"Wenn du dein Schwert ziehst, denke nicht daran, wen du töten, sondern wen du schonen kannst."
(Arn Magnusson)
Im Sommer des Jahres 2001 hat timediver® mit "Die Krone von Götaland" gerade den letzten Band von Jan Guillous Trilogie um den Tempelritter Arn Magnusson und Cecilia Algotsdotter (Rosa) gelesen und rezensiert, als er in einem Stockholmer Schaufenster das soeben erschienene Sequel "Arvet efter Arn." entdeckt....
....2006, bzw. 2007 wird die epische Trilogie vom dänischen Regisseur Peter Flinth in zwei Teilen als "Arn - Tempelriddaren" und "Arn - Riket vid vägens slut" verfilmt. Im Februar 2009 werden beide, zusammen auf 128 Minuten gekürzte, Filme unter dem Titel "Arn - Der Kreuzritter" als deutschsprachige DVD veröffentlicht. Die komplette, 270 Minuten lange Fassung wird im Oktober 2009 als "ARN - Die TV Serie" nachgeschoben. Wohl im Zuge dieser DVD-Veröffentlichung publiziert der Heyne Verlag zwischen März und Oktober 2009 die Trilogie unter dem als "Der Kreuzritter - Aufbruch: Roman", "Der Kreuzritter - Verbannung: Roman" und "Der Kreuzritter - Rückkehr: Roman" neu....
....und veröffentlicht schließlich in deutscher Erstausgabe(!) dann im Juni 2010 schließlich den vierten Band als "Der Kreuzritter - Das Erbe"....
....dessen Prolog Jan Guillou mit der "Schlacht von Narunga" (Herrevadsbro) im Jahre 1251 und den Erinnerung seines Protagonisten Riksjarl Birger Magnusson beginnen lässt. Bereits hier nutzt der Autor historische Lücken für seine Fiktion geschickt aus. Während Magnus Miniskjöld und Ingrid Ylva Sunesdotter als Eltern von Birger (II.) Jarl überliefert sind, ist es fraglich, ob Bengt Snivil der Vater von Magnus Miniskjöld war. Guillou macht kurzerhand den Protagonisten seiner Trilogie, Arn Magnusson, zu dessen Vater und damit automatisch Birger Jarl zu dessen Enkel. Der historische Magnus Miniskjöld und die Romanfigur Arn Magnusson sind beide in, bzw. nach der Schlacht von Gestilren (17. Juli 1210) gestorben. Als Geburtsjahr von Birgel Jarl wird der Zeitraum zwischen 1200 - 1210 angenommen. Guillou lässt ihn jedoch schon als Kind und Confanonier der Folkungar bei Gestilren teilnehmen....
....und erzählt anschließend in vier Kapiteln seine Lebensgeschichte Birger Jarls. Hierbei vermeidet der Autor es, gleichzeitig Angaben zum Alter seines Protagonisten (z. B. bald 18, Seite 149) zu machen und Jahreszahlen (1216, S. 245) anzugeben. Dadurch schafft er sich einen zusätzlichen breiten Freiraum für seine Fiktionen. Von denen im ersten Kapitel "Die Zeit der Witwen" genannten Frauen ist lediglich Ingrid Ylva Sunesdotter von Bjelbo (um 1180er - 1250/1255) historisch belegt. Während Cecilia Algotsdotter(Rosa) und Emundsdotter Ulvhilde fiktive Gestalten sind, schweigen die Quellen in Bezug auf die Ehefrau König Knuts I., die Guillou schlicht als Cecilia Ulfsdotter (Blanca) bezeichnet. Die von Arn Magnusson gegründete Militärschule in Forsvik ist, ebenso wie die dortige Sarazenenkolonie, der Fantasie des Autors entsprungen.
