Über dunkle Kanäle tauchen radioaktive Edelsteine auf, die dem Protagonisten Wyman Ford und seinen CIA-Freunden vor allem deshalb Sorge bereiten, weil Terroristen sie zu schmutzigen Bomben weiterverarbeiten könnten. Also wird besagter Ford mit der Suche nach dem Ursprung der Steine beauftragt und gelangt nach Kambodscha. Tief im Dschungel leitet "Bruder Nummer Sechs" (ein Kriegsverbrecher der Roten Khmer und früherer Weggefährte des berüchtigten Diktators Pol Pot) eine geheime Edelsteinmine, die sich in einem Krater befindet.
Die Einleitung und vor allem der Name Douglas Preston versprechen eine spannende und gut recherchierte Story. Doch es kommt anders...
Man jagt einer supergeheimen Festplatte nach, auf der sich unzählige Fotos befinden, von denen eines (nur eines!) alles verändern wird. Man ahnt schon, dass einige für diese Festplatte über Leichen gehen würden.
Gut, ein rational denkender Mensch hätte sich dieses eine (wichtige) Foto kopiert, per Mail verschickt oder (weil gerade in Mode) bei WikiLeaks hochgeladen und damit sein Leben gerettet, aber es gibt auch eine Menge Menschen, die sich für so eine Festplatte bereitwillig abknallen lassen - und wir treffen sie alle in dieser Geschichte.
Können realitätsnahe Leser bei der 140 TB-Festplatte! (Stand Dez. 2010) vielleicht noch beide Augen ganz fest zudrücken, so gelingt das im Verlauf der Geschichte immer weniger. Es sind zwei Dinge, die den Verdacht unterstreichen, dass hier wieder einmal einer von Douglas Prestons Ghostwritern erbarmungslos zugeschlagen hat:
Da wäre zum einen die kindliche Naivität, die alle Protagonisten (vom Präsidenten über den Profikiller bis zum Kriegsverbrecher) auszeichnet: Man versteckt wichtige Dinge mal schnell hinter dem Rücken, fälscht Hochsicherheitsaufkleber mit Stift und Klebeband, schüchtert übermächtige Gegner durch den Bluff mit der unsichtbaren Verstärkung ein und setzt als Guter darauf, dass keiner der Feinde in der Kindheit die Drei-Fragezeichen-Bücher gelesen hat, denen diese Tricks entstammen. Man mag es weder glauben noch wahrhaben, aber all diese Methoden klappen auf Anhieb, wenn die Protagonisten sie anwenden.
Zum anderen ist es Kollege Zufall, der übertrieben glücklich Regie führt: Im größten Sturm und zwischen dutzenden Inseln mit Klippen, Felsen und Versteckmöglichkeiten findet ein kleines Schiff das andere. Ultrageheime Passwörter werden nicht gehackt, sondern erraten! Auf der Flucht versteckte Autos werden von aufmerksamen Bürgern bereits gemeldet, bevor die Suchmeldung läuft. Schlüssel zu sündteuren Superyachten finden sich praktischerweise genau dort, wo der Protagonist in Not sie zuerst sucht usw.
Die Übersetzerin (sonst für ihre gute Arbeit bekannt) fällt diesmal leider durch Wortwiederholungen auf, während sich das Lektorat für eine willkürliche Mischung aus alter und neuer Rechtschreibung entschieden hat.
Fazit: Wieder ein "Preston", der sich selbst nicht geschrieben, ja vermutlich nicht einmal gelesen hat. Schade, denn die Recherche ist teilweise wirklich gelungen, geht aber in der Summe der Absurditäten unter, die das Lesevergnügen trüben.