herz legen und besonders als zeitgemäßere Lektüre Schulen empfehlen. Lernen ist sehr viel effektiver, wenn man dabei schmunzeln kann, denke ich mal.