Auch in den anderen drei Kapiteln "Die Zeit der Alten", "Die Zeit der Niedertracht" und "Die Zeit des Jarls" hat Guillou mitunter die historische Chronolgie verändert, wichtige historische Fakten verändert oder ganz weggelassen. 1220 eroberte der schwedische König Johann I. Sverkersson die Festung Leal/Lihula in Estland. Im Roman nimmt Birger Jarl nicht nur an diesem Eroberungsfeldzug gegen die "baltischen Heiden" teil, er trifft dort auch noch auf Ritter des "Schwertbrüderordens", deren Signum fälschlich als rotes Tempelritterkreuz, das von einem schwarzen Schwert durchbohrt wird (S. 317), beschrieben wird. Tatsächlich zeigte das Abzeichen des Ordens ein rotes Schwert unter einem Templerkreuz. Später wird lapidar erwähnt, dass "die Schwertbrüder von den wilden Litauern im Süden in Schach gehalten worden waren" (S. 358). Es fehlt jeglicher Hinweis darauf, dass die "Fratres miliciae Christi de Livonia" nach ihrer verheerenden Niederlage gegen die Litauer bei Schaulen (1237) in den Deutschen Orden eingegliedert wurden. Der "Ordo Teutonicus" hingegen wird an keiner Stelle im Roman erwähnt, obwohl dieser zusammen mit dem historischen Birger Jarl im Jahre 1256 versuchte, südlich des Finnischen Meerbusens einen Stützpunkt zu erreichten.
Auch bei den Unternehmungen in Finnland geht es drunter und drüber. Da heißt es, dass "vor zehn Jahren" (?) ein Aufstand in Tavastland mit Unterstützung Nowgorods stattfand" (S. 469) und "von Nowgorod die Heiden nach Westen vordringen und die Christen in Fennien (S. 532) bedrohen". 1249, anderen Quellen zufolge bereits 1239, hatte Birger Jarl einen "Kreuzzug nach Finnland" unternommen und Tavastehus gegründet. Hinsichtlich seiner Niederlage in der "Schlacht an der Newa" (15. Juli 1240) gegen Alexander Newski schweigt der Roman jedoch ebenso, wie zur Tatsache, dass die Nowgoroder (orthodoxe) Christen waren. König Knut II. Holmgersson "Lange till Sko" starb nicht in der Schlacht von Sparrysätra bei Enköping (S. 454), denn diese wurde erst 1247 geschlagen. Dort wurden vielmehr dessen Sohn Holmger Knutsson und andere Rebellen gegen König Erik XI. "läspe" besiegt. Auch eine Belagerung Lübecks durch Dänen (S. 479) ist den Annalen unbekannt.
Trotz aller Ungereimtheiten bietet der Roman einen spannenden Einblick in die frühe Geschichte des Königreiches Schweden. So ließ Birger Jarl die Einfahrt in den Mälaren (neue Stadt; S. 491) befestigen, so dass sich dort Stockholm zur Handelsstadt entwickeln konnte. 1248 zum Riksjarl ernannt, verhandelte er beim Provinzialkonzil von Skänninge mit dem päpstlichen Legaten Wilhelm von Modena, was u. a. die rechtliche Trennung von Kirche und Staat und die Einführung des Zölibat zur Folge haben sollte. Mit der Wahl des 12jährigen Sohnes Birger Jarls, Valdemar Birgersson, zum König von Schweden (S. 542), der 1250 tatsächlich jedoch erst sieben Jahre alt war, und dem Epilog mit dem Ausgang der Schlacht von Narunga (Herrevadsbro) schließt sich der Kreis der Romanhandlung.
In seinem Nachwort vergleicht Guillou die Verhältnisse im Schweden des 13. Jahrhunderts mit "mafiösen Strukturen", denen Birger Jarl mit der Einführung des Römischen Rechts und dem staatlichen Gewaltmonopol ein Ende setzte. Bis auf "Die Schauplätze des Buches" und eine schwarzweisse Karte (S. 6/7) werden leider keine Materialien geboten.
Unter Außerachtlassung der beschriebenen Mängel ist "Der Kreuzritter - das Erbe" ein mit Spannung zu lesender, mehr oder weniger historischer Roman, dem der Heyne Verlag dieses Attribut verwehrt hat. Er kann zwar auch als eigenständiger Teil gelesen werden, ist für timediver® jedoch der stärkste Teil der "Kreuzritter-Tetralogie" und mit 3,5 Amazonsternen zu bewerten.
Weitere Fortsetzungen dieses schwedischen Epos - ähnlich den französischen "Les rois mauditsDer Fluch aus den Flammen" von Maurice Druon oder "Fortune de France" von Robert Merle wären wünschenswert.