Als 1930 ein hochbegabter indischer Student namens Subramanyan Chandrasekhar nach Cambridge kam, hatte er brisante Berechnungen im Gepäck, die ergaben, dass Sterne mit mehr als 1,4 Sonnenmassen während ihres Alterungsprozesses zu einer Singularität in der Raumzeit zusammenstürzen, anstatt wie die anderen Sterne auf der damals bereits bekannten Stufe des "Weißen Zwergs" stehen zu bleiben.
Damit kam Chandra, wie er allgemein genannt wurde, dem berühmtesten Astrophysiker jener Zeit, Sir Arthur Eddington, in die Quere, denn dessen Theorie, auf der sein Lebenswerk basieren sollte, wäre durch die Existenz Schwarzer Löcher gestürzt worden. So tat Eddington alles, um Chandra zu diskreditieren, wobei auch rassistische Motive eine Rolle gespielt haben mögen. Als Chandra Anfang 1935 seine revolutionären Ergebnisse in einem Vortrag vorstellte, machte ihn Eddington vor allen Kollegen lächerlich, freilich ohne wissenschaftlich haltbare Gegenargumente. Niemand stellte sich öffentlich hinter Chandra, zu bedeutend war Eddingtons Persönlichkeit. Physiker von Weltruhm wie Niels Bohr stimmten Chandra unter vier Augen zu, aber sie unternahmen nichts, was Chandra unterstützt hätte.
Chandra machte in Amerika eine großartige Karriere auf den unterschiedlichsten Gebieten der Physik, die Forschung über Schwarze Löcher wurde jedoch um dreißig Jahre verzögert. Erst auf dem Umweg über die Forschungen an der Wasserstoffbombe, die auf ähnlichen Prozessen fußt wie die Vorgänge im Inneren von Sternen, wurden Schwarze Löcher erneut postuliert und schließlich auch indirekt nachgewiesen.
Chandra erhielt den Nobelpreis sozusagen mit 50 Jahren Verspätung, aber nach allem, was geschehen war, empfand er offensichtlich mehr Bitterkeit als Freude über die Auszeichnung.
Das Buch liefert einen recht dramatischen (jedoch in keiner Weise reißerischen) Abriss der astrophysikalischen Forschung von den Zwanzigern bis über die Sechziger hinaus und stellt zugleich Chandras spannende Biografie vor. Auch andere Forscher werden anhand vielfältiger Quellen porträtiert, sodass der Zugang zum wissenschaftlichen Thema von der sehr ausgeprägten menschlichen Seite her erfolgt, die tiefe Einflüsse auf den Fortgang der Wissenschaft hatte. Zudem ist es interessant zu erfahren, dass die "Zweitentdeckung" der Schwarzen Löcher auf dem Umweg über Atom- und Wasserstoffbombe erfolgte.
Vorkenntnisse benötigt man zur Lektüre nicht. Das Buch enthält eine Reihe von Fotos berühmter Physiker und Astronomen sowie astronomischer Phänomene und ist insgesamt sehr ansprechend aufgemacht.
Eine spannende und aufschlussreiche Lektüre!