"Der Krieg am Ende der Welt" - In seinem unverwechselbaren, ebenso prägnanten wie eleganten Stil erzählt Vargas Llosa die authentische Geschichte eines heute längst vergessenen Konflikts aus dem Brasilien der vorletzten Jahrhundertwende. Verelendete Tagelöhner, entlaufene Sklaven, gewissenlose Halsabschneider strömen ins karge, trockene Hügelland von Bahia, einer rückständigen und bitterarmen Provinz im Nordosten. Sie scharen sich, auf Erlösung hoffend, um einen wundertätigen Wanderprediger und Propheten, der das Ende der Welt und die Befreiung der Unterdrückten beschwört, und den gottverlassenen Flecken Canudos zum Standort des Neuen Jerusalems erklärt. Die Großgrundbesitzer bangen um ihre Pfründe, abgehalfterte Monarchisten wittern Morgenluft, die Zentralgewalt der jungen Republik im fernen Rio fürchtet ein Komplott: Intrigen werden gesponnen und Soldaten in Marsch gesetzt. Ein verirrter Anarchist aus Europa wähnt sich am Beginn einer proletarischen Revolution, und ein kurzsichtiger Schmierenjournalist von der Küste wird vom Sensationsreporter eines kurzen Feldzugs gegen Aufrührer zum Berichterstatter eines eskalierenden Bürgerkriegs, schließlich zum Augenzeugen eines apokalyptischen Schlachtens weitab aller Zivilisation und Zivilisiertheit. Vargas Llosas Schilderung ist hart, bunt, plastisch, seine Sprache wie immer brillant in ihrer Prägnanz und Eleganz. Er schafft es wieder einmal, Brücken in die magische Welt naiven Volksglaubens und abergläubischer Frömmigkeit der einfachen Bevölkerung Südamerikas zu bauen, die dem aufgeklärten und vermeintlich zivilisierten Stadtmenschen so unbegreiflich und doch so plausibel erscheint. Übrigens orientiert sich Varags Llosa an den autobiographischen Aufzeichnungen des erwähnten Journalisten, Euclides da Cunha mit Namen, die dieser unter dem Titel "Os sertoes" veröffentlichte und die heute noch zur klassischen Nationalliteratur Brasiliens zählen.