Ich teile die Ansicht des letzten Rezensenten nicht, das Buch sei apologetisch und damit sozusagen für Nicht-Gläubige uninteressant. Cook eröffnet faszinierende Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Koran, den Prozess seiner Kodifizierung und in seine linguistisch-semantische Analyse, bis hin zur Bedeutung gewisser Eigenheiten der arabischen Schrift (einer Konsonantenschrift bei der Vokale ganz oder teilweise ausgelassen werden) für die Übersetzung und Auslegung. Das habe ich so noch nirgends gesehen.
Ich hatte auch nicht den Eindruck, Cook sei als Missionar im Pelz des Wissenschaftlers unterwegs. So wie Biologen mit Sympathie und Hingabe über Borstenwürmer schreiben, die andere Leute vielleicht nur eklig finden würden, so schreiben eben auch Religionswissenschaftler mit einer, nun ja, nennen wir es gewissen Zärtlichkeit über ihr Sujet, ohne dass sie dies für die Realität blind machen muss. Neutral und wissenschaftlich über Religion zu schreiben, heißt auch keineswegs von der These auszugehen, Religion sei Unsinn und Gott nur eine Märchenfigur. Denn das wäre genauso unwissenschaftlich.
Jedem, der sich das Buch zu kaufen überlegt, sollte aber klar sein: Es ist trotz sehr guter Lesbarkeit weniger eine an die Allgemeinheit gerichtete Einführung in den Islam, sondern eher eine philologisch orientierte Analyse des Korans, fast schon ein Fachbuch. Wer dies sucht, wird gut bedient. Anderen empfehle ich als Einstieg eher Werke von Annemarie Schimmel oder Ursula Spuler-Stegemann.